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Hoffnung auf Zypern: Fällt die Grenze?

Nikosia/Lübeck Hoffnung auf Zypern: Fällt die Grenze?

Vielerorts in Europa werden die Grenzen dichtgemacht. Nicht so auf Zypern – dort könnte die Grenze zwischen Nord und Süd bald fallen.

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Geteilt: Nord- und Südzypern sind nur über eine Grenzkontrolle zu erreichen.

Quelle: Dpa, Afp

Nikosia/Lübeck. Das Europa dieser Tage ist gekennzeichnet durch immer neue Grenzzäune, Trennungsbewegungen und Auseinanderdriften eben noch verbundener Staaten – da verblüfft es fast, dass es auch noch einen gegensätzlichen Trend gibt: Auf Zypern könnten sich Schlagbäume bald heben und Zäune fallen. Die zwischen türkischer Minderheit im Norden und griechischer Mehrheit im Süden seit 1974 geteilte Insel könnte als föderativer Staat mit zwei Bundesstaaten in eine neue Zukunft starten – attraktiver für seine Bürger, Investoren und natürlich auch Urlauber.

LN-Bild

Vielerorts in Europa werden die Grenzen dichtgemacht. Nicht so auf Zypern – dort könnte die Grenze zwischen Nord und Süd bald fallen.

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Seit anderthalb Jahren laufen bereits Gespräche zwischen dem griechisch-zyprischen Inselpräsidenten Nikos Anastasiades und dem Vertreter der türkischen Volksgruppe Mustafa Akinci über ein Ende des Schismas. Die beiden Politiker können persönlich gut miteinander – eine Seltenheit in der Vergangenheit, aber eben auch wichtige Voraussetzung im oft emotional aufgeheizten politischen Klima auf der Mittelmeerinsel. Akinci jedenfalls zeigte sich nach den jüngsten Gesprächen im Beisein des UN-Vermittlers Barth Eide zuversichtlich: „Wenn wir willens und entschlossen sind, können wir in 90 Tagen eine Einigung über eine Friedenslösung erzielen“, so der türkisch-zyprische Sozialdemokrat. Er repräsentiert die ärmere türkische Hälfte der Insel, die als politische Einheit seit deren Ausrufung 1983 nur von der Türkei anerkannt wurde und an dem die Touristenströme bisher weitgehend vorbeifließen.

Aber auch sein konservativer griechischer Gegenpart zeigt sich zuversichtlich – im eigenen Interesse, schließlich winkt ordentlicher ökonomischer Fortschritt. Wirtschaftsexperten haben die positiven Effekte einer Wiedervereinigung auf ein Jahreswachstum von über vier Prozent hochgerechnet, bei einer Beibehaltung des Status quo wären es nur 1,6 Prozent im Jahr. Man könne das „ehrgeizige Ziel“, Zypern zurück in die staatliche Einheit zu führen, bis zum Jahresende erreichen, versicherte Anastasiades jüngst in seiner Rede vor der UN-Vollversammlung. „Mein Ziel ist, Fehler aus der Vergangenheit zu vermeiden“, beteuerte der Politiker.

Trotz aller „substanziellen Fortschritte“, die auch der Norweger Eide beobachtet hat, gibt es aber noch Fragen, bei denen es ernsthaft hakt – etwa, wer zu den Garantiemächten einer gemeinsamen friedlichen Zukunft gehören soll. Bisher versteht sich die Türkei als eine solche, Ankara hat deshalb 35000 Soldaten als Schutzmacht auf der Insel stationiert, und es möchte auch eine solche bleiben.

Viele Griechen hätten allerdings Vorbehalte in dieser Frage – und da am Ende beide Volksgruppen in einem Referendum zustimmen müssten, muss die ausgehandelte Regelung für alle Seiten passen. Die letzte, 2004 unter Vermittlung des damaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan ausgehandelt, scheiterte am griechischen „Oci“ (Nein) – geht es wieder schief, wäre es das wohl auf unabsehbare Zeit gewesen. Trotzdem eilt der scheidende Annan-Nachfolger Ban Ki Moon heute zu Hilfe – er will sich am Rande der UN-Generalversammlung mit den beiden zypriotischen Unterhändlern treffen. Die besten Wünsche insbesondere der westlichen Welt begleiten ihn – schließlich gilt die frühere britische Kronkolonie vor den Küsten des krisengeschüttelten Mittleren Ostens als „unsinkbarer Flugzeugträger“

für das britische Militär.

Die einstigen Kolonialherren haben auch 56 Jahre nach dem offiziellen Ende ihrer Herrschaft zwei Militärstützpunkte auf der Insel, aktuell heben britische – und auch französische – Kampfjets von dort zu Einsätzen gegen den „Islamischen Staat“ in Syrien und dem Irak ab. Eine friedlich vereintes Zypern könnte, so die Hoffnung im Hauptquartier in Brüssel, offizielles Nato-Mitglied werden – und Symbol für einen Stopp der Absetzbewegungen des Nato-Mitglieds Türkei.

Gespaltene Insel

Zypern wird zu 80 Prozent von ethnischen Griechen und zu 18 Prozent von ethnischen Türken bewohnt. Beide Volksgruppen gerieten nach der 1960 von der britischen Kolonialmacht gewährten Unabhängigkeit aneinander, 1964 brachen Unruhen aus. Die 1967 an die Macht geputschte griechische Militärjunta versuchte 1974, auch in Zypern an die Macht zu kommen, das scheiterte. Die Türkei schickte zum Schutz der Zypern-Türken Truppen auf die Insel und besetzte den von diesen bewohnten Norden der Insel. Der nennt sich seit 1983 „Türkische Republik Nordzypern“. Die Republik Zypern mit 1,1 Millionen Einwohnern ist Mitglied der EU.

mw

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