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Politik im Rest der Welt Erste Rabbiner seit Pogromen in Berlin geweiht
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16:06 09.10.2018
Rabbiner Shraga Yaakov Ponomarov kommt zur Feierlichen Ordination von Rabbinern und Kantoren in der Beth Zion Synagoge im Bezirk Mitte, wo er in sein Amt eingeführt wurde. Quelle: Bernd von Jutrczenka/dpa
Berlin

In der deutschen Hauptstadt ist wieder einmal ein Wunder geschehen, und dieses Wunder verbirgt sich hinter schlichten Mauern eines dreistöckigen Hauses in der Brunnenstraße. Es wäre leicht zu übersehen, wenn nicht davor die Polizei patrouillieren würde. 24 Stunden. Täglich. Jahr für Jahr.

Im Hof befindet sich die 1910 gegründete Synagoge Beth Zion der Kahal-Adass-Jisroel Gemeinde. Hier gründete 1873 der Rabbiner Esriel Hildesheimer eine Lehreinrichtung zur Ausbildung orthodoxer Rabbiner. Sie entwickelte sich zum begehrtesten Rabbinerseminar in Westeuropa mit insgesamt mehr als 600 Studenten – bis die Nazis sie 1938 zwangsweise schlossen.

Das Wunder von Berlin

Und am Dienstag nun das Wunder: Das vor neun Jahren mit Hilfe des Zentralrats der Juden in Deutschland und der Lauder Foundation wiederbelebte Hildesheimersche Seminar weihte in einem Festakt drei aus der Ukraine stammende Männer zu orthodoxen Rabbinern. Alexander Kahanovsky (45), Shraga Yaakov Ponomarov (32) und Shlomo Sajatz (30) sind die ersten in Berlin seit den Progromen vor 80 Jahren. Die drei Absolventen sind in jüdischen Gemeinden in Berlin, Basel und Magdeburg tätig. Drei ebenfalls ordinierte jüdische Kantoren, die als Vorbeter in ihren Gemeinden fungieren, wurden am Leipziger Institut für Traditionelle Jüdische Liturgie ausgebildet.

Es ist ein großer, ein geschichtsträchtiger Moment in der kleinen Synagoge in Berlins Mitte. Der Rektor des Rabbinerseminars, Dayan Chanoch Ehrentreu (86), sagte, für ihn hätte sich mit der Ordination der jungen Männer in Berlin ein Traum erfüllt, an dessen Realisierung er jedoch auch viele Jahre gearbeitet habe. „Nur träumen reicht eben nicht“, sagte er.

Schuster warnt vor Antisemitismus

Zu den Gästen der Ordination zählten Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller, Bundesaußenminister Heiko Maas (beide SPD) und Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke). Gekommen war selbstverständlich auch der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, und der Präsident des Jüdischen Weltkongresses und Gründer der Lauder-Stiftung, Ronald S. Lauder. Schuster rief in seiner Ansprache die nicht-jüdische Mehrheitsgesellschaft in Deutschland dazu auf, gegen Judenfeindschaft aktiv zu werden, die sich wieder in „beängstigender Geschwindigkeit" im Land verbreite.

In Deutschland gehörten Religionsfreiheit und persönliche Freiheit zu den Grundrechten, sagte Schuster. Freiheit bedeute, Kippa und Davidstern offen tragen zu können, ohne angepöbelt, angestarrt oder geschlagen zu werden. Sie bedeute auch, offen als Jude leben zu können, „ohne als Kindermörder, Spekulant oder Raffzahn diffamiert zu werden“, so der Zentralratspräsident. „Doch so vehement wie lange nicht muss die jüdische Gemeinschaft derzeit für diese Grundrechte kämpfen.“

Mass: Ein unverdientes Geschenk

Bundesaußenminister Maas sprach von einem Vertrauensvorschuss für Rechtsstaat und Demokratie, dass in Berlin als Ort, an dem Deportation und Vernichtung der Juden geplant wurden, heute wieder die größte jüdische Gemeinde Deutschlands lebe und Rabbiner ausgebildet und ordiniert würden. „Das ist ein Geschenk für uns – ein unverdientes Geschenk“, betonte der SPD-Politiker. Es müsse mit allen Kräften bewahrt und verteidigt werden. Die Verantwortung, jüdisches Leben zu schützen, ende für die deutsche Gesellschaft nie.

Ordinationsfeiern von Absolventen des Berliner Rabbinerseminars gibt es in der Regel alle zwei Jahre immer in einer anderen Stadt. Derzeit studieren neun angehende Rabbiner an der orthodox ausgerichteten Lehreinrichtung. Ihre Ausbildung dauert vier bis fünf Jahre. Sie können zusätzlich einen Bachelor-Abschluss im Fach Jüdische Sozialarbeit an der Fachhochschule Erfurt ablegen. Rabbiner gelten als Lehrmeister, die die jüdischen Religionsgesetze Talmud und Halacha beherrschen und zeitgerecht vermitteln sollen. Rabbiner des liberalen Judentums werden am Berliner Abraham-Geiger-Kolleg in Kooperation mit der Universität Potsdam ausgebildet.

Inspiratoren der Gemeinden

Die Kantoren (Ba’alei Tfila), die das Institut für traditionelle jüdische Liturgie in Leipzig besucht hatten, erhielten Dienstag ihr Abschlussdiplom. Damit wurde ihnen die Fähigkeit bescheinigt, an allen jüdischen Feiertagen Gottesdienste zu leiten und gesanglich zu begleiten. Die Ba’ alei Tfila gelten als Inspiratoren ihrer Gemeinden.

Die jüdischen Gemeinden in Deutschland haben nach der Zuwanderungswelle osteuropäischer Juden in den Jahren 1991 bis 2005 in Folge der demografischen Entwicklung wieder mit Schrumpfungsprozessen zu tun. Gegenwärtig sind knapp 100 000 Juden in Gemeinden organisiert. Berlin ist mit fast 10 000 Mitgliedern die größte in Deutschland.

Von Thoralf Cleven / RND

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