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Politik im Rest der Welt Friedrich Merz sitzt in der Martin-Schulz-Falle
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22:19 01.11.2018
Friedrich Merz: Neuer Heilsbringer im politischen Berlin. Quelle: imago/CommonLens
Berlin

Wie sich das alles doch gleicht: die Aufregung, der Medienrummel, die faszinierten Gesichter. „Sankt Martin“ titelte ein Nachrichtenmagazin Anfang 2017 anlässlich des Hypes um SPD-Politiker Martin Schulz. „Friedrich der Große“ eine Tageszeitung Ende 2018 anlässlich des Comebacks von CDU-Politiker Merz. Das politische Berlin hat einen neuen Heilsbringer – nur das der dieses Mal nicht den linken, sondern den rechten Aufgang für das Betreten der Hauptstadtbühne nimmt. Zwar fehlen noch die Claqueure des Parteinachwuchses und der Zuwachs in den Umfragezahlen, doch auch so drängt sich die Parallele geradezu auf: Erlebt die CDU mit Friedrich Merz gerade das, was die SPD vor gut zwei Jahren mit Martin Schulz erlebt hat?

Der fulminante Start beider Politiker rührte nicht zuletzt daher, dass sie sich als Gegenentwurf zur bestehenden Politik inszenieren konnten. Der eine war weit, der andere lange genug weg, um nicht als Teil des Berliner Systems wahrgenommen zu werden. Distanz verleiht Glaubwürdigkeit, doch dieser Vorzug verschwindet schnell.

Schwerer noch wiegt, dass Friedrich Merz genau wie Martin Schulz zu Beginn in erste Linie als Projektionsfläche funktioniert – für eine Zeit, die längst vergangen ist. Schulz verkörperte 2017 die Sehnsucht nach der guten alten SPD. Einer Partei, die sich kümmert, die den sozialen Aufstieg organisiert und die Absicherung, wenn etwas im Leben nicht so läuft wie geplant. Merz steht 2018 für die konservative Union der alten Bundesrepublik. Einer Partei der Werte, die für Wirtschaftsnähe steht, für Familie, für Sicherheit.

Die richtigen Probleme beginnen immer erst nach der Wahl.

Schulz war mit großen Hoffnungen gestartet, und umso größer war die Enttäuschung, als er diese nicht zu erfüllen vermochte. Er konnte die Agenda-Politik der SPD nicht einfach abwickeln, konnte seinen Anhängern nicht versprechen, dass der Staat wieder das dichte Wohlfahrtsnetz des ausgehenden 20. Jahrhunderts aufspannt.

Merz steht vor einem ganz ähnlichen Problem: Die gesellschaftliche Liberalisierung der Union lässt sich nicht mal eben zurückdrehen. Weder wird er die Ehe für alle abschaffen, noch die Wehrpflicht wieder einführen. Und seine liberale Rhetorik mag in den Industrieclubs des Landes verfangen aber ist noch lange kein Rezept, gegen das Gefühl vieler Menschen, vom wirtschaftlichen Boom abgehängt zu sein.

Es ist deshalb ausgesprochen wahrscheinlich, dass auch bei Merz dem Hype der Katzenjammer folgt. Der Parteitag der CDU wird bis dahin allerdings lange vorbei sein. Das war er bei Schulz auch. Die richtigen Probleme beginnen erst nach der Wahl.

Von Andreas Niesmann/RND

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