Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Politik im Rest der Welt Haftstrafe für russisches Agentenpaar
Nachrichten Politik Politik im Rest der Welt Haftstrafe für russisches Agentenpaar
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:10 02.07.2013
Das Agenten-Ehepaar (r.) mit ihren Anwälten vor Gericht.
Stuttgart

„Sie lieferten ihrem Heimatland aus nächster Nähe einen Blick in die deutsche Seele“, sagte die Vorsitzende Richterin Sabine Roggenbrod.

Die „geheimdienstliche Agententätigkeit“ wiege schwer und habe für Deutschland einen deutlichen Souveränitätsverlust zur Folge gehabt. Die Beweislage sei so eindeutig wie nur selten. Das Ehepaar hat österreichische Pässe, die es als Heidrun und Andreas Anschlag ausweist. Zuletzt lebten die Agenten sowohl im hessischen Marburg als auch im baden-württembergischen Balingen.

Ihre wahre Identität kennt selbst das Gericht nicht. Die beiden sollen Russen sein. Hinter einer biederen Familienfassade haben sie nach Überzeugung des Strafsenats mehrere Hundert politische und militärpolitische Dokumente zur Europäischen Union und zur Nato an den russischen Geheimdienst SWR geliefert. Die Papiere stammten von einem Maulwurf im niederländischen Außenministerium. Für die Dienste sollen die Eheleute zuletzt rund 100 000 Euro pro Jahr bekommen haben. 690 000 Euro hätten sie mit ihrer „Eichhörnchenmentalität“ angespart. Wo das Geld heute ist, weiß der Senat nicht.

Unter anderem spreche die lange Dauer ihrer Agententätigkeit gegen die Angeklagten. „Der Senat hatte den Eindruck, er habe nur an der Spitze des Eisbergs gekratzt, der in 20 Jahren entstanden ist“, sagte Richterin Roggenbrod. Mit dem Urteil wolle der Senat auch klarmachen, dass bei Agententätigkeit hohe Strafen drohten.

Die Übermittlungsmethoden des Paares wirken angesichts des weltweiten Cyberspionage-Skandals fast schon altbacken: Die beiden versteckten zum Beispiel USB-Sticks in Erdlöchern und übermittelten geheime Botschaften in Kommentaren zu Fußballvideos auf der Internetplattform Youtube. Die Vorsitzende Richterin sagte, der russische Nachrichtendienst schätze anscheinend trotz neuer Medien die erprobten Spionage-Methoden. Ob die Angeklagten Revision beantragen, ist offen.

LN

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Weiterhin hohe Zahl von Masernfällen alarmiert den Gesundheitsminister.

02.07.2013

Bundesregierung lehnt Aufenthaltsgesuch des Ex-US-Geheimdienstspezialisten ab.

02.07.2013

Immer mehr Steuerbetrüger werden ertappt und müssen zahlen.

02.07.2013