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„Er bringt sein Mitgefühl mit“

Paris „Er bringt sein Mitgefühl mit“

Einwohner von Oradour angespannt vor Besuch von Joachim Gauck.

Ein Kreuz an der Gedenkstätte in Oradour.

Quelle: Foto: AFP

Paris. Die alte Frau stützt sich auf eine Mauer und schnauft: „Ich war acht Jahre alt, ich habe in der Nähe von Oradour gewohnt. Von unserem Haus aus hat man den Rauch gesehen“, erzählt die 77-jährige Denise. Aber erst am nächsten Tag hätten sie erfahren, was passiert war: 642 Menschen, darunter 452 Frauen und Kinder, wurden von SS-Soldaten in dem Dorf Oradour-sur-Glane in Zentralfrankreich umgebracht. „Danach waren die Leute wirklich gegen Deutsche.“

Jetzt reist Bundespräsident Joachim Gauck als erster führender Politiker Deutschlands in den Ort. In dem 2200-Einwohner-Dorf rund 20 Kilometer von der Stadt Limoges entfernt sprechen die Leute nicht gerne über das Grauen vom 10. Juni 1944. „Mit der Zeit haben die Leute ihre Meinung geändert: Die Nachkommen sind nicht verantwortlich“, sagt Rentnerin Denise. Wenn der Bundespräsident am Mittwoch komme, „dann bringt er sein Mitgefühl für die ermordeten Menschen zum Ausdruck“. Das sei gut. „Man kann vergeben.“

Von Vergebung will die Opfervereinigung nichts hören. Ihr Präsident Claude Milord sagt bedächtig, seine Vereinigung wolle einfach, dass die Familien der Opfer in den Besuch des Bundespräsidenten eingebunden würden und „dass der deutsche Staat anerkennt, was getan wurde“. „Im Innersten“ seien aber alle einverstanden, Gauck in Oradour zu empfangen, versichert Milord.

„Aber das gab es bisher noch nicht, und alle haben Angst.“

Für Bürgermeister Raymond Frugier ist Gaucks Kommen ein „außergewöhnlich starkes Symbol“. Der Historiker Pascal Plas spricht von einem „Annäherungsprozess, der seit 15 oder 20 Jahren“ zwischen Deutschland und Oradour im Gange sei.

Auch der Direktor des Erinnerungszentrums von Oradour, Richard Jezierski, spricht vom „Erfolg einer sehr langen Grundlagenarbeit“. Der Vorsitzende der Opfervereinigung stimmt ihm am Ende zu: „Das wird eine Tür öffnen, die seit 70 Jahren geschlossen war.“

LN

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