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Politik im Rest der Welt Jugend forsch: Der neue Trend in der Politik?
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20:22 01.07.2017
Hamburg

„Man kann heute gar nicht jung genug sein, um in der Politik erfolgreich zu sein“, mutmaßte unlängst das Hamburger Wochenblatt „Die Zeit“. Anlass für die Verblüffung: In den Spitzenpositionen der Politik nisten sich immer mehr für politische Verhältnisse junge Amtsinhaber ein, auf höheren Ebenen ebenso wie im Mittelbau der Politik. Jüngstes Beispiel:

Daniel Günther. Quelle: Fotos: Neelsen, Action Press, Dpa, Afp, Imago

Alexis Tsipras

Griechenland wurde in der Eurozone wohl am schwersten von der globalen Finanzkrise getroffen. Bis heute droht ohne finanzielle Hilfen der Staatsbankrott. In der Krise schlug dann die Stunde für Syriza-Chef Alexis Tsipras (42).

2015 wurde der gelernte Bauingenieur erstmals zum Premier gewählt. Einen Schuldenerlass schaffte er aber bisher nicht.

Sebastian Kurz

Fesch und forsch gibt sich der 30-jährige ÖVP-Spitzenkandidat für die vorgezogenen Neuwahlen in Österreich: Sebastian Kurz, derzeit Außenminister, rechnet sich gute Chancen aus.

Auf internationalem Parkett gab der wohl jüngste aller Außenminister vor der Uno oder in der OSZE eine gute Figur ab. Innenpolitisch fand er deutliche Worte in Migrationsfragen.

Emmanuel Macron

Der neue französische Präsident startete mit einer Reihe von Ministerrücktritten wegen anrüchiger Finanzierungsmodelle früherer Mitarbeiter auf EU-Kosten.

Die Reform des Arbeitsmarktes nach deutschem Agenda-Vorbild stieß der 39-Jährige gleich nach der siegreichen Parlamentswahl an. Es drohen aber bereits scharfe Gewerkschaftsproteste.

Justin Trudeau

Kanadas Premier gilt vielen innerhalb und außerhalb seines Landes als „personifizierter Anti-Trump“. Er gibt sich weltoffen und ausgleichend, versteht sich gut mit Emmanuel Macron.

Innenpolitisch sucht der 44-Jährige den Ausgleich, steht für Integration, auch für die indigene Bevölkerung. Außenpolitisch steht er für Kooperation, auch in der Umweltpolitik.

Der neue Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Daniel Günther, der mit nur 43 quasi aus dem Nichts SPD-Amtsinhaber Torsten Albig souverän aus dem Sattel hob.

Im Ausland legte Frankreichs neuer Präsident Emmanuel Macron eine Etage höher eine ähnlich steile Karriere hin: Mit nur 39 Jahren schoss der vorher nur Polit-Insidern vertraute Franzose als neuer strahlender Stern ganz nach oben, eroberte mit seiner neuen Partei die absolute Mehrheit. So etwas gab’s vorher noch nie im streng auf Formalitäten und Traditionen geeichten französischen Politikbetrieb.

In Österreich schickt sich der nächste Nachwuchsstar an, den Thron der politischen Macht zu erklimmen: Sebastian Kurz, gerade mal 30, ohne Studienabschluss oder Berufsausbildung, schob sich forsch und eloquent ins Rampenlicht der Politik, profilierte sich als smarter Konservativer, der der rechten FPÖ mit kaum verhüllten ausländer- und vor allem Türkei-kritischen Parolen Stimmen abjagen will.

Indes machte Kurz vor der Uno eine gute Figur, forderte die Abschaffung aller Atomwaffen. Das renommierte US-Magazin „Time“ listete Kurz denn auch als einen der wichtigsten „Next-Generation-Leaders“

auf, die Deutsche Presse-Agentur sah ihn als einen von „sieben Gewinnern auf der politischen Weltbühne“. Inzwischen hat er das österreichische CDU-Pendant ÖVP überhommen und will der SPÖ noch in diesem Jahr bei Neuwahlen das Kanzleramt in Wien abjagen.

Jung und konservativ präsentiert sich nicht jeder der politischen Aufsteiger. Manche sonnen sich eher im Gegenlicht: Justin Trudeau etwa, auch erst 44 und mit seinem indianischem Tattoo, seiner Geschmeidigkeit in sozialen Netzwerken – aber anders als der twitternde Donnergott Trump – und seiner Begeisterung für Yoga im Büro einem Wunschkatalog der urbanen Liberalen entstiegen, hat nach zehn stramm konservativen Jahren unter Vorgänger Stephen Harper als Premier sein Kanada zum Sehnsuchtsort vor allem Trump-zermürbter US-Amerikaner gemacht. Er verschärfte Umweltgesetze, hieß Flüchtlinge willkommen, zog aus Kriegsgebieten ab. Seine Zustimmungsraten sind hoch, „zum ersten Mal seit zehn Jahren sind die meisten Kanadier wieder wirklich zufrieden mit sich und ihrem Land“, meint der „Toronto Star“.

Eine Parole seiner Anhänger im Wahlkampf lautete: „Wir wollen unser Land zurück“. Das scheint eine Gemeinsamkeit der überraschenden und so unterschiedlichen Politikarrieren unserer Tage zu sein. Sie flatterte als Banner über Trumps Kampagne, sie scheint bei Sebastian Kurz durch, sie brachte auch den Links-Griechen Alexis Tsipras mit nur 40 an die Macht in Athen: Dort fühlten und fühlen sich die Griechen im Würgegriff der EU und des IWF, die ihnen für finanzhielle Hilfen gegen die Staatsverschuldung drakonische Sparmaßnahmen aufbürdeten. Und auch Macron inszenierte sich als edler Retter der von einem völlig verkrusteten Parteiensystem besetzten Republik.

Jugendlichkeit kann für Aufbruchstimmung und Elan sorgen – siehe John F. Kennedy, der 1960 mit 43 Jahren ins Weiße Haus einzog, anfangs noch als Kalter Krieger – das Attentat 1963 brach seine Wandlung jäh ab. Sein jüngerer Bruder Robert wäre wohl 1968 ebenfalls Präsident geworden, wurde aber mit 42 ebenfalls erschossen. Aber Jung-Sein allein führt nicht zwingend zum Erfolg: Uwe Barschel war erst 38, als er 1982 Ministerpräsident wurde. Man weiß, wie das 1987 endete. mw

LN

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