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Politik im Rest der Welt Klimawandel: Welt berät wieder in Bonn
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22:46 30.04.2018
Bonn

UN-Klimachefin Patricia Espinosa hat zu einer schnellen und transparenten Umsetzung des Pariser Abkommens aufgerufen. „Wir müssen unsere Ambitionen dramatisch verstärken“, sagte die Mexikanerin gestern in Bonn zu Beginn einer neuen UN-Klimakonferenz mit über 4000 Delegierten aus aller Welt. „Unser Zeitfenster schließt sich sehr schnell.“ Die vielen Wetterkatastrophen des vergangenen Jahres hätten dies noch einmal deutlich gemacht.

Bis zum Donnerstag kommender Woche sollen die Delegierten der Bonner Konferenz ein Regelwerk ausarbeiten, das bei der nächsten Weltklimakonferenz im Dezember im polnischen Kattowitz beschlossen werden soll. Dieses Regelwerk soll einheitliche Standards dafür festlegen, wie die einzelnen Länder ihren CO2-Ausstoß messen und angeben.

„Genau wie das gemessen wird, damit da niemand den anderen betuppt, das ist die Aufgabe, die jetzt vor uns liegt“, sagte der Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Jochen Flasbarth, dem NDR-Inforadio. Die Klimaexpertin Sabine Minninger von Brot für die Welt erläuterte: „Es herrschen unterschiedliche Vorstellungen, wie sehr man sich bei seinen Bemühungen in die Karten schauen lassen will.“

Die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock kritisierte, Deutschland habe bei der Klimakonferenz nichts anzubieten. „Während die Klimakrise weiter voranschreitet, hat die Bundesregierung auch ein halbes Jahr später keinen Plan, wie sie CO2 einsparen will“, sagte Baerbock. Und schimpft: „Union und SPD drücken sich bis heute um den Kohleausstieg.“

Auch Umweltschutzverbände in Bonn forderten die Bundesregierung auf, zügig einen Zeitplan für einen schnellen Kohleausstieg vorzulegen. Staatssekretär Flasbarth sagte: „Ich gebe durchaus zu, wir haben noch eine Menge zu tun, aber es ist nicht so, als ob wir mit leeren Händen dastehen.“ Seit 1990 habe Deutschland seine Treibhausemissionen immerhin um 28 Prozent gemindert.

Der 2015 unter viel Jubel vereinbarte Klimapakt von Paris sieht vor, die gefährliche Erderwärmung in einem weltweiten Kraftakt in den nächsten Jahrzehnten zu bremsen und so dramatische Folgen wie Dürren, Extremstürme und einen Anstieg der Weltmeere zu mildern. Im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter ist die weltweite Durchschnittstemperatur bereits deutlich gestiegen. Durch den Klimawandel ziehen sich auch die Gletscher weltweit dramatisch zurück. „Die Gletscher sind wohl verloren“, erklärt der Schweizer Gletscherforscher Wilfried Haeberli.

Wenn Gletscher tauen, verändert sich die Landschaft, warnt die ARD in ihrem „plant wissen. „Ehemalige Gletschertäler verwandeln sich in öde Gesteinswüsten, in denen sich nur wenige Lebewesen wohlfühlen.“ Der Grund dafür liege in der Wasserknappheit: „Bäche von Schmelzwasser versorgten einstmals Pflanzen. Es konnte sich in den Randlagen des Eises Boden bilden, der wiederum Pflanzenwuchs ermöglichte und damit auch Lebensraum für viele Kleintiere schuf.“ Die steigenden Temperaturen wirken sich aber auch fatal auf die Geologie der Alpen aus. Denn der dauerhaft gefrorene Boden der Alpen wird instabil. Erdrutsche und Bergabgänge sind die Folge.

Indes sind die Folgen verschwindenden Dauereises nicht immer nur negativ. An der Nordküste Russlands tut sich mitunter schon die „Nordwestpassage“ auf: Dieser Schiffahrtsweg bietet eine erheblicheAbkürzung: Von Hamburg bis ins japanische Yokohama ist die Route über den hohen Norden mit 7400 Seemeilen um fast 40 Prozent kürzer als die 11.500 Seemeilen lange Reisestrecke durch den Suezkanal. Ähnlich sieht es auf der anderen Seite des Globus mit der „Nordwestpassage“ aus, wuch wenn die Navigation dort nicht ganz so einfach wäre. Das Eis werde trotz partieller Erholungsphasen gewiss nicht so stark zunehmen, dass es wieder den 30-jährigen Mittelwert erreicht. „Dafür ist zu viel Wärme im Wasser und in der Atmosphäre", weiß Christian Haas von der University of Alberta.

Wirtschaftswachstum als Klimaheizung

Ein grundlegender Anlass für Differenzen in der Klimapolitik bietet immer wieder die Frage, wer wie viel machen soll und wer das bezahlt. Besonders in Schwellenländern wie China und Indien werden die Emissionen noch stark zunehmen, wenn es nicht gelingt, das erwünschte wirtschaftliche Wachstum von der Zunahme der Treibhausgase zu entkoppeln. Die Schwellenländer erinnern wiederum daran, dass ein Großteil der bereits eingetretenen Schäden aus der Politik der früh industrialisierten Länder herrührt. Die Industrieländer hätten daher eine historische wie aktuelle vorrangige Verantwortung im Kampf gegen den Klimawandel. Viele Entwicklungsländer fürchten vor allem: Strenge globale Regeln für den Klimaschutz könnten ihr Wirtschaftswachstum bremsen.

LN

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