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Politik im Rest der Welt Chemnitz braucht ein klares Zeichen gegen Gewalt
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11:29 28.08.2018
Demonstranten der rechten Szene zünden Pyrotechnik und schwenken Deutschlandfahnen. Quelle: Jan Woitas/dpa
Chemnitz

Wenn der verstorbene Daniel H. (†35) sehen könnte, was in seiner Stadt vor sich geht, er wäre vermutlich entsetzt. Sein gewaltsamer Tod in der Nacht zum Sonntag war der Funke, der seine Stadt in Brand setzte. Er war die Gelegenheit für Rechtsextreme aus dem ganzen Land, in Chemnitz den „Volksaufstand“ loszutreten, von dem sie immer schwadronieren.

Den zweiten Abend in Folge konnten gewaltbereite Rechtsextreme in Chemnitz tun, was ihnen beliebt. Die Polizei war abwesend, als Demonstranten Journalisten attackierten. Sie schaute weg, als Hitlergrüße gezeigt wurden. Sie ließ die Demo marschieren, obwohl Vermummte darunter waren. Die Lage in Chemnitz war hochexplosiv. Nicht wenige Bürger zeigten zumindest Verständnis für die Rechten und deren Slogans wie „Unsere Stadt – unsere Regeln“. Doch spätestens nach diesem zweiten Krawallabend muss jedem Chemnitzer klar sein: Wer hier mit den Rechten demonstriert, stellt sich an die Seite von Verfassungsfeinden, die Daniel H.s Tod nur instrumentalisieren.

Ein Synonym für den zügellosen Mob

Für Trauer aber muss Platz sein in der Stadt, auch für die Forderung nach Sicherheit. Chemnitz braucht jetzt zweierlei: Einen hart durchgreifenden Rechtsstaat, der den Mord an Daniel H. schnell und gründlich aufklärt und die Ordnung in der Stadt wiederherstellt. Und Chemnitz braucht gemeinsame Trauerarbeit, um ein Ort zu werden, an dem ein Zusammenleben möglich ist.

Am Donnerstag kommt Ministerpräsident Michael Kretschmer in die Stadt. Auch dann wird wieder demonstriert werden. Doch der bisher unglücklich agierende Kretschmer könnte ausnahmsweise einmal die richtigen Worte finden. Wenn er scheitert, wenn der Rechtsstaat scheitert, wird der Name Chemnitz ein Synonym für den zügellosen Mob werden.

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Von Jan Sternberg/RND

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