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FDP – Partei der Besserangezogenen

Wahlplakate im Vergleich FDP – Partei der Besserangezogenen

Es ist soweit: Die heiße Wahlkampfphase startet. Doch wie werben die Parteien vor der Bundestagswahl auf ihren Plakaten um die Wähler? Und was sagt das über ihre Politik aus? Ein Blick über den Straßenrand.

„Ungeduld ist auch eine Tugend“: FDP-Chef Lindner beim Ankleiden.
 

Quelle: fdp

Berlin. Weißes Hemd vor weißem Hintergrund. Ein frisch frisierter Mann schaut in Modelpose nach unten, es sieht so aus, als mache er sich gerade die Manschettenknöpfe zu, um anschließend in den Arbeitstag zu starten. Das Gesicht ist markant beleuchtet, der Drei-Tage-Bart verstärkt die Gesichtskonturen. Die Ästhetik erinnert an Modefotografie. Doch der Mann auf dem Plakat will keine Designerhemden verkaufen, sondern ein politisches Programm. Er heißt Christian Lindner, er ist Chef und „Posterboy“ der FDP. Unter dem Foto steht in Gelb auf Pink: „Ungeduld ist auch eine Tugend.“

Wahlkampf bedeutet gleichsam: Plakatierte Straßenzüge in ganz Deutschland. Alle Wahljahre wieder lassen sich die Parteien beraten, Agenturen kämpfen um das schlagkräftigste Plakat. Wer mit seiner Werbung für die eigene Partei überzeugt? Sehen Sie selbst.

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Die FDP hat von allen Parteien die bisher auffälligsten Wahlplakate (Agentur: Heimat). Die Werbeästhetik, die gnadenlose Inszenierung des Spitzenkandidaten, die seit dem Hamburger FDP-Wahlkampf 2015 der dortigen Spitzenkandidaten Katja Suding zum Werberepertoire der Liberalen gehört. Schon damals musste sich die FDP die Kritik gefallen lassen, Suding stelle ihre Person und ihr Äußeres allzu sehr in den Vordergrund. Viele sprachen nach dem überraschend guten Wahlergebnis in Hamburg vom „Suding-Effekt“. Lindner setzt offenbar ebenfalls auf Optik. Die ewige Partei der Besserverdienenden“ hat ihr Image gewandelt. Sie ist zur Partei der Besserangezogenen geworden. Immerhin.

Die CDU-Plakate hingegen spiegeln ziemlich exakt die bisherige Wahlkampfstrategie der Unionspartei: Stillhalten, alles weglächeln, Merkel macht das schon. Auf dem Standardplakat sieht man ein Porträt von einer etwas zu üppig geschminkten Angela Merkel in blauem Blazer vor einer seltsam grafisch verschnittenen Deutschlandfahne. Darunter steht: „Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben.“ Was auf den ersten Blick langweilig und gewöhnlich wirkt, halten Profis für gelungen. Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim etwa lobt das Design des CDU-Plakats (Agentur: Jung von Matt). Das Plakat sei ein „,Wohlfühlplakat’, das man schnell versteht“, sagte Brettschneider dem Portal web.de.

Die SPD (Agentur: KNSK) hingegen versucht es mit unterschiedlichen Themenplakaten auf der Großfläche. Ein Mann mit längeren Haaren und T-Shirt sitzt mit einem Roboter betont gelassen auf einer Parkbank. Neben ihm sitzt ein Roboter. Dazu steht in weiß auf SPD-rot der etwas sperrige Satz: „Zum Land der Dichter und Denker passt eine Politik, die in Ideen investiert.“ Ein anderes Plakat zeigt Martin Schulz freundlich lächelnd, der das Innovations-Motiv aufnimmt;: „Die Zukunft braucht neue Ideen. Und einen, der sie durchsetzt.“ Nachdem Schulz in der Anfangsphase seiner Kanzlerkandidatur fast ausschließlich auf das Thema Gerechtigkeit („Zeit für mehr Gerechtigkeit“) gesetzt hatte, steuert die Kampagne mittlerweile dagegen – und nimmt mehr die Zukunft in den Blick. Das ist wohl auch eine Reaktion auf die Stimmung im Land. Die Wirtschaft brummt, die Arbeitslosigkeit erreicht monatlich neue Tiefstwerte, Umfragen zeigen eine hohe Zufriedenheit im Land. Ein reiner Gerechtigkeitswahlkampf könnte im Herbst 2017 leicht ins Abseits laufen.

Die aktuelle Zerrissenheit der Grünen zwischen dem wirtschaftliberalen und dem streng ökologisch-linken Flügel kann man mit etwas bösem Willen auch aus den Wahlplakaten herauslesen. In großen weißen Lettern steht auf einem pinken (!) Erdball vor grünem (!) Hintergrund der für grüne durchaus bemerkenswerte Satz: „Umwelt ist nicht alles.“ Es folgt eine Pointe, wie man sie ähnlich von Alkohol-Motto-T-Shirts für Junggesellenabschiede kennt: „Aber ohne Umwelt ist alles nichts.“ Im selben Stil gibt es weitere mehr oder weniger belehrende Sprüche: Etwa diese Weisheit hier: „Gesundes Essen kommt nicht aus einer kranken Natur.“

Die Linke präsentiert sich sehr deutlich als Oppositionspartei. In den ersten Großplakaten setzt die Linke nicht auf Fotos von Spitzenkandidaten, sondern auf eine klare Botschaft. Eine heißt: „Keine Lust auf Weiterso: Die Linke.“ Wobei die Wörter „keine“ und Weiterso“ durchgestrichen sind. Übrig bleibt: „Lust auf Die Linke.“ Die Einführung der Lust als politische Kategorie irritiert, spricht aber womöglich ein Lebensgefühl an, denn eine politische Ausrichtung. Vorschlag für das nächste Plakat: „Null Bock auf Merkel. Die Linke.“ Man könnte ja „Null“ und „Merkel“ durchstreichen.

Die mit Abstand ruchloseste Werbung hat sich die AfD ausgedacht. Man sieht drei junge Frauen von hinten im Bikini, der Blick wird auf die knappen Badehosen gelenkt. Darüber steht: „Burkas? Wir steh’n auf Bikinis.“ Ein anderes zeigt drei Frauen in Tracht, die mit einem Glas Wein in die Kamera prosten. Darüber steht: „Burka? Ich steh’ mehr auf Burgunder!“ Die krawallige Plakatserie, die offenbar auch in der AfD umstritten ist, soll offenbar etwas Humor ausstrahlen für die zuletzt oft verbissen wirkenden Partei. Heraus kommen allerdings erneut düster wirkende Fremdenangst. Unter den Plakaten steht: „Trau Dich, Deutschland!“ – eine Variation des alten AfD-Mottos der Europawahl 2014 – damals stand auf den Plakaten: „Mut zu Deutschland.“ Aufreger des Monats war eine Plakataktion von Parteichefin Frauke Petry. Sie hatte sich einer Babypause mit einem Wahlplakatmotiv zurückgemeldet, auf dem Petry mit ihrem zwei Monate alten Sohn zu sehen ist. Daneben steht: „Und was ist Ihr Grund für Deutschland zu kämpfen?“

Von Dirk Schmaler/RND

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