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Politik im Rest der Welt Lässt Super-Sommer den Strompreis steigen?
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23:21 15.10.2015

Berlin Der Anstieg der Ökostrom-Umlage auf ein Rekordniveau sorgt für heftige Kritik an der Verteilung der Kosten für die Förderung der erneuerbaren Energien. Die Textilbranche bezeichnete die EEG-Umlage, die 2016 um drei Prozent auf 6,354 Cent pro Kilowattstunde steigt, als „Kostenmonster“. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Warum steigt die Umlage auf Rekordniveau?

Der Super-Sommer mit der wochenlangen Hitzewelle hinterlässt seine Spuren. So wurde sehr viel Sonnenstrom in Fotovoltaik-Anlagen produziert, deren Kostenanteil an der auf 6,354 Cent je Kilowattstunde steigenden Umlage bei etwa 2,6 Cent liegt. Zwei Cent entfallen auf Windkraftanlagen an Land und an den Küsten. Der Ausbau der Offshore-Parks in der Nordsee ist teuer, weil es dort eine sehr hohe Förderung gibt. Und auch die besonders in Bayern verbreiteten Biogas-Anlagen tragen mit 1,7 Cent zum Rekord bei.

Was heißt das für den Strompreis? Das ist offen. Der Anstieg allein der Umlage macht bei einem Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden netto „nur“ 6,44 Euro aus, mit Mehrwertsteuer etwa 7,70 Euro. Der Bundesverband Erneuerbare Energie hat ausgerechnet, dass die Verbraucher beim Strompreis entlastet werden könnten, wenn die Versorger ihre niedrigeren Einkaufspreise an der Börse weitergeben würden.

Die Preise an der Strombörse sinken, die Umlage steigt — wie passt das zusammen?

Die Krux ist, dass die Verbraucher mehr Umlage zahlen müssen, gerade weil die Strompreise an der Börse gesunken sind. Das liegt an der garantierten festen Vergütung über 20 Jahre, die jeder Besitzer einer Ökostrom-Anlage bislang vom Staat erhielt. Die Differenz zum Preis an der Börse gleicht die Umlage aus. Sinkt der Börsenpreis, steigt die Umlage. Im nächsten Jahr werden 22,88 Milliarden Euro über die Stromrechnungen von Bürgern und Firmen abgewälzt, damit Deutschland bis 2022 aus der Atomkraft aussteigen und den Ökostromanteil von knapp 28 Prozent (2014) auf 40 bis 45 Prozent im Jahr 2025 ausbauen kann. Durch Ausschreibungen und Auktionen für neue Anlagen sollen die Kosten sinken.

Wird die Umlage „künstlich“ hochgehalten?

Tatsächlich gibt es ein EEG-Konto, wo Einnahmen und Ausgaben für die Erneuerbaren verrechnet werden. Das Konto stand Ende September mit 2,52 Milliarden Euro im Plus, was gut ist.

Experten, wie von der Denkfabrik Agora Energiewende, fordern, die Rücklagen schneller abzuschmelzen, was die Umlage entlasten und das Image der Erneuerbaren stärken würde.

Wo fallen weitere Kosten an?

Die schwarz-rote Losung „Erdkabel statt Monstertrassen“ wird den Bau der großen Nord-Süd-Stromautobahnen nach Schätzungen des Bundes um drei bis acht Milliarden Euro verteuern. Die regional unterschiedlichen Netzentgelte werden steigen. Dazu kommen Milliardenkosten aus Steuergeldern für Extra-Maßnahmen, um das Klimaschutzziel bis 2020 noch zu schaffen, etwa hohe Prämien für die Stromkonzerne beim Stilllegen alter Braunkohle-Meiler.

Was sagt die Wirtschaft?

Auffällig scharf kritisiert Industrie-Präsident Ulrich Grillo den Kostenanstieg. Minister Sigmar Gabriels Versprechen sei „Wunschdenken“ gewesen. Die Wirtschaft warnt, hohe Energiekosten könnten Firmen ins Ausland treiben.

Japan kehrt zurück zur Atomkraft
Viereinhalb Jahre nach der Katastrophe in Fukushima fährt Japan einen weiteren Atomreaktor hoch. Der Betreiberkonzern Kyushu Electric Power schaltete gestern den Block 2 des Atomkraftwerks Sendai wieder ein. Im August war bereits der erste der beiden Blöcke hochgefahren worden.
Als Konsequenz aus der Atomkatastrophe 2011 hatten rund zwei Jahre lang alle 48 Reaktoren in Japan still gestanden.
Das AKW Sendai war das erste, das im September 2014 die nach Fukushima eingeführten neuen Sicherheitsauflagen erfüllt hatte. Die Regierung nennt die Auflagen die „strengsten der Welt“.
Die Mehrheit der Japaner lehnt eine Rückkehr der Nummer drei der Weltwirtschaft zur Atomkraft ab. Das Wiederanfahren des zweiten Reaktors in Sendai setze die Bevölkerung einem „inakzeptablen und unnötigen Risiko aus“, sagt Mamoru Sekiguchi von der Umweltschutzgruppe Greenpeace in Japan. Um den Neustart zu genehmigen, habe die Atomaufsichtsbehörde NRA die Öffentlichkeit „betrogen, indem sie signifikante ausstehende Sicherheitsfragen ignorierte“, so Sekiguchi. Die Regierung will, dass der Anteil der Atomenergie an der Stromversorgung bis zum Jahr 2030 bei 20 bis 22 Prozent liegt. Vor der Katastrophe in Fukushima lag er bei 30 Prozent.
Bürger kämpfen vor Gericht in einem Berufungsverfahren weiter gegen den Neustart der Reaktoren. Das AKW Sendai liegt nur 50 Kilometer vom Vulkan Sakurajima entfernt, einem der aktivsten Vulkane des Landes. Japan ist zudem eines der am stärksten von Erdbeben gefährdeten Länder der Welt.
Die hohe Belastung des Produktionsfak-
tors Strom gefährdet
unsere Industrien.“Ulrich Grillo, Präsident des Bundesverbands
der Deutschen
Industrie (BDI)

LN

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