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Großbritannien zum Auftakt der Brexit-Gespräche versöhnlich

Mays Regierung geschwächt Großbritannien zum Auftakt der Brexit-Gespräche versöhnlich

Monatelang sprach man in London und Brüssel übereinander und heizte die Stimmung vor den Verhandlungen über den britischen EU-Austritt an. Doch deren Auftakt überrascht.

Chefunterhändler Michel Barnier erwartet Brexit-Minister David Davis.

Quelle: Virginia Mayo

Brüssel. Ein Jahr nach dem Brexit-Votum haben in Brüssel Verhandlungen über die Bedingungen für den EU-Austritt Großbritanniens begonnen. Die britische Regierung gab sich vor der ersten Runde sehr zuversichtlich und versprach konstruktive Gespräche.

„Uns verbindet mehr als uns trennt“, sagte Brexit-Minister David Davis. EU-Unterhändler Michel Barnier drang darauf, die vom Brexit verursachte Unsicherheit so schnell wie möglich zu lindern.

Am 23. Juni 2016 hatte eine knappe Mehrheit der britischen Wähler dafür votiert, die EU nach mehr als 40 Jahren zu verlassen. Ende März schickte Premierministerin Theresa May offiziell das Austrittsgesuch nach Brüssel. Damit begann die Frist bis Ende März 2019, um eine Vereinbarung über die Trennung und Eckpunkte für künftige Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU unter Dach und Fach zu bringen.

„Obwohl zweifellos in den Verhandlungen Herausforderungen vor uns liegen, werden wir alles uns Mögliche tun, eine Vereinbarung zu treffen, die im besten Interesse aller Bürger ist“, versicherte Brexit-Minister Davis. „Deshalb beginnen wir diese Verhandlungen in einer positiven und konstruktiven Tonlage und sind fest entschlossen, eine starke und besondere Partnerschaft zwischen uns und unseren europäischen Verbündeten und Freunden aufzubauen.“

EU-Unterhändler Barnier äußerte sich zum Auftakt zurückhaltender und wiederholte seine Prioritäten: „Zuerst müssen wir die Unsicherheiten angehen, die der Brexit verursacht.“ Er hoffe, dass man in der ersten Verhandlungsrunde die wichtigsten Themen und den Zeitplan vereinbaren könne.

Die EU hat eine Abfolge vorgegeben, die Großbritannien inzwischen offenbar akzeptiert. Zunächst soll über drei wichtige Themen gesprochen werden: die Rechte von Millionen EU-Bürgern in Großbritannien und Briten in der EU; die finanziellen Verpflichtungen Großbritanniens gegenüber der EU, geschätzt auf bis zu 100 Milliarden Euro; und die Durchlässigkeit der Grenze zwischen dem EU-Mitglied Irland und dem britischen Nordirland. Erst wenn dabei „ausreichende Fortschritte“ erzielt sind, will die EU über das von May gewünschte besondere Freihandelsabkommen sprechen.

Für Großbritannien hat die künftige Partnerschaft jedoch Priorität, wie Außenminister Boris Johnson bei einem EU-Treffen in Luxemburg bekräftigte. „Langfristig wird das gut für das Vereinigte Königreich und für den Rest von Europa sein“, sagte er und zeigte sich sicher: „Ich denke, der Prozess wird ein glückliches Ende finden.“

Ziel der Brexit-Befürworter war, dass Großbritannien seine Politik selbst unabhängiger bestimmen und die Zuwanderung von EU-Bürgern begrenzen kann. May will ihr Land deshalb auch aus dem EU-Binnenmarkt und der Zollunion herausführen. Die EU-Seite hält dies für wirtschaftlich riskant.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel forderte Großbritannien zum Verbleib im EU-Binnenmarkt auf. „Unsere Hoffnung ist, dass (...) auch den Briten klar wird, dass sie gegen die Interessen ihrer Bürger und Bürgerinnen arbeiten, wenn sie nicht wenigstens versuchen, Großbritannien im Binnenmarkt zu halten“, sagte der SPD-Politiker am Rande eines EU-Außenministertreffens in Luxemburg. Gabriel warf den Konservativen um Premierministerin May Egoismus vor. „Die Art und Weise, wie dort Konservative mit ihren Bürgern gespielt haben, um sich selber Vorteile zu erwirken, das war schon etwas, das jedenfalls ich als bemerkenswert und eigentlich schlimm empfand“, kommentierte er.

Mays Regierung geht geschwächt in die Verhandlungen. Sie verlor bei einer vorgezogenen Neuwahl am 8. Juni ihre konservative Mehrheit im Parlament und ringt noch um die Unterstützung der nordirischen Partei DUP, um überhaupt weiter regieren zu können.

dpa

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