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Politik im Rest der Welt Doppel-Fehler: NPD und FDP werben mit gleicher Familie
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21:16 28.08.2013

Liberale Quark-Esser? Oder milchspeisenbegeisterte Rechte? Wirklich schlau wird man aus der Familie, die derzeit in mehreren Videos gut gelaunt mit dem Fahrrad an einem Sommertag den Radweg entlang fährt, nicht. Einmal sitzen Vater, Mutter, Tochter und Sohn in einem Werbespot für Rainer Brüderle von der FDP auf dem Sattel. Dann in einem weiteren Wahlwerbespot für die NPD. Und dann noch einmal in einer finnischen Quark-Werbung. Dabei stellt sich die Frage, ob es sich bei der glücklichen Familie überhaupt um Verwandte handelt, deren politische Vorlieben eben gelegentlich wechseln, oder, wahrscheinlicher, doch nur um Schauspieler.

Denn der unglückliche Zufall ist schnell erklärt. NPD und FDP teilen sich nicht etwa die Werbespot-Produktion, um kostengünstiger zu produzieren. Vielmehr kaufen Werbeagenturen in vielen Fällen Bildmaterial bei Drittanbietern. Die haben von glücklichen Radfahr-Familien über Sonnenuntergänge am Meer bis zu fleißigen Schülern alles im Angebot, was sich für Werbung jeder Art — also auch für Parteien — eignen könnte. Genannt wird das „Stock-Material“.

So hat wohl auch die FDP-Werbeagentur Reinclassen auf einen solchen Service zugegriffen — ebenso wie die NPD und der finnische Quark-Hersteller. Das Familien-Idyll zieht eben immer, da wird dem potenziellen Wähler warm ums Herz. FDP-Sprecher Peter Blechschmidt bestätigte die Dopplung, die der Blogger Dennis Sulzmann entdeckt und auf seine Seite heutigentags.de gestellt hatte. Die FDP habe keinen Hinweis gehabt, dass auch die NPD dieses Filmmaterial genutzt habe. „Die entsprechende Passage wird nun herausgenommen und durch eine andere Szene ersetzt.“ Heute wird der Original-Spot mit dem politisch wankelmütigen Radfahrer-Quartett noch einmal im ZDF gezeigt, da die Zeit zum Umschneiden fehlt.

Aber eigentlich ist es sowieso schon zu spät. Bei Facebook und Twitter sorgte die peinliche Dopplung für massenhaft Hohn und Spott — so wie früher schon bei den Slogans der Medienkampagne von 2005 „Du bist Deutschland“, die positiven Patriotismus wecken sollte — aber auch schon von den Nazis genutzt wurde. Oder wie „Das Wir entscheidet“: Das aktuelle SPD-Motto existierte bereits seit 2007 als Slogan der Leiharbeitsfirma „propartner“ aus Weil am Rhein. Vielleicht steigt Brüderle für seinen nächsten Spot einfach selbst aufs Rad. Dieses Material braucht die NPD ganz bestimmt nicht.

Sebastian Scherer

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