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Fast 20 Millionen Patienten wurden 2016 stationär behandelt

Daten aus Krankenhäusern Fast 20 Millionen Patienten wurden 2016 stationär behandelt

Die seit 2016 geltende Krankenhausstrukturreform sollte eigentlich die Pflege am Krankenbett stärken. Dafür stellte der Bund eine Menge Geld zur Verfügung. Doch der Erfolg ist bisher eher mager.

Fast 20 Millionen Patienten wurden 2016 stationär in Krankenhäusern behandelt.

Quelle: Andre Kolm

Wiesbaden/Berlin. Knapp 20 Millionen Patienten in Deutschland mussten im vergangenen Jahr stationär im Krankenhaus behandelt werden.

Das sind 277 000 oder 1,4 Prozent Behandlungsfälle mehr als 2015, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Die durchschnittliche Verweildauer im Krankenhaus lag wie im Vorjahr bei 7,3 Tagen pro Patienten.

Einen Anstieg gab es beim Krankenhauspersonal. Allerdings fiel er bei den einzelnen Berufsgruppen sehr unterschiedlich aus. So stieg die Zahl der Ärzte, die Vollzeit arbeiteten, um 3600 oder 2,3 Prozent auf knapp 158 000. Bei den Vollzeitkräften im nichtärztlichen Dienst gab es eine Zunahme um 22 800 auf 736 500 Personen, das waren 3,2 Prozent mehr. 325 200 arbeiteten davon im Pflegedienst. Die „Pflege am Krankenbett“ konnte damit gegenüber 2015 nur um 4300 Beschäftigte oder 1,3 Prozent zulegen.

Der Sprecher des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), Florian Lanz, sagte: „Es ist keine Geheimnis, dass die Situation der Pflege in den Krankenhäusern verbessert werden muss.“ Daher sei es enttäuschend, dass sich bei der Anzahl der Pflegekräfte mit plus 1,3 Prozent am wenigsten verändert habe. „Wir brauchen mehr Pflege am Krankenbett und die Beitragszahler können erwarten, dass die Klinikleitungen hier für das viele Geld mehr leisten.“

Auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte, 4300 zusätzliche Pflegekräfte „sind kein Grund zum Jubeln“. Im Schnitt seien das gerade mal zwei Pflegekräfte mehr pro Krankenhaus. Dabei würden in den Krankenhäusern zunehmend alte, chronisch kranke und pflegebedürftige Menschen versorgt. „Diese Patientengruppe braucht aber besonders intensive Pflege.“ Klar sei: „Pflege kostet Geld, medizinische Behandlung bringt Geld.“ Entsprechend habe in den vergangenen 20 Jahren die Zahl der Ärzte deutlich zugenommen, während die Zahl der Pflegekräfte zurückgefahren worden sei.

In den knapp 2000 Krankenhäusern standen nach Angaben der Statistiker fast 500 000 Betten für die stationäre Behandlung zur Verfügung. Die durchschnittliche Bettenauslastung lag bei 77,8 Prozent. GKV-Sprecher Lanz sagte: „Im vergangenen Jahr wurde jeder dritte Euro aus den Portemonnaies der Beitragszahler für Krankenhausbehandlungen ausgegeben.“

Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Georg Baum, erklärte dagegen, die zusätzlichen Behandlungsfälle verursachten Kosten von etwa einer Milliarde Euro. Damit sei der Erlöszuwachs von rund 2,9 Milliarden Euro in 2016 schon zu einem Drittel aufgebraucht. Das zusätzliche Personal koste rund 1,2 Milliarden Euro. Für die Tarifsteigerungen für das Bestandspersonal bleibe dann wenig übrig. Der Großteil der Ausgabenzuwächse der Kassen im Krankenhausbereich werde also für zusätzliches Personal und zusätzlichen Leistungsbedarf benötigt.

Im Übrigen mache es der steigende stationäre Behandlungsbedarf erforderlich, die Frage der Standorte und Kapazitäten von Krankenhäusern „klug und behutsam zu diskutieren“. Die Krankenkassenlogik des Streichens und Kürzens um jeden Preis sei daher „eine wenig verantwortungsvolle Vorgehensweise in einem Kern der sozialen Daseinsvorsorge“, warnte Baum.

Hintergrund der Äußerungen Baums ist offensichtlich die anhaltende Kritik der Krankenkassen, dass durch die Krankenhausstrukturreform von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) - anders als erhofft - zu wenig Überkapazitäten bei den 2000 Kliniken abgebaut würden.

Für den Ausbau der „Pflege am Bett“ stellt der Bund unter anderem von 2016 bis 2018 Fördermittel von insgesamt bis zu 660 Millionen Euro bereit. Gröhe will die Krankenhäuser nun verpflichten, Personaluntergrenzen in der Pflege einzuhalten.

dpa

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