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Griechen tanzen Swing gegen die Krise

Athen Griechen tanzen Swing gegen die Krise

Seit Jahren wütet die schlimmste Krise seit langem in Athen und ganz Griechenland. Viele Menschen suchen im Tanzen einen Ausweg aus der Dauer-Tristesse.

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Tanzen gegen die Wirtschaftsdepression: Wie bei dieser Open-Air-Swing-Party in Athen suchen immer mehr Griechen Ablenkung.

Quelle: Fotos: AFP, dpa

Athen. Die offiziellen Meldungen über den Zustand der griechischen Wirtschaft fallen höchst unterschiedlich aus: Die einen verweisen auf das Licht am Ende des Tunnels einer langen Rezession, die anderen schaudert es, wenn sie den deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble hören: Der brachte ein drittes Rettungspaket für das überschuldete Griechenland ins Gespräch. Sie fürchten, dass damit verbundene Reform-Maßnahmen die Wirtschaft noch weiter in die Krise treiben. Viele Menschen fühlen sich nur noch hilflos — und suchen sich ein völlig unerwartetes Ventil: Sie tanzen sich die Sorgen von der Seele — mit Swing.

Swing ist ein erprobtes Mittel gegen wirtschaftliche Sorgen: In den 1930er Jahren, zur Zeit der Großen Depression, erreichte der schwungvolle Tanz in den USA seine größte Popularität. Nun swingen die krisengebeutelten Griechen. „Wir amüsieren uns dabei und vergessen unsere Probleme“, sagt Nasos Dimalexis. Einmal in der Woche besucht der 43-jährige Software-Ingenieur einen Tanzkurs bei den „Athens Swing Cats“, einer der beiden großen Swingschulen in der griechischen Hauptstadt.

Als Josephine Giannakopoulou, genannt „Joss“, zusammen mit ihrem Partner Ben Librojo die Schule vor fünf Jahren gründete, interessierte sich kaum jemand für den zwar schwungvollen, aber auch leicht verstaubt anmutenden Tanz. „Damals fingen wir mit acht Schülern an, dann wurden es 15, später 30, inzwischen sind es Hunderte“, erzählt die griechisch-französische Tanzlehrerin. „Viele meiner Schüler zählen die Tage bis zur nächsten Tanzstunde.“ Seit etwa einem Jahr läuft die Tanzschule so gut, dass Giannakopoulou ihre akademische Karriere als Musik- und Tanzwissenschaftlerin an der Universität Edinburgh dafür aufgab.

Und das zu einer Zeit, in der sich viele junge Griechen nichts sehnlicher wünschen als einen sicheren Job im Ausland. Jeder vierte Grieche ist arbeitslos, ganze Familien kämpfen ums Überleben.

Ablenkung von all den Sorgen tut not.

Auch deshalb boomt der Swing in Athen. „Immer mehr Menschen swingen, gehen zu unseren Swing-Partys, die wir auf der Straße veranstalten und gönnen sich eine Verschnaufpause voller Glück“, sagt Giannakopoulou. In fröhlicher und ausgelassener Stimmung treffen sich Hunderte Tänzer im Freien oder in Bars, viele sind im Stil der 1930er Jahre gekleidet. „Die Menschen haben immer stärker das Bedürfnis nach Ausflüchten aus der Misere“, erklärt Giannakopoulous Partner Librojo den Siegeszug des Swing in Griechenland.

Anfangs zögerte der Schotte, in die Tanzschule zu investieren. „Dann sagte mir jemand, dass die Leute in wirtschaftlich schwierigen Zeiten den Alltagssorgen entkommen wollen. Und genau das erwies sich als richtig.“ Auch Librojo hat inzwischen seine Arbeit als Computerfachmann in Schottland an den Nagel gehängt, um sich in Athen ausschließlich dem Swing zu widmen. „Das ist ein geselliger Tanz, heiter und spontan, er hilft, von den eigenen Problemen loszukommen“, sagt Mariantzela Salihou, die Leiterin von „Lindy Hop“, der zweiten großen Swingtanzschule in Athen. Griechinnen und Griechen aller Altersstufen melden sich für ihre Kurse an. Aber selbst wenn sie beim Tanzen für kurze Zeit ihre Sorgen ausblenden können, ist die Krise auch beim Swing nie ganz vergessen. Jedes Jahr organisieren die Swingtänzer ein Benefizfest — vergangenes Jahr ging der Erlös an Obdachlose, dieses Jahr kam er armen Familien zugute.

Viele zählen die Tage bis zur nächsten Tanzstunde.“

Swinglehrerin J. Giannakopoulou

LN

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