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Lage in Idomeni explosiv

Athen Lage in Idomeni explosiv

Im Flüchtlingslager von Idomeni wächst die Wut. Die Menschen wollen nach Norden. Aber durch den Stacheldraht an der mazedonischen Grenze ist kein Durchkommen. Hilfsorganisationen warnen vor einer Explosion.

Athen. Im griechischen Flüchtlingslager von Idomeni an der von Mazedonien abgeschotteten Grenze werden die Menschen immer verzweifelter. Und wütender.

„Ich fürchte, es könnte zu einer Explosion kommen“, sagte die Sprecherin des griechischen Roten Kreuzes aus Idomeni, Despoina Filippidaki. „Einige Migranten - überwiegend junge Leute - blockieren Straßen und wir können unsere humanitäre Hilfe nur unter schwierigsten Bedingungen verteilen“, fügte sie hinzu.

Auch andere Hilfsorganisationen sind besorgt. „Wir geben aber nicht auf“, sagte ein Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerks im griechischen Fernsehen. Den Menschen, die Schutz suchen - egal aus welchen Gründen - müsse geholfen werden, hieß es.

Die Lage weiter südlich von Idomeni war bedeutend ruhiger. Dies sagte der Deutschen Presse-Agentur der Sprecher des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), René Schulthoff. Das DRK hat zwei mobile Gesundheitsstationen nach Nordgriechenland geschickt. Sie leisten Erste Hilfe in den Aufnahmelagern bei Cherso und Nea Kavala. Die meisten Menschen leiden an Atemwegebeschwerden. Zudem gebe es viele Menschen mit Verletzungen an den Füßen wegen der langen Märsche. 

Aus Protest gegen die Schließung der Balkanroute begaben sich rund 100 Migranten aus dem Lager von Diavata westlich von Thessaloniki in das Zentrum dieser Hafenstadt und schlugen dort ihre Zelte auf. Sie forderten lautstark die Öffnung der Grenzen, wie das staatliche Fernsehen berichtete.

Unterdessen hielt ein starker Sturm in der Ägäis Flüchtlinge davon ab, von der Türkei aus in Schlauchbooten Richtung Griechenland überzusetzen. Erstmals seit Monaten sei während der vergangenen 24 Stunden kein einziger Migrant in Griechenland angekommen, teilten die Behörden am Donnerstag mit. Die Nato setzte ihre Patrouillen fort. Allerdings nur rund um die griechische Insel Lesbos. 

Der für die Sicherheit Verantwortliche des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) in Griechenland, Petros Mastakas, sagte dem griechischen Fernsehsender Skai, das UNHCR werde weiterhin den Menschen helfen. Inakzeptabel sei aber, dass die Asylsuchenden in Lagern eingesperrt würden. Seit Sonntag mit Inkrafttreten des Flüchtlingspakts der EU mit der Türkei, sind die Aufnahme- und Registrierungsstellen auf den Inseln der Ostägäis zu geschlossenen Lagern für Migranten umfunktioniert worden. Der Flüchtlingspakt sieht vor, dass die meisten Flüchtlinge nach einer Überprüfung wieder in die Türkei zurückgeschickt werden sollen.

Wie brisant die Stimmung im Flüchtlingslager Idomeni inzwischen ist, zeigten auch Äußerungen des Sprechers der Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF), Antonis Rigas. Viele Migranten dort seien mit den Nerven am Ende und hätten in den vergangenen Tagen Mitarbeiter humanitärer Organisationen bedroht. „Wir mussten (am Dienstagabend und Mittwoch) unsere Mitarbeiter abziehen. Heute werden wir versuchen, wieder ins Kamp zu gehen“, sagte Rigas am Donnerstag im Fernsehen. Auch Mitarbeiter anderer humanitärer Organisationen kehrten am Donnerstag zurück nach Idomeni. 

Reporter griechischer Medien beobachteten, dass sogenannte Aktivisten immer wieder den Migranten empfahlen, Straßen zu blockieren, um die internationale Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Es seien die selben Leute, die vor zwei Wochen Migranten zur Überquerung der Grenze zu Mazedonien über unwegsames Gelände bewegt hatten, hieß es. 

Am Donnerstag protestierten rund 300 Mitarbeiter von Hilfsorganisationen auf der griechischen Insel Lesbos gegen die faktische Inhaftierung der Migranten bis zur Bearbeitung ihrer Asylanträge. Das UNHCR und die Organisation Ärzte ohne Grenzen hatten bereits vor zwei Tagen den Transport der Flüchtlinge zum sogenannten Hotspot der Insel eingestellt. Die Fortführung der Arbeit und der Transport der Menschen in diese Lager mache die Helfer zu „Komplizen eines Systems, das wir als unfair und unmenschlich ansehen“, hatte eine Sprecherin der Organisation Ärzte ohne Grenzen erklärt.

dpa

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