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Politik im Rest der Welt Ein Anwalt bringt Trump in Gefahr
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22:10 28.07.2018
Will angeblich unter Eid aussagen: Donald Trumps früherer Anwalt Michael Cohen. Quelle: Foto: Seth Wenig/dpa
Washington

Die russische Anwältin Natalia Weselnizkaja wollte im Juni 2016 Trumps Wahlkampfteam brisantes Material über seine damalige Mitbewerberin Hillary Clinton übergeben. Er, Cohen, sei selbst Zeuge eines Gesprächs gewesen, bei dem Trump gegenüber seinem ältesten Sohn Don die Begegnung mit der russischen Informantin ausdrücklich guthieß. Cohen könne zwar keine Beweise vorlegen, erkläre sich aber offenbar bereit, gegenüber dem FBI-Sonderermittler Robert Mueller unter Eid auszusagen.

Wie schwerwiegend die Vorwürfe sind, hatte bereits vor Monaten Trumps früherer Chefstratege signalisiert. Nach Meinung von Stephen Bannon sei das Treffen mit der Russin „verräterisch“ gewesen. Für ihn sei es höchst unwahrscheinlich, dass Trump nicht näher in die Aktion eingebunden gewesen sei.

Tatsächlich hatte der damalige Wahlkämpfer unmittelbar vor dem Besuch Weselnizkajas im New Yorker Trump Tower im Juni 2016 öffentlich eine „bedeutende Rede“ zu Clinton angekündigt – auf die seine Anhänger jedoch vergeblich warteten. Das brisante Gespräch, an dem Trump junior, Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und der damalige Wahlkampfmanager Paul Manafort teilnahmen, führte offenbar nicht zu den erwünschten Ergebnissen. Doch ganz gleich, wie die Begegnung mit der Informantin endete: Der Präsident hat bisher stets behauptet, von dem Treffen erst durch Medienberichte im Frühjahr 2017 erfahren zu haben.

Die Kooperationsbereitschaft von Anwalt Cohen kommt für Washingtoner Beobachter nicht überraschend, zumal sich die polizeilichen Ermittlungen immer weiter ausweiten: So klagt der FBI-Sonderermittler Robert Mueller im Zuge der Russland-Affäre bereits 31 Personen an – unter anderem ein Dutzend russischer Geheimdienstmitarbeiter. Und Trumps früherer Wahlkampfmanager Manafort sitzt seit Wochen wegen des Verdachts auf Geldwäsche und Steuerhinterziehung in Untersuchungshaft. Während sämtliche US-Geheimdienste mittlerweile davon ausgehen, dass es von russischer Seite zahlreiche Versuche gab, die Präsidentschaftswahlen im November 2016 zu manipulieren, lässt sich noch nicht genau abschätzen, ob es eine ernsthafte Kooperation des Wahlkampfteams der Republikaner mit Vertretern des Kremls gab.

Die belastenden Aussagen kommen für Trump in einer überaus heiklen Phase. Erst vor wenigen Tagen hatte Cohen eine Tonaufnahme veröffentlicht, in der zu hören ist, wie er mit Trump über eine Schweigegeldzahlung an eine frühere Geliebte des Präsidenten berät. Dabei geht es um ein ehemaliges „Playboy“-Model, das nach eigenen Angaben 2006 eine Affäre mit dem verheirateten späteren Präsidenten hatte. Trump hat bisher behauptet, er wisse nichts davon.

Ohnehin entwickelt sich Cohen mit seinen jüngsten Attacken vom einstigen Verbündeten zu einem gefährlichen Gegner. So wächst im Weißen Haus die Sorge, dass der Jurist durch seine jahrelange Beratertätigkeit über weiteres belastendes Material verfügen könnte.

Cohen wiederum dürfte seine massiven Attacken nicht ohne Grund reiten. Da er mit seinen früheren Schweigegeldzahlungen an vermeintliche Geliebte des heutigen Präsidenten eventuell gegen US-Wahlkampffinanzierungsgesetze verstieß, könnte er sich als Kronzeuge anbieten, um einem Strafverfahren zu entgehen. Zurzeit ist die Bundespolizei noch mit der Aufarbeitung der Unterlagen beschäftigt, die ihr bei der Durchsuchung von Cohens New Yorker Büro in die Hände fielen: Neben Hunderttausenden Seiten von Dokumenten fand sie auch mehr als ein Dutzend Tonbänder.

FBI nimmt Trumps Tweets ins Visier

Donald Trumps Twitter-Botschaften sind berüchtigt. Erstmals will sich jetzt aber FBI-Sonderermittler Robert Mueller mit den provokativen Aussagen beschäftigen. Laut „New York Times“ steht der Verdacht der Zeugenbeeinflussung und der Justizbehinderung im Raum. Als Beispiel werden Beschimpfungen des früheren FBIDirektors James Comey und abfällige Aussagen über Justizminister Jeff Sessions genannt. Auch hatte Trump die Begnadigung von Verdächtigen ins Spiel gebracht, die gegen ihn aussagen könnten.

Die FBI-Ermittler sollen den Anwälten des Präsidenten in diesen Tagen mitgeteilt haben, dass Mueller mit Blick auf die heiklen Tweets diverse Fragen an Trump richten will.

Stefan Koch

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