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Immer neue Medikamente: Patienten zahlen zu viel

Berlin Immer neue Medikamente: Patienten zahlen zu viel

Report: Pillen sind zu teuer. AOK warnt vor explodierenden Arzneikosten.

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Berlin. Der Sparkurs im Arzneimittelbereich zeigt bislang nur mäßigen Erfolg: 2012 stiegen die Ausgaben der Krankenkassen — nach einem Jahr des Stillstands — erneut um 2,6 Prozent auf 30,6 Milliarden Euro. Dabei könnten allein 1,2 Milliarden Euro eingespart werden, wenn die Preise für patentgeschützte Medikamente in Deutschland auf das Niveau europäischer Nachbarländer wie Frankreich sinken würden. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Arzneiverordnungsreport (AVR), der gestern in Berlin vorgestellt wurde.

AOK-Vorstand Uwe Deh forderte die Politik auf, die Sparauflagen für die Branche zu verlängern. Ansonsten drohe im nächsten Jahr ein Ausgabenzuwachs von 8,9 Prozent. 2010 wurde die Pharmaindustrie gesetzlich gezwungen, den Krankenkassen einen Rabatt von 16 Prozent zu gewähren. Außerdem gilt ein Preismoratorium. Beide Maßnahmen laufen zum Jahresende aus.

Trotz des Rückfalls in Ausgabensteigerungen lobten die Herausgeber des jährlich erscheinenden Reports die jüngste Arzneimittelreform, die seit 2011 von Pharmaherstellern einen Nachweis für den Nutzen neuer, zumeist sehr kostspieliger Mittel verlangt. Der Heidelberger Pharmakologe Ulrich Schwabe bezweifelte jedoch, dass tatsächlich — wie vom Bundesgesundheitsministerium kalkuliert — zwei Milliarden Euro eingespart würden. Das Verfahren, das die Industrie erstmals zu Preisverhandlungen mit den Kassen zwingt, habe die Ausgaben bisher nur um 120 Millionen Euro gesenkt.

Optimistischer äußerte sich der Vorsitzende des zuständigen Bundesausschusses (G-BA), Josef Hecken. Gerade einmal jedes fünfte, vermeintlich neue Medikament habe sich bei der ersten Runde der sogenannten Nutzenbewertungen als innovativ herausgestellt. „Die Masse der Medikamente löst nicht die Heilsversprechen der Hersteller ein“, sagte Hecken. In den nächsten fünf Jahren rechnet der G-BA-Vorsitzende mit „beachtlichen Einsparungen“, indem Scheininnovationen gar nicht erst auf den Markt kommen.

Strittig blieb die Frage, wann das Selbstverwaltungsgremium die Nutzenbewertung alter Medikamente startet, die bereits auf dem Markt sind. Im Bestandsmarkt sei mit wesentlich größeren Einsparungen zu rechnen als beim Test der Marktneulinge, mahnte der Pharmakologe Schwabe. Insgesamt beziffert der Report das Einsparpotenzial bei den Arzneimittelausgaben auf jährlich 3,7 Milliarden Euro. Allein 2,5 Milliarden Euro brächte es ein, wenn teure Analogpräparate, die nur geringfügig anders wirken als frühere Mittel, nicht verordnet würden.

Der Report erwähnt auch Fortschritte: Immer häufiger werden Generika — preisgünstige Kopien von Originalpräparaten — verordnet. Die Einnahmen der Krankenkassen aus Rabattverträgen mit den Pharmafirmen für den Einkauf von Generika sind mittlerweile auf 2,1 Milliarden Euro im Jahr gestiegen.

Wolf-Dieter Ludwig, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft (AKDÄ), schloss sich Schwabe an und kritisierte die Strategie der Pharmaindustrie, mit „Evergreens“ Umsatz zu machen. Durch Tricks und unseriöse Absprachen der Hersteller werde versucht, patentgeschützte Medikamente am Markt zu halten. Für Ärzte sei es schwierig, dies zu durchschauen. Er empfahl den Report als Lektüre.

Gabi Stief

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Von Gabi Stief

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