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Politik im Rest der Welt Kuba hat seine Vaterfigur verloren
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22:12 26.11.2016
So wurde er weltberühmt: Immer eine Zigarre dabei und die unvermeidliche Uniformjacke – Fidel Castro prägte fast 50 Jahre das politische Geschehen auf Kuba. FOTO: SVEN SIMON

. Um kurz vor Mitternacht stand das Leben in Kuba plötzlich still: Als die Nachricht vom Tod des Revolutionsführers Fidel Castro die Runde machte, leerten sich die Straßen in der Hauptstadt Havanna, die Musik verstummte und Partys wurden aufgelöst. „Alle waren fassungslos, es war ein sehr trauriger Moment“, berichtete die Hotelangestellte Yaimara Gómez über den Moment, als Staatschef Raúl Castro im Staatsfernsehen den Tod seines Bruders verkündete.

Revolutionsführer Fidel Castro starb im Alter von 90 Jahren – Trauer in Havanna, Jubel in Miami.

Autowäscher Marco Antonio Díaz war auf einer Party, als plötzlich die Musik abgedreht wurde. „Fidel ist gestorben“, habe jemand gerufen. „Ich bin nach Hause gegangen und habe alle geweckt.“ Seine Mutter sei wie versteinert gewesen. „Fidel zu verlieren, fühlt sich an, als ob man einen Vater verliert“, sagte der Bäcker Michel Rodríguez. Auch die Hausfrau Blanca Cabrera war sichtlich mitgenommen. „Es ist schwer zu glauben, dass Fidel von uns gegangen ist“, sagte die 56-Jährige, die zur Beruhigung eine Zigarette in ihrem Garten rauchte. Auch die kubanischen Staatsmedien fielen in eine Art Schockstarre. Die amtliche Zeitung „Granma“ brauchte ganze fünf Stunden, um die Nachricht auf ihrer Website zu veröffentlichen.

Die unversöhnlichen Gegner der kubanischen Revolution unter den Exilkubanern in Miami im US-Bundesstaat Florida feierten dagegen die Todesnachricht mit Freudentänzen. Sie prosteten sich mit Champagner zu und veranstalteten Konzerte mit Trommeln und Kochtöpfen. Aus einer Menge von mehr als tausend Menschen ertönten auch Rufe wie „Jetzt ist Raúl dran!“

Kurz vor Mitternacht hatte Staatschef Raúl Castro im kubanischen Staatsfernsehen verkündet: „Der ,comandante en jefe' der kubanischen Revolution, Fidel Castro, ist heute Abend um 22.29 Uhr (4.29 Uhr MEZ) gestorben“, sagte der 85-jährige Castro, der die Amtsgeschäfte 2006 von seinem Bruder übernommen hatte. Er fügte hinzu, „in Erfüllung des ausdrücklichen Willens des Genossen Fidel“ werde er „in den ersten Stunden des Tages“ eingeäschert. Die kurze Fernsehansprache beendete Raúl Castro mit den historischen Worten: „Hasta la victoria, siempre!“ (etwa: „Immer weiter bis zum Sieg!“). Woran genau Fidel Castro starb, dazu machte sein Bruder keine Angaben.

Beigesetzt wird der „Máximo Líder“ am 4. Dezember in der südöstlichen Stadt Santiago de Cuba. Zuvor wird eine Karawane mit der Asche des Verstorbenen den Inselstaat vier Tage lang durchqueren.

Santiago gilt als Wiege der Revolution. Hier scheiterte am 26. Juli 1953, dem späteren kubanischen Nationalfeiertag, der Angriff Fidel Castros und seiner Mitkämpfer auf die Moncada-Kaserne – eines der Symbole der blutigen Diktatur von Fulgencio Batista.

Die Castro-Brüder und die „Barbudos“, die mit ihnen kämpfenden Rebellen, hatten den Diktator Batista im zweiten Anlauf schließlich vertrieben und waren im Januar 1959 in einem Siegeszug in Havanna einmarschiert. Danach hatte Fidel Castro rund 50 Jahre lang die Geschicke des Landes bestimmt. Im Jahr 2011 gab er auch den Posten an der Spitze der Kommunistischen Partei an seinen Bruder ab.

Kuba unter der Herrschaft Fidel Castros

1. Januar 1959: Castro und seine revolutionäre Gruppe übernehmen nach der Flucht von Diktator Fulgencio Batista die Macht.

8. Mai 1960: Die UdSSR und Kuba nehmen diplomatische Beziehungen wieder auf.

3. Januar 1961: Die USA brechen ihre diplomatischen Beziehungen zu Kuba ab.

17. April 1961: 1400 bewaffnete Exil-Kubaner werden von den kubanischen Streitkräften geschlagen. Der von der US-Regierung unterstützte Umsturzversuch scheitert.

1. Mai 1961: Castro bekennt sich offiziell zum Marxismus- Leninismus.

3. Februar 1962: Die US-Regierung verhängt ein Wirtschaftsembargo.

22. bis 28. Oktober 1962: Während der Kuba-Krise steht die Welt am Abgrund eines Atomkriegs. Anlass ist die Stationierung von russischen Atomraketen in Kuba. Die USA starten daraufhin eine Seeblockade. Moskau zieht seine Waffen ab.

5. August 1994: In Havanna gibt es zum ersten Mal seit der Revolution Unruhen.

5. Juni 2003: EU verhängt diplomatische Sanktionen.

19. Februar 2008: Castro verkündet seinen Rücktritt. Sein Bruder Raúl wird Präsident.

28. März 2016: Eine Woche nach dem Besuch von US-Präsident Barack Obama macht sich Castro über ihn lustig und erklärt, die Insel brauche „keine Geschenke“.

LN

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