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Politik im Rest der Welt Juncker plant europäischen Staatsakt für den Altkanzler
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21:14 17.06.2017
Berlin

Altkanzler Helmut Kohl soll nach dem Willen von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker als erster Politiker überhaupt mit einem europäischen Staatsakt geehrt werden. „Schon zu Lebzeiten wurde Helmut Kohl mit der Ehrenbürgerschaft Europas ausgezeichnet, um seine außerordentlichen Verdienste zu würdigen. Deshalb gebührt Helmut Kohl nun auch ein europäischer Staatsakt, für den ich mich persönlich einsetzen werde“, sagte Juncker der „Bild am Sonntag“. Der Staatsakt ist nach Angaben des Blattes in Straßburg vorgesehen. Es wäre das erste Mal, dass ein europäischer Staatsakt ausgerichtet wird.

Ehrerbietung für Helmut Kohl im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin.

Der Tod des Altkanzlers hat eine internationale Welle der Anteilnahme ausgelöst. Gestern würdigte Papst Franziskus Kohl als großen Staatsmann und überzeugten Europäer.

Er bekunde „dem ganzen deutschen Volk, das um den ,Kanzler der Einheit’ trauert“ seine aufrichtige Anteilnahme, erklärte das katholische Kirchenoberhaupt nach Angaben des vatikanischen Presseamtes im Rahmen einer Privataudienz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Rom.

UN-Generalsekretär António Guterres reagierte mit großer Trauer auf den Tod Kohls. Der frühere Bundeskanzler habe eine Schlüsselrolle bei der friedlichen Wiedervereinigung Deutschlands und dem historischen Prozess der europäischen Integration gespielt. Das heutige Europa sei ein Ergebnis der Vision und Hartnäckigkeit Kohls, hob der ehemalige portugiesische Premierminister Guterres hervor.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nannte Kohl einen „Glücksfall für uns Deutsche“. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erklärte, Kohl werde als „Ehrenbürger Europas“ in Erinnerung bleiben.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) bezeichnete den Altkanzler als einen Politiker mit Weitblick und Realismus. „Ohne das Vertrauen, das Helmut Kohl bei vielen Politikern in aller Welt genoss, wäre die deutsche Einheit nicht so schnell und so friedlich zustande gekommen“, erklärten der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm, und die Präses der EKD-Synode, Irmgard Schwaetzer, in einem Kondolenzschreiben an Kohls Witwe Maike Kohl-Richter. Die Verdienste von Kohl um das jüdische Leben in Deutschland hob Charlotte Knobloch hervor. Von herausragender Bedeutung sei der humanitäre Pakt zwischen dem damaligen Bundeskanzler und dem damaligen Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Heinz Galinski, über die Aufnahme jüdischer Emigranten aus der einstigen Sowjetunion gewesen, erklärte die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden. Dadurch seien als sogenannte Kontingentflüchtlinge zwischen 1989 und 2012 mehr als 200000 jüdische Zuwanderer in die Bundesrepublik Deutschland gekommen.

In Kohls Heimat Rheinland- Pfalz würdigten Vertreter aus Staat und Kirche die Verdienste des verstorbenen Altbundeskanzlers. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) nannte Kohl einen der „herausragenden politischen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts“. Er habe die europäische Idee verkörpert wie wenige andere.

Kohl wurde 1930 in Ludwigshafen geboren. Seine politische Karriere begann er als Kommunalpolitiker in seiner Heimatstadt. 1969 wurde er im Alter von 39 Jahren Ministerpräsident von Rheinland- Pfalz. 1976 wechselte er auf die Bundesebene und übernahm den Vorsitz der Unionsfraktion im Bundestag. Kohl war Rekord-Kanzler: Von 1982 bis 1998 hatte er das Amt 16 Jahre lang inne, so lange wie kein anderer bislang.

„Taz“ blamiert sich mit Titelseite

„Blühende Landschaften“ - mit dieser Zeile zum Tod von Helmut Kohl löste die linke „taz“ gestern eine Welle der Empörung aus. Dazu hatte die Zeitung Blumenschmuck an einem Sarg mit einer Birne abgebildet. In den sozialen Netzwerken hagelte es Kritik – auch von jenen, die Kohl offenbar selbst kritisch gegenüber standen. Da hieß es etwa: „Man musste ihn nicht mögen. Aber das ist so unfassbar geschmacklos.“ Oder: „Das ist derart pietätlos, dass es selbst der linken Tageszeitung so unwürdig ist, dass nichts, absolut nichts außer Scham als Gefühl übrig bleibt. Scham. Und nochmals Scham." Später entschuldigte sich der Chefredakteur Georg Löwisch. Die taz gestalte ihre Titelseiten nach dem Prinzip „Lieber frech und frei als brav“. In diesem Fall sei das missglückt.

„Das tut mir leid.“

LN

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