Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Politik im Rest der Welt Glyphosat erneut Thema in Brüssel
Nachrichten Politik Politik im Rest der Welt Glyphosat erneut Thema in Brüssel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:25 14.05.2016
BUND-Aktivisten demonstrierten am Donnerstag vor dem Bundestag in Berlin gegen den Einsatz von Glyphosat.

Vertreter der EU-Mitgliedstaaten sollen in der kommenden Woche darüber entscheiden, ob die Zulassung für das umstrittene Pestizid Glyphosat in Europa verlängert wird. Bislang ist offen, wie sich die Bundesregierung verhält.

Glyphosat ist ein chemischer Wirkstoff in Pflanzenschutzmitteln und dient weltweit der Unkrautvernichtung. Der US-Konzern Monsanto hat Glyphosat in den 70er Jahren als Herbizid entwickelt. Heute gilt das Mittel als eines der weltweit meistverkauften Wirkstoffe zum Pflanzenschutz. Die Zulassung von Glyphosat in der EU läuft Ende Juni aus.

Glyphosathaltige Mittel sollen die Äcker von unerwünschten Unkräutern freihalten. Ausgebracht werden sie kurz vor oder nach der Ernte. In der europäischen Landwirtschaft wird Glyphosat unter anderem beim Anbau von Getreide, Raps, Wein, Oliven und Zitrusfrüchten angewendet.

In Deutschland werden einer Studie zufolge knapp 40 Prozent aller Anbauflächen damit behandelt. Der Vorteil für Landwirte liegt auch in Zeit- und Kostenersparnissen: Felder müssen nicht mehr umgepflügt werden.

Der Streit dreht sich um mögliche Gesundheitsgefahren des Mittels. Kritiker warnen davor, dass Glyphosat krebserregend sein könnte. Häufig herangezogen wird ein Bericht der zur Weltgesundheitsorganisation WHO gehörenden Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC), wonach Glyphosat „wahrscheinlich krebserzeugend bei Menschen“ sei. Den Herstellern zufolge handelte es sich dabei jedoch nur um „theoretische Überlegungen“ ohne Bezug zu den realen Verbraucherrisiken.

Aufsichtsbehörden in Deutschland und der EU kamen zu dem Schluss, dass von Glyphosat keine Gefahr für die Gesundheit von Menschen ausgeht. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) gab der EU-Kommission grünes Licht für eine erneute Zulassung.

Glyphosat-Gegner behaupten, die Efsa und weitere Behörden wie das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) fällten ihre Entscheidungen nicht unabhängig von Industrieinteressen. Auf der anderen Seite werfen Hersteller den Kritikern eine „Angstkampagne“ vor.

Für eine sofortige Neuzulassung ist eine qualifizierte Mehrheit nötig: Das sind 55 Prozent der Mitgliedstaaten, die gleichzeitig mindestens 65 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentieren. Andernfalls muss ein neuer Vorschlag der EU-Kommission her.

Innerhalb der Berliner Regierungskoalition gibt es heftigen Streit. Während Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) die Zulassung verlängern will, sind die SPD-geführten Ministerien strikt dagegen. Unter solchen Umständen muss sich Deutschland der Stimme enthalten. Am Freitag schaltete sich das Bundeskanzleramt ein, um eine einheitliche Position zu finden.

Der grüne Kieler Umwelt- und Landwirtschaftsminister Robert Habeck hat die Bundesregierung aufgefordert, nicht für eine Wiederzulassung des Unkrautgifts zu stimmen. Die Bedenken dürften „nicht einfach weggewischt werden. Wir brauchen eine transparente Klärung“, sagte Habeck gestern der Deutschen Presse-Agentur.

LN

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Pharmakonzern will durch scharfe Kontrollen künftig verhindern, dass Todeskandidaten in US-Gefängnissen durch seine Medikamente sterben.

14.05.2016

Im Streit um das geplante Gesetz für mehr Lohngleichheit stemmt sich Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig gegen umfassende Änderungswünsche der Union.

14.05.2016

Gut eine Woche vor dem nächsten Türkei-Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel verhärten sich die Fronten im Konflikt um den Flüchtlingspakt mit Ankara.

14.05.2016
Anzeige