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Politik im Rest der Welt In die Schanze kehrt der Alltag zurück
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18:13 05.08.2017
Spuren der Krawalle sind noch zu sehen: Szene von der Kreuzung Altonaer Straße/Schanzenstraße. Quelle: Foto: Christian Charisius/dpa

Aus der offenen Tür der Haspa-Filiale am Hamburger Schulterblatt strömt noch rauchig-rußiger Geruch. Der Blick ins Innere lässt die Zerstörungswut der Randalierer erahnen, die in dieser Straße während der G20-Krawalle vor rund einem Monat tobte. Das Erdgeschoss brannte aus und hinterließ einen verwüsteten Innenraum. Auch bei ein paar anderen Geschäften im Schanzenviertel zeugen mit Klebestreifen markierte, gesplitterte Glasscheiben oder mit Platten vernagelte Schaufenster von den Ausschreitungen.

In den Straßen selbst ist der Alltag eingekehrt. „Die Schanze erholt sich schnell wieder“, sagt die Filialleiterin einer Boutique (42). „Alles beim Alten“, meint auch die Blumenverkäuferin Alina Niehaus (30). Gegenüber sitzt Friseur Musti (28) auf der Wartebank: „Alles normal, bisschen wenig Kundschaft wegen der Urlaubszeit.“

Dort, wo Schulterblatt und Schanzenstraße zusammentreffen, sind Bagger angerückt. Nicht wie Anfang Juli, als Wasserwerfer Barrikaden wegschoben, sondern um tief zu buddeln. „Für Fernwärme“, brüllt ein Arbeiter. Schräg gegenüber ist noch immer das Haus eingerüstet, das Randalierer geentert hatten. Bei der Erstürmung des Gebäudes nahmen Spezialkräfte in der Nacht auf den 8. Juli 13 mutmaßliche Angreifer fest, von denen die Polizei annahm, sie wollten Gehwegplatten und Molotowcocktails auf die Beamten werfen.

In der geplünderten Filiale der Drogerie-Kette Budnikowsky im Schulterblatt herrscht wieder Kundenverkehr. Auf 60 Quadratmetern gibt es zumindest das Notwendigste, weiter hinten werden neue Regale befüllt. „Neue Fliesen, neue Decken – jetzt bauen wir es gleich richtig um“, sagt Filialleiterin Sabrina Gresse. Im September rechnen die Mitarbeiter mit der großen Neueröffnung. Bis dahin dürfte hier der tatsächliche Schaden, geschätzt auf rund 1,1 Millionen Euro, klar sein. Der zerstörte „Rewe City“-Markt ist hingegen noch gesperrt.

Aus dem mit 40 Millionen Euro dotierten Härtefallfonds zur Schadensregulierung, den Bund und Land extra eingerichtet hatten, waren bis Anfang August erst gut 50000 Euro geflossen. Der Fonds sei mit heißer Nadel gestrickt, hatte Handelskammer-Präses Tobias Bergmann moniert. „Wer die Musik bestellt, soll auch bezahlen.“ Die Geschäftsleute müssten vollen Ausgleich für erlittene Schäden erhalten.

„Wer übernimmt die Kosten meiner Verschalung und den Umsatzausfall? Wer ist denn für uns zuständig?“ Die Wut von Geschäftsführerin Yvonne Trübger vom gleichnamigen Pianohaus in der Schanzenstraße ist spürbar. „Erst den Gipfel verharmlosen, dann eine halbherzige Entschuldigung.“ Auf Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) ist sie nicht gut zu sprechen. Keiner solle auf seinem Schaden sitzen bleiben – solche Aussagen von Politikern gehen ihr ständig durch den Kopf. Doch sie hat wenig Hoffnung: „Das wird bis zur Bundestagswahl verschleppt, dann ist es vergessen.“

LN

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