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Einmal an den Hebeln der Macht

Erlangen Einmal an den Hebeln der Macht

Wer würde nicht gerne einmal selbst regieren? Im bayerischen Erlangen ist das jetzt spielerisch möglich: Im Stadtmuseum.

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Heute regier’ ich – dass das aber gar nicht so einfach ist, verdeutlichen die Mitmach-Stationen im Museum in Erlangen.

Quelle: Fotos: Daniel Karmann/dpa

Erlangen. . Der Bus fährt zu selten, die Straßen sind löchrig, die Wohnungen zu teuer, die Straßenlaternen gehen viel zu früh aus. Fast täglich landen auf den Schreibtischen von Bürgermeistern und Landräten jede Menge Beschwerdebriefe. Dass es aber gar nicht so einfach ist, eine Stadt oder einen Landkreis zu führen, zeigt eine neue Mitmach-Ausstellung im bayerischen Erlangen. Bei „Macht und Millionen. Heute regiere ich!“ schlüpfen die Besucher im Stadtmuseum in die Rolle eines Politikers.

LN-Bild

Wer würde nicht gerne einmal selbst regieren? Im bayerischen Erlangen ist das jetzt spielerisch möglich: Im Stadtmuseum.

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Am Eingang gibt es für jeden ein Samtsäckchen mit zehn Millionen Spielgeld. An zwölf Automaten, die für die einzelnen Posten des städtischen Haushalts stehen, müssen die Besucher entscheiden, wofür sie das Geld ausgeben wollen. Vom Straßenbau bis zur Einrichtung von Kindergärten, vom Wohnungsbau über Kulturinvestitionen bis zur Stadtentwicklung müssen jede Menge Entscheidungen getroffen werden.

„Wer gut wirtschaftet, bekommt am Ende des Parcours augenzwinkernd einen Job als Kämmerer angeboten. Wer mit den Millionen zu verschwenderisch umgeht, riskiert einen Aufstand der Bürger“, erläutert Museumsleiterin Brigitte Korn. Sie will damit „das abstrakte Thema Stadtpolitik“ in spielerischer Art und Weise darstellen und aufzeigen, „wie Entscheidungen in einer Stadt, in einer Demokratie zustandekommen.“

So müssen die Besucher etwa mit einer magnetischen Angel Geldmünzen fischen und dann versuchen, die Taler in Straßenlöcher einzusetzen. „Das gelingt aber so gut wie nie, ehe man sich versieht, ist das Geld schon wieder weg und die Straße erneut marode“, sagt Korn, die Politikwissenschaft studiert hat.

Am Automaten für den Haushaltsposten „Wirtschaftsförderung“ wird oben Geld eingeworfen, ob und wie viel unten wieder herauskommt, ist ungewiss. „Damit soll verdeutlicht werden, dass es Investitionen gibt, bei denen vorher nicht klar ist, ob sie sich rechnen“, erklärt die Museumsleiterin.

Sie und ihr Team setzen in der ursprünglich vom Stadtmuseum Tübingen konzipierten und auf Erlangen angepassten Ausstellung auf Humor, damit Stadtpolitik nicht allzu trocken wird – und das buchstäblich: Die Besucher müssen sich zum Beispiel entscheiden, ob sie Geld für die Erlanger Feuerwehr ausgeben wollen. Tun sie das, spritzt ihnen aus einem Spielzeug-Feuerwehrauto Wasser entgegen.

Jede Station wirft auch einen Blick in Erlangens Geschichte. Anfang des 19. Jahrhunderts war beispielsweise jeder Neubürger verpflichtet, einen ledernen Feuerlösch-Eimer zu stiften.

Brigitte Korn hofft, dass die Besucher nach dem Rundgang besser verstehen, wie komplex Stadtpolitik sein kann und wie schwer es ist, das Geld richtig zu verteilen. Der Politikwissenschaftler Ingolfur Blühdorn findet den Ansatz gut: „Politische Planspiele wie in Erlangen können dazu beitragen, die Bürger daran zu erinnern, dass es sowas wie ein Gemeinwohl keineswegs nur bei den Rechtspopulisten gibt, die zwar viel vom wahren Volk sprechen, sich aber selten die Mühe machen, praxistauglich auszubuchstabieren, was das eigentlich sein soll.“

Zu glauben, dass Bürger die komplexen Zusammenhänge von Politik tatsächlich voll nachvollziehen könnten, sei dennoch ein sehr hoch gestecktes Ziel, gibt Blühdorn zu bedenken, der in Erlangen studiert hat und heute in Wien das Institut für Gesellschaftswandel und Nachhaltigkeit leitet.

„Moderne Bürger haben auch gelernt, sich selbst als unbedingten Mittelpunkt der Welt zu sehen“, erläutert Blühdorn. Von allen Seiten bekämen die Menschen heutzutage immer wieder und gesagt:

„Der Kunde ist König“, „Unter dem Strich zähl ich“ oder „Weil ich es mir wert bin“. Insbesondere wenn alle kollektiven Werte zerfielen, könne man es den Menschen auch nicht verübeln, „wenn sie sich selbst als letzten und einzigen Referenzpunkt betrachten“.

Bei der noch bis zum 18. Juni dauernden Ausstellung „Macht und Millionen. Heute regiere ich!“ stehen die Besucher am Ende des Rundgangs an den Hebeln der Macht. Dort können sie auch ein eigenes Projekt für Erlangen vorschlagen. „Die gesammelten Ideen wollen wir dem Oberbürgermeister übergeben“, sagt Brigitte Korn. Ein bisschen mitregieren können die Gäste der Ausstellung also tatsächlich.

Die Ausstellung „Macht und Millionen. Heute regiere ich!“ ist bis zum 18. Juni zu sehen. Jeden Sonntag um 11 Uhr gibt es Führungen. Öffnungszeiten: Di/Mi 9-17 Uhr, Do 9-20 Uhr, Fr 9-17 Uhr, Sa/So/Feiertage 11-17 Uhr. Am 14. April, 5. und 6. Juni ist die Ausstellung geschlossen.

Roland Beck

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