Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Politik im Rest der Welt Erdogan droht mit neuen Freunden
Nachrichten Politik Politik im Rest der Welt Erdogan droht mit neuen Freunden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:10 11.08.2018
Donald Trump. Quelle: Fotos: Imago
Istanbul/Washington

Falls sich die USA weiter respektlos verhielten, werde seine Regierung beginnen, „nach neuen Freunden und Verbündeten zu suchen“, schrieb Erdogan. Sollte die US-Regierung die Souveränität der Türkei nicht respektieren, „könnte unsere Partnerschaft in Gefahr sein“. Gestern telefonierte er demonstrativ mit Russlands Präsident Wladimir Putin.

Recep Tayyip Erdogan.

US-Präsident Donald Trump befeuerte die Währungskrise bewusst weiter. Er ordnete an, von diesem Montag an die Strafzölle auf Stahl aus der Türkei von 25 auf 50 Prozent zu verdoppeln. Nach Angaben von Handelsminister Wilbur Ross sei dies ein entscheidender Schritt, um die Lebensfähigkeit der heimischen Stahlindustrie sicherzustellen, hieß es in einer Erklärung, die das Weiße Haus am Freitagabend (Ortszeit) herausgab. Trumps Worten nach wird Aluminium aus der Türkei nun mit Zöllen von 20 Prozent belegt. In einem Tweet hatte der US-Präsident zuvor ausdrücklich darauf verwiesen, dass die Türkische Lira „schnell gegenüber unserem sehr starken Dollar abrutscht!“.

Erdogan hatte die Nation am Freitag zum Zusammenhalt aufgerufen und von einem „Wirtschaftskrieg“ gegen die Türkei gesprochen. Im nordtürkischen Gümüshane sagte er: „Diejenigen, die glauben, dass sie die Türkei mit Wirtschaftsmanipulationen in die Knie zwingen, kennen diese Nation anscheinend gar nicht.“ „Keine Bedrohung, Erpressung oder Operation wird die Türkei einschüchtern“, schrieb sein Sprecher Ibrahim Kalin auf Twitter. Verantwortung für den dramatischen Absturz der Lira übernahm Erdogans Regierung nicht. Die Türkei exportierte im vergangenen Jahr nach Angaben des Handelsministeriums Eisen, Stahl und Aluminium im Wert von 1,1 Milliarden Dollar (950 Mio Euro) in die USA – ein Anteil von 0,7 Prozent aller Ausfuhren.

Die bilateralen Beziehungen sind stark belastet. So fordern die USA die Freilassung des in der Türkei festgehaltenen US-Pastors Andrew Brunson und weiterer amerikanischer Staatsbürger und haben deswegen Sanktionen gegen zwei türkische Minister erlassen.

In dem Gastbeitrag warf Erdogan seinerseits der Trump-Regierung vor, den türkischen Prediger Fethullah Gülen nicht auszuliefern. Erdogan macht Gülen für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich. Der Präsident schrieb, der Putschversuch ähnele dem, „was das amerikanische Volk zweifellos nach Pearl Harbor und den Angriffen vom 11. September erlebt haben“. Gülen lebt im Exil im US-Bundesstaat Pennsylvania.

Erdogan kritisierte zudem, die Reaktionen der USA nach dem Putsch seien „alles andere als zufriedenstellend“ gewesen. „Das türkische Volk hatte erwartet, dass die Vereinigten Staaten die Attacke eindeutig verurteilen und ihre Solidarität mit der gewählten Führung der Türkei ausdrücken. Das haben sie nicht getan.“

Der freie Fall der türkischen Lira trifft vor allem den Bankensektor. Einem Medienbericht zufolge sorgt sich inzwischen auch die Europäische Zentralbank um Bankhäuser mit starkem Engagement in der Türkei. Großbanken wie die spanische BBVA, die französische BNP Paribas und die italienische Unicredit stünden deshalb unter besonderer Beobachtung, berichtete die „Financial Times“ unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Neues Buch bereitet Trump neuen Ärger

Das Weiße Haus hat neue Vorwürfe gegen US-Präsident Donald Trump aus einem noch unveröffentlichten Insider-Buch zurückgewiesen. Das Werk der ExWhite-House–Mitarbeiterin Omarosa Manigault Newman sei „durchsetzt mit Lügen und falschen Anschuldigungen“, sagte Trumps Sprecherin Sarah Sanders. Zuvor hatten der britische „Guardian“ und die „Washington Post“ vorab aus dem am Dienstag erscheinenden Buch „Unhinged: An Insider Account of the Trump White House“ (in etwa: „Aus den Angeln gehoben: Ein Insiderbericht aus Trumps Weißem Haus“) zitiert. Darin erhebt die Autorin unter anderem Rassismusvorwürfe gegen Trump. Der „Guardian“ berichtete, Manigault Newman nenne Trump in dem Buch „einen Rassisten, einen Fanatiker und einen Frauenfeind“. Die Autorin habe selbst gehört, wie Trump über den philippinisch-stämmigen Ehemann einer Mitarbeitern rassistische Anmerkungen gemacht habe. Haiti habe er als „beschissenes Land“ bezeichnet. Sie habe zudem aus drei verschiedenen Quellen gehört, dass es aus der Zeit von Trumps Moderatorentätigkeit bei der TV-Show „The Apprentice“ Aufnahmen gebe, wo er mehrfach das „N-Wort“ (Nigger) gesagt habe. Manigault Newman schreibt laut „Washington Post“, nach ihrer Entlassung aus dem Weißen Haus im Dezember habe Trumps Wahlkampfteam ihr einen mit monatlich 15 000 Dollar dotierten Job angeboten – dafür hätte sie schweigen müssen.

LN

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Kieler Regierungschef will aber im Norden bleiben.

11.08.2018

Trotz Bedenken in Brüssel sieht Österreich gute Chancen für eine Reform des Kindergeldes für im EU-Ausland lebende Kinder. Die EU-Kommission habe festgestellt, dass die EU-Staaten in der Frage selbst entscheiden dürften, sagte Familienministerin Juliane Bogner-Strauß (ÖVP).

11.08.2018

Bei regierungskritischen Massenprotesten sind in Rumänien mehrere Zehntausend Menschen auf die Straße gegangen.

11.08.2018