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Politik im Rest der Welt Giftgas: Hinweise auch bei Twitter
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21:16 31.08.2013

„Jeden Moment“ erwartete gestern nach der Abreise der UN-Chemiewaffenkontrolleure das syrische Regime ein militärisches Eingreifen des Westens — wobei „der Westen“ gestern vornehmlich aus den USA und Frankreich bestand. US-Außenminister John Kerry umschmeichelte die Franzosen gar als „ältesten Verbündeten“ der USA — welch ein Umschwung nach 2003, als die französische Irakkriegsverweigerung heftigste US-Verstimmungen über die „Frogs“ auslöste.

Moskau blieb indes bei seiner skeptischen Haltung gegenüber Kerrys Erläuterungen über angeblich „zwingende“ und mehrfach überprüfte Beweise für die Verantwortung des syrischen Regimes für den Einsatz von Giftgas. Allerdings stoppte der Kreml laut der Zeitung „Komersant“ Waffenlieferungen an Syrien — offiziell, weil das Regime in Damaskus Rechnungen nicht bezahlt. Es gehe um Lieferungen von zwölf Kampfjets vom Typ MiG-29M/M2 sowie insgesamt sechs hochmodernen Raketenabwehrsystem S-300 PMU-2 und 36 Trainingsflugzeugen Jak-130.

Während es aus UN-Kreisen hieß, es könne bis zu zwei Wochen dauern, bis die Waffenkontrolleure ihre Ermittlungen ausgewertet haben, nährte Kerry die Zweifel selbst. Als der Chef des State Departments vor die Hauptstadtjournalisten trat, schränkte er gleich zu Beginn ein: „Es gibt Beweise, die müssen geheim bleiben. Und es gibt Beweise, die können wir öffentlich diskutieren.“ Ebenso wie damals vor dem Irak-Krieg soll sich die Öffentlichkeit also wieder auf das verlassen, was US-Regierungsangehörige verlauten lassen.

Wohl erstmals in der Kriegsgeschichte werden Einträge in den sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter als ernstzunehmende Hinweise angeführt. In dem Kerry-Bericht, der den LN vorliegt, heißt es, 90 Minuten, nachdem am 21. August die erste Angriffswelle begann, fänden sich die ersten Einträge auf Facebook, die von Giftgas sprechen. Die Beschreibungen stimmten mit Aussagen von Ärzten überein.

Schließlich beruft sich das State Department auf abgefangene Telefonate, in denen offen von dem Chemiewaffengebrauch gesprochen worden sei. Nach Berechnungen des US-Außenministeriums kostete der Giftgasanschlag 1429 Menschen, darunter 426 Kindern, das Leben.

Die Arabische Liga verlegte derweil ein für Dienstag anberaumtes Treffen ihrer Außenminister vor. Bereits heute wollen sie in Ägyptens Hauptstadt Kairo über den Syrienkonflikt beraten.

ko/dpa

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