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Politik im Rest der Welt Gestrandet am Grenzzaun
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22:18 06.02.2016
Die Menschen sind auf der Flucht vor den russischen Bombardierungen — doch die Türkei hat den Grenzübergang zunächst geschlossen. Quelle: Fotos: Dpa. Afp

Es sind junge Mütter, ihre Babys auf dem Arm. Es sind Väter, die ihre letzten Habseligkeiten in großen Tüten schleppen. Es sind alte, ausgezehrte Frauen, die riesige Plastiksäcke voller Kleidung auf dem Kopf tragen. Und ein kleiner Junge — an der Hand von Soldaten - der seine Eltern in den Kriegswirren in Syrien verloren hat. Sie alle haben nur ein Ziel: Weg aus dem Kampfgebiet um Aleppo in Nordsyrien, weg von den russischen Bomben. Zehntausende von ihnen sind an der Grenze zur Türkei gestrandet, vor allem in dem syrischen Grenzort Bab al-Salama. Sie warten dort in der Kälte unter freiem Himmel darauf, dass die Türkei sie einreisen lässt.

„Meine Frau ist auf der anderen Seite der Grenze, allein mit unseren drei Kindern“, sorgt sich Abdullah, dem die Flucht aus Syrien in die Türkei bereits gelungen ist, auf der türkischen Seite am Grenzübergang Öncüpinar. Auch sein Schwager sei nun mit der ganzen Familie geflüchtet, aber nur dieser habe in die Türkei einreisen dürfen, weil er medizinische Hilfe brauchte. Jetzt sei seine Frau allein im Grenzgebiet auf der syrischen Seite. Er macht sich Sorgen: „Sie hat mich schon von drei Telefonnummern aus angerufen.“

Eine Frau erzählt, dass ihre Kinder drei Tage lang auf der Straße schlafen mussten, nachdem ihr Haus bombardiert worden sei. „Jetzt schlafen sie an der Grenze. Wir warten darauf, dass sie zu uns dürfen, aber bisher hat ihnen niemand die Einreise erlaubt.“

Die Türkei hat weiterhin Hilfe versprochen. Die Menschen aus den Kampfgebieten bei Aleppo würden nicht alleingelassen, sagte Außenminister Mevlüt Cavusoglu gestern nach Gesprächen mit EU- Kollegen in Amsterdam. „Wir bleiben bei der Politik der offenen Grenze.“ Allerdings blieb die Grenze nahe der Stadt Asas übereinstimmenden Berichten zufolge zunächst dicht. In dem Gebiet halten sich nach UN-Angaben vom Freitag bis zu 30 000 Vertriebene auf. Der Gouverneur der türkischen Grenzregion Kilis sprach Berichten zufolge von 35 000 — die humanitäre Situation schien trotz Temperaturen im einstelligen Bereich aber noch unter Kontrolle.

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu rechnet mit weiteren zehntausenden Flüchtlingen, die auf dem Weg zur türkischen Grenze sein sollen. Denn die einstige syrische Wirtschaftsmetropole Aleppo, in der noch immer hunderttausende Menschen leben, liegt nur etwa 60 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt. Unterstützt durch russische Luftangriffe rücken im Raum Aleppo die syrischen Soldaten gegen die Aufständischen vor, darunter auch viele Islamisten der Al-Nusra-Front und ihrer Verbündeten.

Für den Fall, dass die Stadt ganz an die syrischen Regierungstruppen fällt, rechnet die Türkei mit mehr als einer Million zusätzlichen Flüchtlingen — 2,7 Millionen Syrer hat sie bereits aufgenommen.

Die Vorbereitungen auf türkischer Seite für die Aufnahme neuer Flüchtlinge laufen seit Tagen. Einige hundert Meter von der Straße entfernt am Grenzposten Öncüpinar hatte die türkische Regierung bereits ein Flüchtlingslager errichtet, dort werden jetzt zusätzliche Zelte aufgestellt.

Noch aber müssen die Syrer im Grenzbereich warten, nur die türkische Hilfsorganisation IHH durfte einige Lastwagen mit Hilfsgütern über die Grenze bringen. Angeblich sollen auch schon 5000 Flüchtlinge in die Türkei gelassen worden sein. Der Gouverneur der türkischen Grenzregion Kilis stellt aber klar: „Die Neuankömmlinge werden in Lagern auf der syrischen Seite der Grenze aufgenommen.“

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LN

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