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Politik im Rest der Welt Katalanen wollen Abspaltung von Spanien
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21:18 12.09.2013
Eine eigene Flagge haben die Katalanen schon: Eindrucksvoll protestieren sie für eine Unabhängigkeit von Madrid. Quelle: Foto: AFP

Jubel in Barcelona, Ratlosigkeit in Madrid: Die Separatisten in Katalonien feiern ihre eindrucksvolle Massenkundgebung für die Abspaltung ihrer Region von Spanien als Erfolg, dagegen hüllt sich der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy in Schweigen. Die mehr als 400 Kilometer lange Menschenkette durch Katalonien führte dem Regierungschef vor Augen, dass er neben Massenarbeitslosigkeit, Wirtschaftskrise und Parteispendenaffäre ein weiteres großes Problem am Hals hat: das Streben der Katalanen nach Unabhängigkeit.

Hunderttausende Menschen hatten am katalanischen „Nationalfeiertag“ eine Kette durch Spaniens wirtschaftsstärkste Region gebildet. Kataloniens Regierung bezifferte die Zahl der Teilnehmer an der Kundgebung unter dem Slogan „Der katalanische Weg zur Unabhängigkeit“ auf 1,6 Millionen, das Madrider Innenministerium sprach von 400 000. Der Zustrom der Demonstranten, von denen viele gelbe T-Shirts trugen und katalanische Unabhängigkeitsflaggen schwenkten, war so groß, dass auf der 400 Kilometer langen Distanz sich nirgends Lücken in der Menschenkette auftaten. Im Norden reichte die Kette über die Grenze hinweg bis nach Frankreich und im Süden in die Nachbarregion Valencia hinein. Unter den Demonstranten, darunter ganze Familien mit Kindern und Großeltern, herrschte Volksfeststimmung.

Die separatistische Bewegung hat in Katalonien in letzter Zeit einen solchen Zulauf bekommen, dass in der Region die Forderung nach Unabhängigkeit alle anderen politischen Themen überschattet.

Kompromisslösungen wie eine größere Autonomie scheinen niemanden mehr zu interessieren. Die Ursprünge dieses Trends liegen gut drei Jahre zurück: Katalonien musste eine — vom Regionalparlament verabschiedete — Landesverfassung stutzen, weil der spanische Zentralstaat Einwände hatte. Aber damit nicht genug: Das Madrider Verfassungsgericht erklärte auch in der modifizierten Fassung mehrere Artikel für illegal. Dies haben viele Katalanen als Demütigung empfunden und bis heute nicht vergessen.

Die Madrider Zentralregierung beharrt darauf, dass das von den Separatisten geforderte Referendum über die Gründung eines katalanischen Staates gegen die spanische Verfassung verstieße. Rajoy scheint insgeheim darauf zu hoffen, dass die katalanischen Nationalisten (CiU), die die Regierung in Barcelona stellen, die Lage unter Kontrolle behalten. Diese Strategie kann sich jedoch als Irrtum erweisen. Zum einen ist der katalanische Regierungschef selbst zu einem Fürsprecher der Unabhängigkeit geworden, wenngleich er die Separatisten zu bremsen versucht. Zum andern brachte das Anschwellen der „gelben Flut“ des Separatismus auch die CiU in die Bredouille. Nach einer Umfrage sind 80 Prozent der Katalanen für ein Unabhängigkeitsreferendum. Kann sich Madrid auf Dauer dieser Forderung verschließen? „Sich nur auf die Verfassung zu berufen und eine Volksabstimmung zu unterbinden, würde den Konflikt nur verschärfen“, meint der Kolumnist Josep Ramoneda.

Großbritannien erlaubt Schottland, über eine Unabhängigkeit abzustimmen. London vertraut darauf, dass die Schotten mit Nein votieren werden. In Spanien ist man sich, was die Katalanen betrifft, anscheinend nicht so sicher.

Autonome Region
Als „Nationalfeiertag“ („Diada Nacional de Catalunya“) wird der 11. September in Katalonien begangen. Damit gedenken die Bewohner von Spaniens wirtschaftsstärkster Region einer historischen Niederlage. Am 11. September 1714 wurde ihre Hauptstadt Barcelona nach einer 14-monatigen Belagerung von den Truppen des spanischen Königs Philipp V.

eingenommen. Die Katalanen mussten sich der Übermacht der spanischen und französischen Truppen geschlagen geben. Der Monarch, ein Enkel von Ludwig XIV. von Frankreich, schaffte die Selbstverwaltungsrechte der Katalanen ab.

1978 bekam Katalonien den Status einer Autonomen Gemeinschaft innerhalb des spanischen Staates. Unter diesen ragt Katalonien gemeinsam mit den übrigen „historischen“ Autonomen Gemeinschaften, dem Baskenland, Galicien und Navarra durch ein hohes Maß an eigenen Befugnissen in Gesetzgebung und Verwaltung hervor. Nord-Katalonien gehört zu Frankreich.

Hubert Kahl

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