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Politik im Rest der Welt Bürger sollen per Smartphone Funklöcher „jagen“
Nachrichten Politik Politik im Rest der Welt Bürger sollen per Smartphone Funklöcher „jagen“
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06:14 30.10.2018
Bürger können künftig per Smartphone-App auf „Funkloch-Jagd“ gehen. Quelle: dpa
Berlin

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat angekündigt, dass Bürger künftig bei der Erfassung von Funklöchern für mobile Daten helfen können – ausgerechnet mit einer Handy-App. Von diesem Dienstag an bietet die Bundesnetzagentur die Smartphone-Anwendung kostenlos zum Download an. Nicht nur die Opposition fragt sich da jedoch: Mit welchen Methoden wurde eigentlich bisher die Netzabdeckung in Deutschland erfasst?

Grundlage für die Ministeriums-App ist das Handy-Programm „Breitbandmessung“ der Bundesnetzagentur: Die Android- und iOS-Anwendung kann über eine längere Zeit aufzeichnen, wie gut die aktuelle Datenanbindung des Smartphones ist. Dazu müssen Nutzer die Aufzeichnung händisch starten und außerdem einen Zugriff auf die Standortdaten des Telefons erlauben. So soll erfasst werden, welcher der LTE-Standards 2G/Edge, 3G/UMTS oder 4G/LTE an bestimmten Orten verfügbar ist.

Bundesnetzagentur setzt auf die Nutzer

Im Anschluss werden die anonymisierten Daten samt der zugehörigen Standorte an die Bundesnetzagentur geschickt, die damit Funklöcher und Engpässe kartieren will. 2019 sollen die Ergebnisse erstmalig vorgestellt werden, kündigte Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, an. „Ich hoffe daher, dass die Nutzer von der Netzverfügbarkeitserfassung regen Gebrauch machen und uns bei unserem Anliegen unterstützen.“

Die Erweiterung der bereits vorhandenen Breitbandmessungs-App hat Verkehrsminister Scheuer in Auftrag gegeben. Er wolle auf Grundlage der gewonnen Daten Gespräche mit den Mobilfunkanbietern darüber führen, wo die Netze verbessert werden müssten, sagte er. Derzeit sei der Zustand bei der Mobilfunkversorgung „für eine Wirtschaftsnation untragbar“. Mit der App werde nun „die Jagd auf die weißen Flecken im Mobilfunknetz“ eröffnet, so Scheuer.

Bisher hat sich die Bundesnetzagentur bei der Erfassung der mobilen Datenversorgung vor allem auf die Mobilfunkanbieter verlassen: Diese hätten eine jährliche Berichtspflicht zum Stand des Netzausbaus, den sie mit Versorgungskarten dokumentierten, antwortete im Sommer das Verkehrsministerium auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsabgeordneten Margit Stumpp. Die Angaben überprüfe die Bundesnetzagentur mittels umfangreicher Stichprobenmessungen.

„Wozu brauchen wir die App?“

„Wenn diese Daten valide sind, wozu brauchen wir dann die App?“, fragt sich nun Stumpp angesichts der Ankündigung Scheuers. Weil bei der Scheuer-App unklar sei, inwiefern die Ergebnisse belastbar sind, sieht die Grüne die Datensammlung durch deutsche Smartphone-Nutzer kritisch. „Es wäre sinnvoll, wenn sich die Bundesnetzagentur selber um das Thema bemühen würde“, sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Die Ankündigung Scheuers hält Stumpp für eine Nebelkerze. „Das soll darüber hinwegtäuschen, dass es Anbieter gibt, die die Versorgungsziele unter gegenwärtigen Bedingungen nicht erreichen können“, so die Bundestagsabgeordnete.

Streit um Breitbandausbau

Zuletzt hatte Scheuer das Ziel ausgegeben, 99 Prozent der Bevölkerung mindestens mit 4G-Geschwindigkeit anzubinden. Zwischen dem Verkehrsministerium und den Mobilfunkanbietern hatte das allerdings für Streit gesorgt: Im Gegenzug für einen weiteren Ausbau der 4G-Versorgung hatten die Anbieter gefordert, auf strenge staatliche Auflagen für den demnächst beginnenden Aufbau des schnelleren 5G-Netzes zu verzichten.

Von RND/Christoph Höland

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