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Kurdische Siege, türkische Sorgen

Kurdische Siege, türkische Sorgen

Ankaras Offensive in Syrien soll Kurden stoppen, die auf dem Vormarsch sind. Kurden-Partner USA in der Zwickmühle.

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Offensive: Türkische Panzer dringen bei der Grenzstadt Karkamis auf nordyrisches Gelände vor.

Quelle: Fotos: Bulent Kilic/afp, /martial Trezzini/dpa

Ankara Die bislang größte türkische Militäroffensive in Syrien richtet sich laut Präsident Recep Tayyip Erdogan sowohl gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) als auch gegen syrisch-kurdische Einheiten. Fragen und Antworten zu den Hintergründen:

LN-Bild

Ankaras Offensive in Syrien soll Kurden stoppen, die auf dem Vormarsch sind. Kurden-Partner USA in der Zwickmühle.

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Warum greift Ankara gerade jetzt in den syrischen Bürgerkrieg ein?

Die Offensive „Schutzschild Euphrat“ erfolgte wenige Tage nach dem Anschlag im türkischen Gaziantep nahe der Grenze zu Syrien, durch den 54 Menschen getötet wurden und der Ankara zufolge die Handschrift des IS trägt. Gleichzeitig wurden die türkischen Grenzorte Karkamis und Kilis zuletzt wiederholt von IS-Gebiet in Syrien aus mit Mörsergranaten und Raketen attackiert.

„Der IS hat türkisches Territorium direkt angegriffen, und daher ist diese Militäraktion zuallererst eine Vergeltungsaktion“, sagt Gülnur Aybet, Direktorin des Zentrums für Sicherheitsstudien an der Universität von Bahcesehir in Istanbul. „Es besteht die Möglichkeit, dass diese Angriffe des IS zunehmen, und deshalb hielt die Türkei es für notwendig, die Grenze mit Bodentruppen zu überschreiten.“

Auch der Türkei-Experte Emre Tuncalp von der Londoner Beratungsfirma Stroz Friedberg sieht eine „Verschlechterung“ der Sicherheitslage im Grenzbereich. Für ihn waren der Anschlag von Gaziantep und die Angriffe auf Karkamis „der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat“.

Welche Absichten verfolgt die Türkei?

Aybet zufolge hat die Großoffensive zwei Ziele: Der Gefahr durch den IS entgegentreten und die kurdischen Milizen in Syrien daran hindern, bisher vom IS besetzte Gebiete zu übernehmen. Die Türkei betrachtet die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) als enge Verbündete der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) in der Türkei, die nicht nur von Ankara, sondern auch von den USA und der EU als terroristische Organisation eingestuft wird. Allerdings ist die kurdische YPG bisher der wichtigste Verbündete der USA in Syrien im Kampf gegen die IS-Dschihadisten gewesen.

Die Kurden sehen sich ihrerseits in einem Befreiungskampf für angestammt kurdische Gebiete in Syrien. Das türkische Eingreifen soll die kurdischen Kämpfer daran hindern, in die Regionen vorzurücken.

Die Türkei habe den Euphrat schon seit langem zur „Roten Linie“ erklärt, welche die kurdischen Kämpfer nicht überschreiten dürften, sagt Tuncalp. Auch US-Vizepräsident Joe Biden machte den kurdischen Kämpfern gerade klar, dass sie den Euphrat nicht Richtung Westen überschreiten dürften. Ansonsten verlören sie die Unterstützung der USA. Schon die Befreiung der westlich des Euphrat gelegenen Stadt Manbidsch vom IS durch syrische Kurden hatte Ankara alarmiert.

Was bedeutet die türkische Offensive für die kurdischen Milizen in Syrien?

Damit hat die Türkei deutlich gemacht, dass sie ein zusammenhängendes kurdisches Autonomiegebiet an ihrer Grenze nicht zulassen wird. „Das hat die Pläne der YPG durchkreuzt. Sie dachten, die USA würden sie bei der Gebietseroberung bis zum Schluss unterstützen, aber die USA spielen am Boden ein pragmatisches Spiel“, so Aybet.

Ändert die Türkei ihren Kurs gegenüber Assad?

Lange Zeit forderte die Erdogan-Regierung mit ihren neo-osmanischen Ambitionen die Absetzung des syrischen Machthabers Baschar al-Assad, erst am Wochenende deutete sie die Möglichkeit einer Übergangslösung mit Assad an – wie auch Moskau wohl akzeptieren würde. Denn inzwischen arbeitet Ankara wieder enger mit dem Iran und Russland zusammen, wichtigen Verbündeten Assads. Für Soner Cagaptay, Direktor für Türkeistudien am Washington Institute, steht fest: Den Vormarsch der Kurden in Syrien zu stoppen ist jetzt Ankaras wichtigstes Ziel, nicht mehr der Sturz von Assad.

Islamischer Staat verliert an Boden

Der internationale Kampf gegen den IS im Irak, in Syrien und in Libyen zeigt Erfolge. Ein Überblick:

26. Januar 2015: Kurdische Milizen erobern mit US-Luftunterstützung die nordsyrische Stadt Kobane zurück.

31. März 2015: Irakische Regierungstruppen melden die Einnahme Tikrits 160 Kilometer nördlich von Bagdad.

Juni 2015: Kurdische Milizen nehmen mit Hilfe syrisch-arabischer Rebellen Tal Abjad an der syrischen Grenze ein.

13. November 2015: Irakische Kurden vertreiben die IS-Miliz mit Luftunterstützung aus dem Sindschar-Gebirge.

9. Februar 2016: Irakische Streitkräfte erobern die Stadt Ramadi zurück.

27. März 2016: Die syrischen Regierungstruppen erobern Palmyra zurück. 26. Juni 2016: Falludscha wird von der irakischen Armee und verbündeten syrischen Milizen befreit.

9. Juni 2016: Libysche Regimetruppen dringen in die Küstenstadt Sirte ein.

12. August 2016: Das arabisch-kurdische Rebellenbündnis SDF erobert die strategisch wichtige Stadt Manbidsch.

24. August 2016: Mit türkischer und US-Hilfe nehmen syrische Rebellen den Grenzort Dscharablus ein.

LN

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