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Politik im Rest der Welt Ein Kampf um die Seele von Labour
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22:10 13.08.2015
London

Turbulente Zeiten kommen auf die britische Labour-Partei zu: Denn ab heute wählen die britischen Sozialdemokraten den Nachfolger des zurückgetretenen Wahlverlierers Ed Miliband. Schon der Wahlkampf rüttelt die Partei ordentlich durch: Es tobt ein Richtungsstreit um die Labour-Seele, und mit Jeremy Corbyn könnte ein Linker mit Syriza-Touch auf den Chefsessel kommen.

Vier Kandidaten stehen zur Wahl. Liz Kendall will den regierenden Konservativen von Premier David Cameron möglichst viele Wähler abspenstig machen und vertritt die unter Tony Blair erdachte, wirtschaftsliberale New-Labour-Philosophie. Andy Burnham und Yvette Cooper stehen für gemäßigte Labour-Ideen.

Und dann ist da Corbyn, ein schmaler Bartträger mit dem Kleidungsstil eines Sozialkundelehrers. „Der Mann, der das Rennen um die Führung in Brand gesetzt hat“, so beschreibt der „Independent“ den 66-Jährigen. Mit leiser, freundlicher Stimme bricht er Tabus: weg mit britischen Atomwaffen, raus aus der Nato. Bescheidenes internationales Auftreten statt „neo-kolonialer Kriege“, die sich als Schutzinitiative für Menschenrechte tarnen. Mehr Sozialstaat und, jawohl, Verstaatlichungen, etwa der Energieversorger. In britischen, vor allem in englischen Ohren, ist das Zündstoff, geradezu unverschämt.

Denn England hat mit der Konservativen Margaret Thatcher 1979 die Ur-Mutter des Neoliberalismus gewählt, die den alten Wohlfahrtsstaat und die Gewerkschaften zerlegte und demoralisierte. Tony Blair konnte ihrem Nachfolger John Major die Macht nur wieder abjagen, weil er Labour zu „New Labour“ machte und viele der wirtschaftsnahen Thatcher-Positionen selbst besetzte.

Kein Wunder, dass viele Labour-Köpfe in Corbyn den drohenden Untergang sehen, allen voran natürlich Blair. Der Partei drohe die „Vernichtung“, nie zuvor habe sie in so „tödlicher Gefahr“ geschwebt. Londons ehemaliger Bürgermeister und Labour-Rebell Ken Livingstone dagegen sieht in Corbyn die größte Chance seiner Partei. Miliband sei zu zurückhaltend gewesen, nicht zu links.

Fest steht, dass Corbyn mitreißt, vor allem junge Wähler und die vielen, die im Geldbeutel nichts merken vom angeblichen Aufschwung. Kommentatoren vergleichen ihn mit Syriza in Griechenland und Podemos in Spanien.

Das Wahlsystem steht ebenfalls in der Kritik, da nicht nur Mitglieder und Gewerkschafter online oder per Post abstimmen können, sondern erstmals auch sogenannte Unterstützer. Vor allem Corbyns Kritiker fürchten, dass Labour-Gegner sich in die Wahl einschleichen, um den linken Kandidaten an die Spitze zu hieven. Eine YouGov-Umfrage für die konservative „Times“ sieht ihn bei 53 Prozent — und 32 Punkte vor dem nächsten Verfolger, Andy Burnham.

Teresa Dapp

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