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Islamisten scheren aus: Platzt die Rebellen-Allianz in Syrien?

Damaskus Islamisten scheren aus: Platzt die Rebellen-Allianz in Syrien?

Türkei in großer Sorge vor Erstarken der Dschihadisten in der Grenzregion.

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Kampfpause: Ein Rebellen-Krieger reinigt seine Waffe in der nordsyrischen Stadt Aleppo.

Quelle: Fotos: dpa, AFP

Damaskus. Die Lage in Syrien wird immer verworrener und für die benachbarte Türkei zunehmend zu einem unkontrollierbaren Sicherheitsproblem. „Terroristen“ sickerten entlang der über 900 Kilometer langen auch von deutschen Soldaten bewachten Grenze aus Syrien in die Türkei ein, erklärte der türkische Staatschef Abdullah Gül am Rande der UN-Vollversammlung, es gelinge „trotz des Einsatzes von Geschützen und Panzern“ nicht, das zu verhindern.

Aus den Grenzregionen berichten türkische Oppositionspolitiker, „ausländische Bewaffnete mit langen Islamisten-Bärten“ überquerten nach Belieben die Grenze in beiden Richtungen, brächten ihre Verletzten in türkische Krankenhäuser und organisierten den Nachschub für die Anti-Assad-Kämpfer in Syrien.

Die wiederum zeigen sich nun offen gespalten. 13 ihrer Brigaden haben die Zusammenarbeit mit der oppositionellen Dachorganisation Syrische Nationale Koalition für beendet erklärt: Diese im Ausland als wichtigstes Oppositions-Bündnis angesehene Organisation „vertritt uns nicht, und wir erkennen es nicht an“, hieß es in einer Erklärung, die sowohl die radikalislamische Al-Nusra-Front als auch die Tawhid-Brigade sowie Vertreter der Freien Syrischen Armee unterzeichnet hatten, der militärischen Hauptorganisation der Rebellen.

Was bei den westlichen Unterstützern zusätzliche Alarmglocken klingeln ließ: Die 13 Gruppen forderten „alle militärischen und zivilen Gruppen“ auf, sie sollten die Scharia zur „einzigen Quelle der Gesetzgebung“ machen.

Der Vorsitzende der Nationalen Syrischen Allianz, Ahmed al-Dscharba, eilte entnervt von der UN-Vollversammlung in New York zurück in den Bürgerkriegsstaat, um den Riss zu kitten. „Wir wollen diese Gruppen nicht bekämpfen, sondern sie integrieren“, erklärte auch Bassam Ishak, ein führendes Mitglied der Allianz.

All das dürfte das Unbehagen im Westen, einer nur wenige Monate nach ihrem Zusammenschluss offenbar wieder zerfallenden Opposition mehr Waffen zu liefern, steigern — und dem bedrängten Machthaber Baschar al-Assad in die Karten spielen.

Ein Problem dürfte der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan haben: Will er die Grenzregionen befrieden, müsste er mit Assad wohl oder übel kooperieren — allerdings hat er sich frühzeitig auf die Seite von dessen Gegnern geschlagen, die nun seine Südgrenze aushebeln. Auch müsste man mit dem Assad-Unterstützer Iran ins Gespräch kommen — wozu Staatschef Abdullah Gül bei einem Treffen mit Hassan Ruhani schon ansetzte.

Die Russen sehen sich in ihrer Skepsis gegenüber den Rebellen bestätigt und boten an, Beobachter auch für die geplante Vernichtung der syrischen Chemiewaffen zu schicken. Vizeaußenminister Sergej Rjabkow begrüßte demonstrativ die Rückkehr von UN-Inspektoren nach Syrien: „Wir erwarten ein ausgeglichenes Urteil.“ mw

„Wir wollen diese Gruppen nicht bekämpfen, sondern sie integrieren.“
„Bassam Ishak, Nationale Syrische Allianz
UN-Chemie-Experten zurück in Damaskus
Chemiewaffen-Experten der Uno haben gestern ihren zweiten Einsatz in Syrien gestartet. Wohin ihre erste Untersuchungsmission sie führte, war unklar.

Die UN-Experten unter der Führung des Schweden Ake Sellström waren am Mittwoch zu ihrem zweiten Einsatz in dem Bürgerkriegsland eingetroffen. Gestern brachen sie in Damaskus in drei Autos zur ersten Untersuchung auf. Sie sollen den mutmaßlichen Einsatz von Chemiewaffen in einem Dutzend Fällen untersuchen. Sellström erklärte, sein Team werde möglicherweise bis Ende Oktober einen Bericht zu all diesen Vorwürfen vorlegen.

Die Experten waren erstmals Mitte August nach Syrien gereist, sie untersuchten einen mutmaßlichen Giftgasangriff nahe Damaskus vom 21. August. In ihrem Mitte September vorgelegten Bericht hieß

es, es gebe „klare und überzeugende“ Beweise für den Einsatz des Nervengases Sarin mit Boden-Boden-Raketen. Zu den Verantwortlichen des Angriffs äußerten sich die UN-Experten nicht. Die USA und andere westliche Staaten gehen davon aus, dass er von syrischen Regierungstruppen verübt wurde. Washington zeigte sich daher zunächst zu einem Militärschlag bereit.

Später einigten sich die USA und Russland auf einen Plan zur Vernichtung des syrischen Giftgasarsenals, dem Damaskus zustimmte.

LN

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