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Politik im Rest der Welt Khashoggi in sieben Minuten zerstückelt
Nachrichten Politik Politik im Rest der Welt Khashoggi in sieben Minuten zerstückelt
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11:47 17.10.2018
Ein türkischer Polizist bewacht den Zugang des saudi-arabischen Konsulats in Istanbul. Quelle: Petros Giannakouris/AP/dpa
Washington

Der verschwundene Journalist Dschamal Khashoggi soll im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul getötet worden sein. Dafür gebe es türkischen Angaben zufolge „gewisse“ Beweise. Wie der US-Sender CNN zudem unter Berufung auf eine offizielle türkische Stelle berichtet, soll die Leiche des Vermissten zerstückelt worden sein. Andere Medien berichten sogar davon, dass Khashoggi bei lebendigem Leib in nur sieben Minuten zerstückelt worden sein.

Die Polizei bereitete am Dienstag auch eine Durchsuchung der Villa von Konsul Mohammed al-Otaibi vor, der die Türkei verließ. US-Außenminister Mike Pompeo besuchte den saudi-arabischen König Salman.

Suche nach „giftigen Materialien“

Die zusätzlichen Beweise seien bei der polizeilichen Durchsuchung des Konsulats in Istanbul in der vorangegangenen Nacht gefunden worden, sagte der Staatsbedienstete, der anonym bleiben wollte, der Nachrichtenagentur AP. Details nannte er nicht. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte nach Angaben des türkischen Senders NTV, die Ermittler hätten in dem Konsulat nach Spuren „giftiger Materialien“ gesucht.

Khashoggi war am 2. Oktober verschwunden, nachdem er das Konsulat betreten hatte. Sein Fall gibt international Rätsel auf. Türkische Behördenvertreter vermuten, dass Khashoggi in dem Konsulat getötet und zerstückelt wurde. Saudi-Arabien hat den Vorwurf als „unbegründet“ bezeichnet.

Barrikaden vor dem saudi-arabischen Konsulat

Vor der Villa Al-Otaibis begannen Sicherheitskräfte, Barrikaden aufzubauen. Am frühen Nachmittag verließ der Konsul die Türkei per Flugzeug, wie Staatsmedien berichteten. Saudi-Arabien bestätigte seine Abreise zunächst nicht. Auf durchgesickerten Aufnahmen von Überwachungskameras war zu sehen, dass Diplomatenfahrzeuge kurz nach dem Verschwinden Khashoggis zu der Residenz fuhren.

In Riad begrüßte Außenminister Adel al-Dschubair Pompeo nach dessen Landung. Dann traf der US-Außenminister am Königspalast ein, wo er Salman dafür dankte, dass dieser seinem „Besuch an der Stelle von Präsident (Donald) Trump“ zugestimmt habe. Die beiden sprachen hinter verschlossenen Türen miteinander. Später traf Pompeo den lächelnden Kronprinzen Mohammed. „Wir sind starke und alte Verbündete“, sagte Mohammed zu Pompeo. „Wir stellen uns Herausforderungen gemeinsam - die Vergangenheit, die Gegenwart, morgen.“

Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman empfängt US-Außenminister Mike Pompeo Quelle: SPA/dpa

US-Medienberichten zufolge wollte Saudi-Arabien die Tötung Khashoggis einräumen. Laut CNN wurde eine Erklärung vorbereitet, wonach der Journalist bei einer aus dem Ruder gelaufenen Vernehmung in dem Konsulat gestorben sei. Der Nachrichtensender berief sich auf zwei nicht näher genannte Quellen. Gleichwohl wolle Riad aber bestreiten, dass Salman oder Mohammed die Tötung angeordnet hätten.

Tötete ein Geheimdienstmitarbeiter den Journalisten?

Laut einem Bericht der „New York Times“ will der Königshof bald die Darstellung verbreiten, dass ein Beamter der Geheimdienste - ein Freund von Kronprinz Mohammed - den Reporter getötet habe. Demnach habe der Prinz eine Befragung oder Überstellung Khashoggis nach Saudi-Arabien genehmigt, doch habe sich der Beamte beweisen wollen und sich tragischerweise als inkompetent erwiesen.

Trump sagte am Montag vor Reportern, er wisse von den Berichten, könne aber deren Wahrheitsgehalt nicht bestätigen. Bisher handele es sich nur um Gerüchte. Die USA arbeiteten mit Saudi-Arabien und der Türkei auf eine Aufklärung des Falls hin, sagte er.

Von RND/AP/mkr

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