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Politik im Rest der Welt Mallorca lechzt nach Wasser
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22:18 13.08.2016
Trinken auf Rädern: Ein Tanklaster wird fürs Hinterland befüllt. Quelle: Balearische Agentur F. Wasser- U. Umweltqualität/dpa

. Ein Tanklaster bringt täglich zehn Tonnen Leitungswasser nach Estellencs, um die Wasserspeicher des kleinen Dorfes an der Nordwestküste Mallorcas aufzufüllen. Zudem hat das Rathaus den Maximalverbrauch pro Haushalt und Tag auf 300 Liter beschränkt und den Bürgern verboten, Trinkwasser zum Befüllen von Pools und zum Gießen der Gärten zu verwenden.

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Weil es im Winter kaum geregnet hat, sind die Wasserreserven auf dem tiefsten Stand seit zehn Jahren. Die bange Frage: Reicht das für die Rekordsaison?.

„Das kontrollieren wir auch, und wer sich wiederholt nicht dran hält, dem drehen wir das Wasser ab“, sagt Bürgermeister Bartomeu Jover. Dank dieser Maßnahmen sei die Wasserversorgung weiterhin gewährleistet. Aber irgendwann im August „wird es mancherorts unangenehm werden“, befürchtete jüngst  der Rathauschef.

Wenig später schlug die Regierung der Balearen für das Innere Mallorcas Alarm: Nach einer Art Vorwarnung im Juni wurde dieser Tage wegen der anhaltenden Trockenheit die Warnstufe „Alerta“ ausgegeben.

Auf der erst im Frühjahr eingeführten vierstufigen Warnskala folgt nur noch die „Emergencia“, der Notstand. 

Dass Wasser auf der spanischen Urlaubsinsel jetzt ein besonders kostbares Gut ist, liegt daran, dass es im Winter kaum geregnet hat und sich die Grundwasserreserven nicht erholen konnten. Im Juli waren sie im Schnitt nur mehr zu 44 Prozent gefüllt, der Pegel war damit so tief gesunken wie seit zehn Jahren nicht mehr. Auch die zwei Stauseen im Tramuntana-Gebirge, der Gorg Blau und der Embalse de Cúber, die etwa ein Drittel des Leitungswassers für die Inselhauptstadt Palma bereitstellen, geben ein klägliches Bild ab.

Die Urlaubermassen, die in der angelaufenen Rekordsaison kommen, dürften die Wasservorräte weiter schrumpfen lassen. Ein Tourist verbraucht im Schnitt 440 Liter Wasser pro Tag, gut drei Mal so viel wie ein Einheimischer, hat Iván Murray, Geograf an der Balearen-Universität, errechnet.

In weiser Voraussicht hat die Inselregierung deshalb bereits im Frühjahr die Entsalzungsanlagen in Palma, Andratx und Alcúdia wieder hochgefahren.

Darüber hinaus hat die Insel ein weiteres Problem: Das Leitungsnetz ist löchrig wie ein Schweizer Käse, ein Viertel des Wassers geht auf dem Weg zum Verbraucher verloren. Besorgniserregend ist die Lage unter anderem in den Bergdörfern an der Nordküste, wo das Wasser vor allem aus unterirdischen Quellen kommt. Dort  wurden Verordnungen erlassen, die Bürger zum Wassersparen verpflichten. Und nicht nur in Estellencs muss bei der Versorgung inzwischen mit Tanklastern nachgeholfen werden – aber Wasser auf Rädern ist vielfach teurer.

Entspannter ist die Lage noch in der Bucht von Palma – der am dichtesten besiedelten Region der Insel. Weder in Palma noch in der Urlauberhochburg Arenal werde es zu Versorgungsengpässen kommen, versichert Joana Maria Garau, die Leiterin des balearischen Wasserwirtschaftsamts.

An der Playa fließt das kühle Nass vorerst ungebremst weiter. Ruud van Gastel, ein holländischer Urlauber, erfrischt sich unter einer der Strandduschen. „Wasserknappheit? Oh, das wusste ich nicht“, sagt er fast schuldbewusst. Kopfschüttelnd zeigt er dann aber auf den nicht aufhörenden Wasserstrahl – die Dusche ist wohl defekt.

Immerhin, in zahlreichen Hotels liegen Flyer aus, die die Urlauber zum sparsamen Umgang mit dem knappen Gut aufrufen. „Das machen wir aber schon seit Jahren“, sagt Rezeptionist Toni im Hotel Playa Golf, der die Panikmache für unbegründet hält. Szenarien wie aus den 1990er Jahren, als infolge einer Trockenperiode Wasser mit Schiffen vom Festland auf die Insel geschafft wurde, gehörten ein für allemal der Vergangenheit an, ist der Mallorquiner überzeugt. „Wir haben doch Entsalzungsanlagen.“ 

Auch im Tourismusministerium ist man noch gelassen. „In den Urlauberhochburgen gibt es genug Wasser“, sagt eine Sprecherin – schiebt aber schnell hinterher: „Derzeit.“ Wie es aber nach dem Rekordansturm im August aussehen wird, ist ungewiss.

Touristenmagnet im Mittelmeer

3600 Quadratkilometer groß ist Mallorca – und damit die größte Insel der Balearen. Fakten über eines der beliebtesten Ferienziele im Mittelmeerraum:

2015 verbrachten dort mehr als 3,2 Millionen Deutsche ihren Urlaub, außerdem etwa zwei Millionen Briten und eine Million Spanier.

40 Prozent der Insel, die 550 Kilometer Küste hat, stehen unter Naturschutz.

Mehr als die Hälfte der rund 600000 Einwohner leben in der Hauptstadt Palma de Mallorca.

Stephanie Schuster

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