Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Politik im Rest der Welt Havanna schafft das Zwei-Klassen-Geld ab
Nachrichten Politik Politik im Rest der Welt Havanna schafft das Zwei-Klassen-Geld ab
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:24 23.10.2013
Ungerecht: ein Land — zwei Währungen. Quelle: AFP
Havanna

Die Nationalhelden José Martí und Che Guevara zieren die kubanischen Peso-Scheine. Auf der Rückseite weht die Nationalflagge. Dennoch ist die kubanische Währung ein Symbol für die Spaltung der sozialistischen Gesellschaft. Seit fast 20 Jahren teilen sich die Kubaner in zwei Klassen, denn es gibt noch eine Parallelwährung, den an den US-Dollar gekoppelten konvertiblen Peso (CUC). Damit soll jetzt Schluss sein.

Mehrfach hatte Staatschef Raúl Castro angekündigt, das System der zwei Währungen zu beenden. Jetzt fasste der Ministerrat den Beschluss, ein Termin wurde aber nicht genannt. Die Abschaffung des CUC, des sogenannten Touristen-Peso, kommt einer Revolution gleich. Die kubanische Nationalbank ist weltweit die einzige, die zwei Währungen drucken lässt und in Umlauf bringt.

Besucher können die meisten Waren und Dienstleistungen nur mit dem CUC bezahlen, der in einem Verhältnis 1:1 zum US-Dollar steht. Doch die Gehälter der Kubaner werden in nationalen Peso gezahlt. Für 25 nationale Peso bekommt man einen CUC. Dieses System führt zu Absurditäten, etwa dass ein Taxifahrer durch Trinkgelder von Touristen an einem Tag so viel verdient wie ein Lehrer oder Arzt in einem Monat. Der monatliche Durchschnittslohn liegt bei 24 Dollar.

Unklar ist aber, wie die sozialistische Regierung die Währungsumstellung bewerkstelligen will. Die offiziellen Erklärungen blieben vage. Es hieß nur, dass zuerst staatliche Betriebe und dann die privaten Guthaben umgestellt werden sollen. Bert Hoffmann, Kuba-Experte am Hamburger Giga-Institut, geht davon aus, dass sich die vollständige Abschaffung der Parallelwährungen noch einige Zeit hinziehen wird. „Es wird keinen schroffen Bruch in der Politik geben“, sagt er. Trotzdem sei die Ankündigung ein wichtiger symbolischer Schritt.

Hoffmann erwartet aber auch, dass jetzt viele Kubaner versuchen, Guthaben in US-Dollar zu tauschen. Das bereitet den Boden für Inflation und damit für den weiteren Verfall der künstlich gestützten nationalen Währung. Laut den staatlichen Stellen gibt es keine Inflation in Kuba. Doch die Lebensmittel verteuerten sich stark in den vergangenen Monaten. Viele Familien halten sich deshalb nur mit Auslandsüberweisungen von Exilkubanern über Wasser, die 2012 mehr als 2,2 Milliarden Dollar ausmachten. Oder sie arbeiten schwarz.

Seit 2010 setzt die kubanische Regierung schrittweise Wirtschaftsreformen um und erlaubt in einigen Branchen Selbstständigkeit. So finden sich in Havanna inzwischen überall private Restaurants, Pensionen und Friseursalons. Souvenirverkäufer ziehen durch die Straßen, Taxifahrer preisen ihre Dienste an.

Susann Kreutzmann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Kein Feingeist, aber ein Kulturlobbyist, der sich selbst zugunsten deutscher Kulturinstitutionen zu vermarkten weiß: So wird Bernd Neumann immer wieder beschrieben.

23.10.2013

Der Papst hat gesprochen: Der angeschlagene Tebartz-van Elst muss sich zurückziehen, zunächst vorübergehend. Ausschlaggebend für seine Zukunft dürfte nun das Ergebnis einer Kassenprüfung für seine Residenz sein.

23.10.2013

China gelobt Besserung und verspricht UN-Gremium mehr Geld.

23.10.2013