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Politik im Rest der Welt Land unter auf den Fidschi-Inseln
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22:10 28.10.2017
Narikoso

Zum Beispiel Kelepi Saukitoga, der seit 20 Jahren sein Dorf nie wirklich verlassen hat. 1997 wurde sein Vater, ein Beamter, nach Narikoso versetzt, einem kleinen Nest auf Ono, einer von mehr als 300 Fidschi-Inseln und damals noch eine richtige Südsee-Idylle mit viel Strand und Palmen. Mit dem Boot sind es viereinhalb Stunden bis zur Hauptstadt Suva. Hier in der katholischen Kirche hat Saukitoga geheiratet, hier wurde er Bürgermeister. Hier lebt der 40-Jährige nun mit Frau Muriani und vier Söhnen im eigenen Haus, direkt am Meer.

Aber lange wird das nicht mehr so sein. Denn die Saukitogas müssen umziehen – weil der Meeresspiegel steigt und steigt. Man könnte auch sagen: wegen des Klimawandels. Inzwischen steht bei der Familie mit der Flut zwei Mal pro Tag der Südpazifik am Haus. Bei Vollmond ist es am schlimmsten. Viel fehlt nicht mehr, und das Wasser schwappt über die Schwelle.

Wie die hundert anderen Dorfbewohner hat Saukitoga immer schon mit dem Meer gelebt. Das geht auch nicht anders. Schon wenn man in den Nachbarort will, ist man aufs Boot angewiesen: Straßen gibt es auf Ono keine. Ein paar Jahre fuhr Saukitoga auch jeden Tag selbst zum Fischen hinaus. Jetzt will er mit seiner Familie nur noch weg: Das Fundament seines Hauses ist kaputt, überall sind Risse, in den Mauern steckt die Feuchtigkeit. Oben an der Küchendecke wuchern Pilze. Die Erde draußen schlägt Blasen, so schwer ist sie mit Wasser getränkt. Der Boden ist völlig versalzen. Hier wächst schon lange nichts mehr.

Die Saukitogas werden nun in eine neue Unterkunft ziehen, etwa hundert Meter weiter im Inselinneren. Vor allem aber: auf einem Hügel. Mit ihnen sollen im Lauf des nächsten Jahres sechs andere Familien neue Häuser bekommen. „Es ist schwer, das Haus zu verlassen, in dem all unsere Kinder geboren sind“, sagt der vierfache Vater. „Aber es geht nicht mehr.“

Die Flucht vor den Auswirkungen des Klimawandels ist hier kein Einzelschicksal. Narikoso ist nur eines von insgesamt 42 Dörfern, die nach Einschätzung von Fidschis Regierung auf absehbare Zeit ganz oder teilweise verlegt werden müssen, alle von der Küste weg. Experten schätzen, dass es mehr als hundert sein werden. Mit dreien wurde der Anfang schon gemacht.

Fidschi gehört zu den Ländern, die unter dem Treibhauseffekt besonders zu leiden haben. Seit 1993 stieg der Pazifik-Spiegel hier pro Jahr um durchschnittlich sechs Millimeter. Wenn nichts getan wird, wird das Wasser vermutlich zum Ende des Jahrhunderts 1,40 Meter höher stehen. Aber selbst wenn das Pariser Klimaabkommen von 2015 komplett umgesetzt würde, wären es noch 65 Zentimeter.

Trotzdem ist das Interesse im Rest der Welt gering – zumal es Fidschi in der Region noch relativ gut geht. Das Eine-Million-Einwohner-Land hat immerhin Hügel und richtige Berge. Andere Inseln wie Kiribati ragen an ihrem höchsten Punkt nur wenige Meter aus dem Wasser. Ihnen droht auf absehbare Zeit im wahrsten Sinne der Untergang.

LN

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