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Flashmob, Demo, Gegendemo — „aufgeheizte Stimmung“ in Köln

Köln Flashmob, Demo, Gegendemo — „aufgeheizte Stimmung“ in Köln

Über 2000 Polizeibeamte halten rund 3000 linke und rechte Demonstranten auseinander.

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Gestern gut aufgestellt: Polizisten drängen bei einer Demonstration von Rechtsextremen in Köln die Teilnehmer zurück.

Quelle: Oliver Berg/dpa

Köln. Diesmal wollte die Polizei sich in Köln nicht vorführen lassen. 1700 Beamte hatte die Kölner Polizei mobilisiert, rund 500 bot die Bundespolizei auf. Wasserwerfer standen bereit, die berittene Polizei machte allein schon durch ihre Präsenz Eindruck. Diese über 2000 Beamten sollten linke und rechte Demonstranten auseinanderhalten — zumindest während des eigentlichen Demonstrationsverlaufs schien dies einigermaßen gelungen.

Das Großaufgebot kam nicht von ungefähr: Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD), der am Vortag gerade den Kölner Polizeipräsidenten Wolfgang Albers in den einstweiligen Ruhestand versetzt hatte, hat sich mit dieser Personalie kaum Entlastung verschafft: Sollte der gestrige Sonnabend schieflaufen und erneut entgleisen, könnte er vor dem Landtagsausschuss, in dem er morgen Bericht erstatten soll, wohl nur noch seinen Rücktritt erklären, unkten Beobachter bereits vor dem Aufmarsch der Demonstranten.

Die von den „Patrioten gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) und der rechtsextremen Bewegung ProNRW angekündigte Demonstration fand gestern Nachmittag trotz der beachtlichen Polizeipräsenz Zulauf. Etliche ihrer am Ende schätzungsweise 1700 Sympathisanten reisten per Bahn an, begleitet von der Polizei, die bereits eine „stark aufgeheizte Stimmung“ wahrnahm. Sie zählte rund als mehrheitlich gewaltbereit eingeschätzte 800 Mitglieder der Hooligan-Szene, die sich als HoGeSa bereits im Oktober 2014 schwere Auseinandersetzungen mit der Kölner Polizei geliefert hatten.

Vor den Rechten waren aber schon die Linken da. Und vor denen eine starke Gruppe von Frauen: Um 12 Uhr trafen sich laut Polizei rund 1000 Frauen mit der Parole „Nein heißt Nein. Das ist unser Gesetz.

Bleibt uns vom Leib“ auf der Domtreppe zu einem Flashmob „Gegen Männergewalt“ — die Aktion war im Netz verabredet worden, die Zahl der Teilnehmerinnen entsprach der des „Sex-Mobs“ von der Silvesternacht, dessen enthemmte Übergriffe, zu denen inzwischen fast 400 Anzeigen eingingen, seither die Diskussion im ganzen Land bestimmt.

Wie sehr, zeigt wohl auch die Stärke der Demo-Lager gestern: Bei früheren Aufrufen der Pegida- Untertruppe „Kögida“ waren zuweilen nur ein paar Dutzend Teilnehmer erschienen, das linke Gegenlager („Pegida läuft hier nicht“) brachte meist mehrere tausend Menschen auf die Straße. Gestern schienen erstmals die Rechten mit ihrem Motto „Pegida schützt“ in der Überzahl, auch wenn sie wegen der Gegendemonstranten ihre geplante Route nicht nehmen könnten.

Anders als ihr linkes Gegenlager, in dem zunächst jedenfalls sogar der berüchtigte „Schwarze Block“ ohne die üblichen Auffälligkeiten mitlief, blieb der Pegida- Zug aber nicht friedlich. „Hoch emotionalisiert“, so die Polizei, warfen die Demonstranten Böller und Flaschen auf die Sicherheitskräfte; diese setzten schließlich ihre Wasserwerfer und Pfefferspray ein. Es soll Verletzte gegeben haben, mehrere Polizisten und ein Journalist, wie es hieß. Genaueres wurde noch nicht bekannt. Es gab 15 Festnahmen.

Die Polizei hatte zunächst über Lautsprecher mit dem Einsatz von Wasserwerfern und Schlagstöcken gedroht. Schließlich stoppte der Einsatzleiter den Pegida-Umzug und forderte dessen Teilnehmer auf, zurück zum Breslauer Platz Richtung Hauptbahnhof zu gehen. Von dort sollten die Demonstranten unter Polizeibegleitung geordnet zu ihren Zügen gebracht werden. Ob dies wie gewünscht gelang, blieb gestern Abend abzuwarten.

HoGeSa und Kögida
Der Kölner Ableger der „Patrioten gegen die Islamisierung des Abendlandes“ nannte sich „Kögida“ und brachte bisher meist nur wenige Teilnehmer auf seine Demonstrationen. Diejenigen, die kamen, reisten häufig mit der Bahn oder auf anderen Wegen in die Domstadt. Geistesverwandt zeigte sich die Gruppe „Hoologans gegen Salafismus“ (HoGeSa), die vor allem durch eine Demonstration am 26.
Oktober 2014 in Köln bekannt wurde, an der zwischen 3000 und 5000 Personen teilnahmen. Dabei kam es zu einer Straßenschlacht mit der Polizei, die auch damals die Lage zeitweise nicht mehr im Griff zu haben schien.

LN

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