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Politik im Rest der Welt Jüngster Kandidat ist noch gar nicht 18
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22:15 26.08.2017
Da ist noch Luft nach oben: Die Wählermobilisierung beginnt jetzt erst.

Bis zur Bundestagswahl sind es nur noch vier Wochen. Während Umfragen signalisieren, dass ein Viertel bis vielleicht sogar die Hälfte der Wähler noch unentschlossen ist, geht es auch auf den kleineren politischen Bühnen des Landes rege zu. Dafür sorgen Tausende Kandidaten und auch viele kleine Parteien. Die zentralen Fakten, die die Wähler kennen sollten, im Überblick.

Wer darf wählen?

Wahlberechtigt sind 29,8 Millionen Männer und 31,7 Millionen Frauen – insgesamt 61,5 Millionen Menschen, rund 400 000 weniger als bei der Wahl 2013. Wie damals gibt es rund drei Millionen Erstwähler.

Bundeswahlleiter Dieter Sarreither sagte bei der Vorstellung einer aktuellen Statistik in Berlin, die Parteien täten gut daran, die Erstwähler gezielt anzusprechen: „Man kann sie aktivieren.“ Bereits 2013 stellte die Generation Ü-60 mit 21,3 Millionen gut ein Drittel aller potenziellen Wähler – fast doppelt so viele wie die Unter-30-Jährigen. Die 30- bis 59-Jährigen stellten knapp die Hälfte der Wahlberechtigten. Für die Wahl im Herbst haben sich bisher rund 37 000 im Ausland lebende Deutsche in ein Wählerverzeichnis eingetragen.

Welche Rolle spielen Wähler mit ausländischen Wurzeln?

Zuletzt rückte der Aufruf des türkischen Präsidenten Erdogan, weder Union, SPD noch Grüne zu wählen, die Wähler mit ausländischen Wurzeln in den Blick. Sarreither geht von rund 720 000 Wahlberechtigten mit türkischem Hintergrund aus. Experten zufolge haben die eine recht stabile Bindung an die SPD (69,8 Prozent). Insgesamt hatten 2013 5,8 Millionen Wahlberechtigte einen Migrationshintergrund. Als Partei ihrer Wahl nennen Zuwanderer zu 40,1 Prozent die SPD, es folgen die Union (27,6), Grüne (13,2) und Linke (11,3).

Welche Parteien treten an?

Es gibt einen Rekord von 42 Parteien – so viele wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Sieben dieser Parteien wurden erst in diesem oder im vergangenen Jahr gegründet: Allianz Deutscher Demokraten, Bündnis Grundeinkommen, Demokratie in Bewegung, Die Grauen – Für alle Generationen, Die Urbane – Eine Hiphop Partei, Mieterpartei, V-Partei – Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer.

Welche Bewerber treten an?

Insgesamt sind es 4828 Kandidaten – so viele wie seit 1998 nicht mehr. Wahlleiter Sarreither wertet das als klaren Hinweis gegen Politikverdrossenheit. Beruflich tätig sind mit 1757 die meisten in den Bereichen Unternehmensorganisation/Recht/Verwaltung, gefolgt von Gesundheit/Soziales/Lehre/Erziehung (683). 520 Bewerber kandidieren erneut für den Bundestag. 348 Kandidaten sind Studenten, Azubis oder Schüler.

Wer ist der jüngste, wer der älteste Kandidat?

Mit 1323 Bewerbern gehört ein Großteil der Altersgruppe der 50- bis 59-Jährigen an. Der jüngste Bewerber wird nach eigenen Angaben erst einige Tage vor der Wahl 18: der in Berlin geborene Schüler Floris Beer, der für Die PARTEI in Fürstenwalde antritt. Die älteste Kandidatin ist die 89-jährige ehemalige Autorin und Schauspielerin Barbara Rütting, die für die V-Partei für Veränderung in Bayern antritt.

Wie viele Frauen bewerben sich?

Ihr Anteil an allen Kandidatinnen und Kandidaten liegt mit 29 Prozent deutlich höher als 2013 (25,8 Prozent). Bei den Landeslisten liegt der Frauenanteil insgesamt höher als bei den Direktkandidaten. Unter den momentan im Bundestag vertretenen Parteien haben die Grünen mit 46,9 Prozent den größten Frauenanteil bei den Kandidaten, die CSU mit 22,2 Prozent den geringsten. Bei AfD und FDP sitzen deutlich mehr Männer in den Startlöchern.

Was hat sich bei den Wahlkreisen getan?

Thüringen hat Bewohner verloren – und nun auch einen von neun Wahlkreisen. Sechs Wahlkreise wurden hier neu eingeteilt und umbenannt. Bayern hat dagegen zu den bisher 45 Wahlkreisen einen weiteren erhalten. Wie 2013 gibt es 299 Wahlkreise in Deutschland.

Bedenken gegen die „vorverlegte Wahl“

Die Wahlunterlagen gehen dieser Tage raus – schon jetzt erwarten die Behörden einen neuen Rekord bei der Briefwahl, 2013 nutzten 24,3 Prozent diese Möglichkeit, auch im Ausland. Dieses Mal könnte der Anteil derer, die schon bis zu einem Monat vor dem eigentlichen Wahltermin abstimmen, noch höher sein – zunehmende Mobilität und Sonntagsarbeit gelten als Gründe. Skeptiker nennen die Briefwahl „verfassungsrechtlich nicht unproblematisch“, sie fürchten um die Einhaltung des Wahlgeheimnisses. Bundeswahlleiter Dieter Sarreither wies die Bedenken zurück. Zwar gebe es durchaus Möglichkeiten der Manipulation. Dennoch müsse es jedem deutschen Staatsbürger ermöglicht werden, seine Stimme abzugeben.

Basil Wegener

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