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First Gentleman im Weißen Haus

Washington First Gentleman im Weißen Haus

Falls Hillary Clinton im Herbst siegt, zieht auch Ehemann Bill nach 16 Jahren zurück in die Präsidenten-Villa. Aber welche Rolle soll er dort künftig ausfüllen?.

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Die Clintons in Bills Amtszeit – Tochter Chelsea ist heute mit Ivanka Trump befreundet.

Quelle: Corbis

Washington. Es ist jetzt schon etwas kompliziert. Amerika hat mehr als einen Präsidenten. Nicht nur Noch-Amtsinhaber Barack Obama wird mit Mr. President angesprochen, sondern auch alle noch lebenden einstigen Bewohner des Weißen Hauses: Jimmy Carter, die beiden Bushes George und George W. und Bill Clinton. Und nun wird es vielleicht noch komplizierter.

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Falls Hillary Clinton im Herbst siegt, zieht auch Ehemann Bill nach 16 Jahren zurück in die Präsidenten-Villa. Aber welche Rolle soll er dort künftig ausfüllen?.

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First Laddie käme der First Lady am nächsten.“Bill Clinton 2007

Gewinnt die Demokratin Hillary Clinton im November den Zweikampf mit Donald Trump, hätten die USA nicht nur erstmals eine Frau im Oval Office. Sie hätten auch eine Madame President und einen Mr.

President auf einen Schlag.

Was schon jetzt, bei der schieren Vorstellung, bei manchen ungute Erinnerungen wachruft. 1992 hatte Bill im Wahlkampf verkündet, dass er und Hillary im Zweierpack kämen: „Kaufe einen, kriegst du den zweiten gratis dazu.“

Überhaupt machen sich Historiker und Gelehrte schon längst Gedanken darüber, wie man denn Bills Position im Weißen Haus korrekt bezeichnen könnte. Amerikaner lieben Titel, und schließlich würde ja auch der bald 70-jährige Bill im Fall eines Wahlsieges seiner Frau (68) eine Glasdecke durchbrechen.

Er würde der Erste – ja was? First Husband, Erster Ehemann? Wahrscheinlicher, so meinen Medien, ist wohl First Gentleman, das würde eher dem Titel der First Lady entsprechen und auch gut zu einer Madame President passen.

Aber da gibt es einen Haken, wie einige Medien bereits anmerkten: Der Titel First Gentleman würde Late-Night-Satiriker geradezu zum Blödeln einladen. Schließlich, so heißt es, sei Bills Verhalten in der Lewinsky-Affäre nun gar nicht gentlemanlike gewesen.

Aber auch wenn man Vergangenes vergangen sein lässt, gibt es noch ein weiteres Titelproblem. Der Präsident wird im Fachjargon Potus (kurz für President of the United States) genannt, die bessere Hälfte Flotus (First Lady of the United States). Das ginge für Bill nun überhaupt nicht. Aber was ist die Alternative? Fgotus für den Gentleman, Fhotus für den Husband?

Bill Clinton selber hat früher einmal augenzwinkernd die Bezeichnung „First Laddie“ aus dem Schottischen ins Spiel gebracht, „das käme der First Lady am nächsten“, sagte er 2007 der TV-Talk-Diva Oprah Winfrey. Komödiant Darrell Hammond hatte eine andere Idee. Als Bill ulkte er in der Show „Saturday Night Live“, dass Hillary eine großartige Präsidentin abgeben würde. Er selber aber noch einen besseren „First Dude“.

Einen Vorteil haben beide Clintons: Sie müssten sich nicht erst von ihren Vorgängern, den Obamas, durchs Haus führen lassen. Aber jeder Präsident, pardon, jede Präsidentin hat natürlich das Recht auf Möbelstücke nach eigenem Geschmack, und auch das Tafelgeschirr für Staatsbankette kann sie oder er sich auch neu aussuchen.

Normalerweise kümmert sich darum die First Lady, aber da hat Hillary Clinton schon eine Linie gezogen: Um Geschirr und Blumenschmuck im Weißen Haus würde sie sich wohl selber kümmern, sagte sie in Interviews.

Aber welche Rolle würde Bill dann als Was-auch-immer im Weißen Haus spielen? Zumindest eine grobe Vorstellung hat die potenzielle Präsidentin schon. Sie möchte, dass ihr Mann sie in Sachen Wirtschaft berät. Dass er darin gut sei, habe er schließlich während seiner Präsidentschaft bewiesen. „Ich werde ihn nach seinen Ideen, seinem Rat fragen, und ich werde ihn als einen Goodwill-Botschafter nutzen, der durch das Land reist und die besten Ideen ausfindig macht.“

Glaubt man dem konservativen Buchautoren Daniel Halper, (Clinton Inc: The Audacious Rebuilding of a Political Machine), wäre das Reisen vielleicht ein Job nach Bill Clintons Geschmack. Halper zitiert in seiner unschmeichelhaften Biografie über die Clintons Quellen, nach denen es Bill bei der Vorstellung grause, 2017 ins Weiße Haus zurückzukehren und dort „gefangen“ zu sein.

Man kann sich ihn auch schlecht als jemanden vorstellen, der einen Gemüsegarten anlegt, mit Kindern Gymnastik macht wie die gesundheitsbewusste Michelle Obama oder Schulen besucht wie Laura Bush. Und eine Mode-Ikone wie Nancy Reagan oder Jacky Kennedy wird er wohl auch nie werden.

Aber er hat ja ein Vorbild, wie man auch als Ehepartner im Weißen Haus mitmischen kann: seine eigene Frau. Viele glauben, dass Hillary Clinton die stärkste First Lady seit Eleanor Roosevelt war.

Höhen und Tiefen in Bill Clintons Amtszeit

„It’s the economy, stupid“ – die Wirtschaft entscheidet, lautete das Motto Bill Clintons im Präsidentschaftswahlkampf 1992. Tatsächlich waren seine beiden Amtszeiten (1993-2001) ökonomisch eine „goldene Ära“: Extrem niedrige Ölpreise und ein Innovationsschub durch Computerisierung sorgten für deutliches US-Wachstum und Haushaltsüberschüsse, während Clinton die Steuern für Wohlhabende anhob. Eine von First Lady Hillary initiierte Gesundheitsreform scheiterte allerdings. Außenpolitisch investierte Clinton – am Ende vergeblich – viel Energie in Nahost-Entspannung. Er ließ ohne UN-Mandat 1999 Jugoslawien bombardieren, zog 1993 US-Truppen aus einer blutigen UN-Mission in Somalia ab, warf sich später Tatenlosigkeit im Völkermord von Ruanda vor und bekam es Ende der 90er bereits mit Osama bin Ladens El Kaida zu tun.

Gabriele Chwallek

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