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IS-Giftgasangriff auf Kurden? Sorge um deutsche Soldaten

Berlin/Ankara IS-Giftgasangriff auf Kurden? Sorge um deutsche Soldaten

Bundeswehr bildet in der Region Peschmerga-Kämpfer aus. US-Bomber starten in Türkei.

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Ein US-Kampfjet hebt auf dem Stützpunkt Incirlik ab.

Berlin. Die von der Bundeswehr ausgebildeten Kurden-Kämpfer im Nordirak sind offenbar zum Ziel eines Chemiewaffenangriffs geworden: Deutsche Soldaten in der Region seien aber „nicht betroffen und nicht gefährdet“ gewesen, sagte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums gestern in Berlin. Ein Vertreter der kurdischen Peschmerga berichtete von einem Angriff mit giftigem Chlorgas, das mehrere Dutzend Kämpfer verletzt habe.

Konkrete Konsequenzen für den Fortgang des Bundeswehreinsatzes im Nordirak, wo kurdische Verbände gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) kämpfen, soll der mutmaßliche Angriff zunächst nicht haben: „Der Schutz unserer Soldaten im Nordirak ist ohnehin auf dem höchsten Stand“, sagte der Ministeriumssprecher.

Nach Angaben eines hochrangigen Peschmerga-Vertreters im Irak gingen mit Chlorgas bestückte Katjuscha-Raketen auf die kurdischen Kämpfer nieder. Der Angriff habe sich am Dienstagnachmittag in der Region Machmur rund 50 Kilometer südwestlich der Kurdenmetropole Erbil ereignet, sagte der Peschmerga-Vertreter dem AFP-Büro in Bagdad.

Weder die deutsche noch die kurdische Seite wollten sich zunächst zu der Frage äußern, wer für den Angriff verantwortlich sein könnte. Die Kurden hatten in den vergangenen Monaten allerdings wiederholt den IS beschuldigt, Chlorgas gegen kurdische Kämpfer eingesetzt zu haben.

Seit rund einem Jahr unterstützt Deutschland den Kampf der Peschmergaverbände gegen den IS mit Waffen und Schulungen. Derzeit sind 89 Bundeswehrangehörige für die Ausbildungsmission im Nordirak. Nach Bundeswehrangaben waren irakische und US-Spezialisten aus Bagdad zum Ort des Geschehens unterwegs, um die genauen Umstände des mutmaßlichen Chemiewaffenangriffs zu prüfen.

In letzter Zeit hatten sich Hinweise auf Chlorgas-Einsatz durch den IS gehäuft. Die regierungsunabhängige Rüstungskontrollgruppierung Conflict Armament Research Group dokumentierte mehrere Fälle von Chemikalieneinsätzen im Irak und im benachbarten Syrien, die sich im Juni zugetragen haben sollen. Die zu Kampfzwecken eingesetzten Stoffe wiesen die Eigenschaft von Chlorgas auf, erklärten die Experten der internationalen Organisation in einem Bericht.

Die Betroffenen hätten Symptome gezeigt, die für Chlorgas typisch seien: Atemwegsverletzungen, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit und eingeschränkte Konzentrations- und Bewegungsfähigkeit. Chlorgas war im Ersten Weltkrieg in großem Umfang eingesetzt worden. Sein Einsatz ist seit 1997 durch die internationale Chemiewaffenkonvention geächtet.

US-Kampfjets haben indessen offenbar erstmals bei einem Einsatz von der Türkei aus den IS in Syrien bombardiert. Die Luftangriffe von der südtürkischen Militärbasis Incirlik aus seien am Mittwoch geflogen worden, teilte das US-Verteidigungsministerium in Washington mit. Die türkische Regierung widersprach den Angaben und versicherte, es habe sich nicht um einen US-Kampfeinsatz, sondern nur um Aufklärungsflüge gehandelt. Nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur Dogan hoben drei US-Kampfjets von Incirlik ab. Die regierungsnahe türkische Zeitung „Daily Sabah“ meldete, die IS-Miliz habe infolge der US-Kampfangriffe zurückweichen müssen.

Luftwaffenstützpunkt Incirlik

6 F-16-Kampfjets und 300 Soldaten haben die USA eigenen Angaben zufolge auf den türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik verlegt. Die Kampfjets seien von Aviano in Italien in die Türkei verlegt worden. Damit verkürzen sich die Flugzeiten der US-Kampfjets, die IS-Ziele in Syrien angreifen, künftig deutlich.


Die USA und die Türkei hatten im Juli ein Abkommen über die Nutzung von Incirlik durch die US-Armee geschlossen.

LN

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