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Politik im Rest der Welt Donald Trump verkauft sich gut
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20:23 10.09.2016
Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit? Bücher von und über Trump sind ein Garant für Bestseller-Listen – wenigstens in den USA. Quelle: dpa

. Wer über Donald Trump noch nicht alles wissen sollte, wird mit einer Reihe von Neuerscheinungen in den USA bestens versorgt. Ernsthafte Analysen, tiefgründige Recherchen, neue Auflagen früher Porträts und ein Comic ergeben ein hochfeines Mosaik des republikanischen Präsidentschaftskandidaten und Milliardärs. Die Lektüre hat aber ihren Preis.

„Diesen Stapel zu lesen, bedeutet den Sturz in eine Bizarro-Welt.“ Washington Post

„Diesen Stapel zu lesen, bedeutet den Sturz in eine Bizarro-Welt, eine Spielart von Dantes Inferno“, meint zumindest die „Washington Post“. Und ergänzt, Philip Roth habe das schon vor 50 Jahren visionär und passgenau beschrieben: Die ganz und gar echte Realität der USA sei so verblüffend, so erstaunlich und so schräg, dass sie die magere Imaginationskraft eines jeden Schriftstellers locker erniedrige.

Der neueste Versuch, Trump bis in seine tiefsten Tiefen auszuleuchten, ist einer der besten. „Trump enthüllt: Eine amerikanische Reise von Ehrgeiz, Ego, Geld und Macht“ haben die Journalisten Michael Kranish und Marc Fisher ihre glänzende Recherche überschrieben. Sehr gut geschrieben, viele neue Details, 20 Stunden Interview mit Trump selbst, wovon der Präsidentschaftsanwärter heute aber nicht mehr viel wissen will.

Ebenfalls großartig ist „The Making of Donald Trump“ des früheren „New Yorker“-Reporters David Cay Johnston. Drei Jahrzehnte hat er Trump begleitet, zeichnet obskure Geschäftspraktiken des selbsterklärten Deal-Großmeisters nach, dazu seine Rücksichtslosigkeit, die geschäftsmäßige Normalität seiner Brutalität.

Die „Post“ meint, alle Bücher porträtierten den Mogul in einer letztlich bemerkenswerten Konsistenz. Beschrieben werde ein laut krähender Narzisst, auf schon fast komische Weise selbstsüchtig: „Süchtig nach Übertreibungen, lässt er für Jux und Profit alle Wahrheiten fahren“.

In Trumps Welt, das wird aus allen Werken deutlich, regiert der unverstellte Darwinismus, in dem Gewinnen alles und Achtung vor anderen nichts ist. Am deutlichsten wird das, wenn Trump schreibt oder schreiben lässt: „Meistens kann man andere nicht respektieren, weil sie Deinen Respekt einfach nicht verdienen.“ Oder (schon von 2004): „Sei paranoid.“ Oder: „Wenn Dich jemand angeht, schlage so hart zurück wie irgendwie möglich.“

Während Trump also beim Leser ein merkwürdiges Gefühl hinterlässt, muss sich allerdings auch Hillary Clinton, die Frau also auf der Gegenseite, fragen lassen, ob man mit ihr die Richtige ins Weiße Haus wählt. Zumindest Gary J. Byrne lässt kein gutes Haar an der Frau von Ex-Präsident Bill Clinton. Bryne hatte 29 Jahre lang für den amerikanischen Geheimdienst gearbeitet und attestiert in der gerade erst veröffentlichten Biografie „Crisis of Character“ („Persönlichkeit in Not“) Clinton, „eine Dr. Jekyll- und Mr. Hyde-Persönlichkeit“. Und weiter schreibt er: „Hillary Clinton hat nicht die Integrität und das Temperament, um Präsidentin der USA zu werden.“

Wer am Ende das Rennen macht, wird sich zeigen. Trump jedenfalls hat die Neuauflage von „Verkrüppeltes Amerika“ wenigstens etwas fröhlicher betitelt. „Wieder großartig: Wie wir unser verkrüppeltes Amerika wieder flottmachen.“ Der Inhalt ist allerdings so dunkel wie vorher, sortenreiner Nihilismus, die traurige Vision eines zerstörten Amerika. Das mündete dann umweglos in seine zutiefst pessimistische Parteitagsrede von Cleveland: die USA, am Ende. Einzig möglicher Retter aus all dem Elend: Donald J. Trump. Wenn alles so überlaut und überzeichnet ist, ist der Comic vielleicht das konsequenteste Medium für Neues aus dem Paralleluniversum. Auch den gibt es über Trump. Allerdings schließt der selbst das echte Leben mit der Kunst kurz, hinterlegt mit einem perfekten Zirkelschluss: „Meine Karikatur ist Wirklichkeit. Ich bin der Schöpfer meines eigenen Comics.“ Martin Bialecki

LN

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