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Politik im Rest der Welt „Große Schauspielkunst“ mit Seehofer und Söder in Ingolstadt
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20:46 08.10.2018
Der Grad an wechselseitiger Abneigung zwischen Parteichef Horst Seehofer (r.) und Ministerpräsident Markus Söder dürfte einen neuen Höhepunkt erreicht haben. Quelle: imago/Sammy Minkoff
München/Ingolstadt

Es ist großes Theater, schon immer gewesen. Wenn es richtig ernst wird, wenn die Scheinwerfer angehen, wenn die Öffentlichkeit live mit dabei ist, dann schließt die CSU die Reihen. Dann stehen alle eng zusammen, insbesondere die beiden ganz vorne auf der großen politischen Bühne: Parteichef Horst Seehofer und Ministerpräsident Markus Söder. So war es schon im Dezember 2017 auf dem Parteitag in Nürnberg und jüngst Mitte September in München, und so wird es - so die Erwartung in der Partei - auch am Montagabend sein, wenn die CSU-Spitzen bei einer Wahlkampfkundgebung in Ingolstadt auftreten. Im Stadttheater, passenderweise. „Große Schauspielkunst“ werde es geben, sagte ein CSU-Vorstandsmitglied voraus.

Doch auch wenn Seehofer und Söder bei öffentlichen Auftritten Geschlossenheit demonstrieren, dürfte der Grad an wechselseitiger Abneigung einen neuen Höhepunkt erreicht haben. Direkte Schuldzuweisungen noch vor einem Wahltermin - das ist neu.

Seehofer gab Ministerpräsidenten-Amt an seinen Rivalen ab

Rückblick: Im März hatte die CSU, als Folge des Absturzes bei der Bundestagswahl 2017, die Ämterteilung endgültig vollzogen. Seehofer blieb Parteichef, musste das Ministerpräsidenten-Amt aber an seinen Dauerkontrahenten Söder abgeben. Beide waren Profis genug, das als Idealaufstellung zu verkaufen. Einen super „Doppelpass“ wollten sie spielen, versicherten sie immer wieder. „Wir haben beide eine große Verantwortung für dieses Land und für unsere Partei“, sagte Seehofer.

Doch dann im Sommer, nach dem Asyl-Krach in Berlin und Seehofers Rücktritt vom Rücktritt, ging es in den Umfragen deutlich abwärts. 33 Prozent in der vergangenen Woche waren der vorläufige Tiefpunkt. Gleichermaßen hat sich die Stimmung in der Partei verdüstert. Nur die bevorstehende Wahl zögert den ultimativen Krach noch hinaus, nur der 14. Oktober hält die CSU noch zusammen - und nur die Hoffnung, dass es am Ende doch nicht ganz so schlimm ausgeht.

Söder macht Berlin mitverantwortlich für schlechte Umfragen

Umso bemerkenswerter ist, dass die Klärung der Schuldfrage bereits begonnen hat - und das nun auch öffentlich. Söder greift Seehofer allerdings nicht direkt an, macht lediglich die große Koalition in Berlin insgesamt mitverantwortlich für die schlechten Umfragewerte. „Das sind natürlich alles Zahlen, die unglaublich geprägt werden durch die Berliner Politik“, sagte Söder vergangene Woche - so ähnlich hatte er sich zuvor schon wiederholt geäußert.

Seehofer, der die Schuld - wenn überhaupt - jedenfalls nicht alleine bei sich sieht, nennt Söder dagegen direkt. „Ich habe mich in den letzten sechs Monaten weder in die bayerische Politik noch in die Wahlkampfführung eingemischt“, sagt er in einem Zeitungsinterview. Das sei das persönliche Vorrecht Söders. „Er ist zuständig für strategische Überlegungen im Wahlkampf.“ Auch wenn Seehofer es nicht direkt ausspricht, ist die Lesart in der CSU eindeutig: Er will Söder damit auch für den Ausgang der Wahl mitverantwortlich machen.

Und damit nicht genug. In einem weiteren Interview verweist Seehofer nicht nur darauf, dass er als Parteichef noch bis Herbst 2019 gewählt und dass er als Innenminister noch ein „großes Werk zu verrichten“ habe, sondern legt die Messlatte für Söder angesichts der 33- bis 35-Prozent-Umfragen nahezu unerreichbar hoch: Eine absolute Mehrheit sei „grundsätzlich“ immer noch möglich.

Die Wut auf Seehofer tritt offen zu Tage

In seiner Partei sorgt der Vorsitzende mit diesen Interviews für neuen Zorn, neues Kopfschütteln. Seehofers Schuldzuweisungen seien realitätsfern. Sogar Kanzlerin Angela Merkel (CDU) habe ja den langen Asyl-Streit als Ursache für die schlechten Umfragewerte ausgemacht. Auch in einer CSU-Vorstandssitzung Anfang des Monats hatten sich bereits mehrere Teilnehmer kritisch zu Wort gemeldet: Die große Koalition sei „der“ Grund, weshalb der CSU die Wähler davonliefen.

Weite Teile der CSU-Basis machten aus ihrer Wut über Seehofer schon lange keinen Hehl mehr, berichten Landtagsabgeordnete. Eine große Mehrheit sei der Meinung, dass der Parteichef weg müsse, heißt es. Söder dagegen sitze nach derzeitigen Stand ziemlich fest im Sattel.

Zwar weiß niemand, wie die Wahl am Ende ausgeht - die meisten in der CSU haben die absolute Mehrheit aber längst abgeschrieben. Und so bleibt nur die Hoffnung, dass es noch ein paar Prozentpunkte mehr werden als in den Umfragen. Ob sich Seehofer dann als Parteichef halten kann? Möglich, sagt ein Vorstandsmitglied, wenn es 37/38 Prozent oder mehr werden. Sollten es aber 35/36 Prozent oder weniger werden, dann steuert die CSU wohl auf das Finale furioso zu.

Von RND/dpa

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