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Greenpeace-Aktivisten drohen in Russland 15 Jahre Haft

Murmansk Greenpeace-Aktivisten drohen in Russland 15 Jahre Haft

Weltweite Solidarität für die 30 Umweltschützer. Heute auch Protest in Deutschland.

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In Haft: die brasilianische Aktivistin Ana Paula Alminhana Maciel.

Murmansk. Öko-Aktivismus trifft auf russische Härte: Noch ist nicht klar, wer bei dieser Kollision zwischen der Umweltorganisation Greenpeace und der russischen Justiz im sibirischen Murmansk auf der Strecke bleibt. Bisher sind es die 28 Greenpeace-Leute und zwei Journalisten, die seit einem Monat inhaftiert sind und für die deshalb heute vielerorts demonstriert wird.

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In Haft: die brasilianische Aktivistin Ana Paula Alminhana Maciel.

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Greenpeace-Mitarbeiter bemühen sich, ihren Kollegen in der Haftanstalt „Nummer 1“ warme Kleidung und Essen zu bringen, denn in Murmansk hat der Winter bereits begonnen. Das ist nicht einfach. Mehr als eine Stunde lassen mürrische Wachleute die Gruppe in der klirrenden Kälte vor der Gefängnismauer warten. Dass Journalisten zugegen sind, hebt die Stimmung der Wärter nicht. „Ohne Genehmigung sollten Sie die russische Realität nicht filmen“, brüllt ein Aufpasser, der eben noch selbst die Reporter mit einer kleinen Kamera aufgenommen hat.

Und auch in der Haftanstalt machen Bürokratie und Sprachbarriere die Sache nicht einfacher. Jede Form der Kommunikation mit Gefängnisvertretern, selbst eine Anrufbitte, müsse schriftlich auf Russisch vorgebracht werden, erklärt Greenpeace-Sprecherin Tatjana Wassiljewa die Vorschriften. Und doch tragen die Umweltschützer einen kleinen Sieg davon: Ein Richter entscheidet, dass der niederländische Aktivist Mannes Ubels einzig wegen Fluchtgefahr inhaftiert wird und nicht, weil er sich womöglich „krimineller Vergehen“ schuldig machen könnte. „Dem Antrag der Verteidigung wurde damit teilweise entsprochen“, sagt Richter Maxim Artamonow. Ubels ist der Cheftechniker der „Arctic Sunrise“. Vor seiner Anhörung war er in den Hafen eskortiert worden, um der Küstenwache zu erklären, wie sie das dort vertäute Schiff schwimmfähig hält.

Die Anklage gegen die 30 Männer und Frauen lautet auf bandenmäßige Piraterie — dafür drohen je bis zu 15 Jahre Haft. Deutsche sind nicht dabei. Mitte September hatten Aktivisten versucht, ein Transparent an einer Ölplattform des Gazprom-Konzerns im Nordpolarmeer zu befestigen. Ihr Plan war, auf das hohe Risiko von Bohrungen in der ökologisch sensiblen Arktis aufmerksam zu machen.

Vergangenes Jahr hatte das geklappt — diesmal griff der Grenzschutz mit aller Härte durch und enterte das Aktionsschiff. Die „Arctic Sunrise“ ist seither beschlagnahmt. Greenpeace hat gegen die Inhaftierung Berufung eingelegt. Erst Ende kommender Woche wird der Abschluss der Anhörungen erwartet. Und auch dann sei die ganze Angelegenheit wohl noch lange nicht vorbei, sagt Ubels‘ Anwalt Maxim Barischkin. „Die Ermittler bereiten gerade Anträge vor, um die Inhaftierung zu verlängern“, erzählt Barischkin. Derzeit gilt die U-Haft bis zum 24. November.

Die Vorwürfe seien eine Farce, schimpfen Juristen von Greenpeace. Kremlchef Wladimir Putin hat sich zwar öffentlich von den Piraterie-Vorwürfen distanziert. Aber sein Sprecher Dmitri Peskow lehnt jede Einmischung unter Verweis auf die Unabhängigkeit der Justiz ab. Auch deshalb gehen Beobachter davon aus, dass der Fall hinter verschlossenen Türen ausgehandelt wird. Doch eine politische Lösung dürfte etwa wegen der unterschiedlichen Nationalitäten der Besatzung nicht leicht werden.

Bei Protesten in Moskau gegen die Inhaftierung hat die Polizei gestern einen Mann in einem Eisbärenkostüm festgenommen. Er habe für Unruhe sorgen wollen. Die Organisation macht bei Kundgebungen häufig selbst mit dem Tierkostüm auf die Lage in der ökologisch sensiblen Arktis aufmerksam.

Bundesweiter Protest
28 Aktivisten und zwei Journalisten gehören zur Greenpeace- Crew, die seit 30 Tagen in Russland inhaftiert ist — für ihre Freilassung protestieren am Wochenende Aktivisten in 32 deutschen Städten. In Berlin werden rund 100 Jugendliche zusammen mit Musikern eine 30-stündige Mahnwache vor der russischen Botschaft halten. „Konzerne wie Gazprom, die die Zerstörung der Arktis in Kauf nehmen, gehören auf die Anklagebank — nicht unsere Aktivisten“, sagt Jörg Feddern, Ölexperte von Greenpeace.

LN

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