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Politik im Rest der Welt Mehr als nur die Frau an Steinbrücks Seite
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20:23 25.06.2013
Von Gabi Stief

Gertrud Steinbrück wollte nie die Frau an seiner Seite sein. Fotos der Politiker-Familie mit Chips und Cola vor dem Fernseher? Nichts da. „Selten, sehr selten“ werde sie im Wahlkampf von Ehemann Peer in Erscheinung treten, hieß es Ende vergangenen Jahres.

Jetzt trat der Fall ein — und sorgte inmitten demoralisierender Umfragen für heftiges Menscheln, als die 63-Jährige unlängst an der Seite ihres Mannes beim SPD-Konvent auftrat und die Fragen der Journalistin Bettina Böttinger beantwortete. Ein schwerfälliger Wahlkampf wurde zu einer unterhaltsamen Angelegenheit. Ohne dass sich die promovierte Biologin bemühte, irgendetwas schön zu reden.

„Das Ding ziehen wir jetzt durch“, versprach Ehefrau Gertrud. Sie werde ihrem Peer helfen — „schließlich bin ich preußisch erzogen“.

Nicht nur die Neigung, Klartext zu reden, teilt Gertrud Steinbrück mit ihrem Mann. Sie ist ebenso scharfzüngig wie er, zudem selbstbewusst und humorvoll. Auf einer Ski-Hütte in der Eifel haben sich die beiden, der angehende Volkswirt aus Kiel und die Biologiedoktorandin aus Bonn, vor genau 40 Jahren kennengelernt.

Gertrud Steinbrück, geborene Isbary, Jahrgang 1949, ist Hohenberg-Krusemark im Landkreis Stendhal auf dem Hof ihres Großonkels aufgewachsen. Als der Betrieb verstaatlicht wird, flieht die Familie nach Westdeutschland. Aus dem Aufnahmelager Friedland geht es weiter nach Lüdenscheid, dann nach Bonn. Der Vater, ein Hochschulprofessor, stirbt früh. Damals habe sie erlebt, was es bedeutet, wenn eine Frau auf ein eigenes Leben verzichtet, sagt Gertrud Steinbrück. Ihre Mutter habe ihrem Vater bei seiner wissenschaftlichen Arbeit stets geholfen, aber ohne jemals die Anerkennung dafür zu bekommen. Damals schwor sich die Tochter, es anders zu machen.

Sie hat in Bonn Biologie studiert, in Pflanzengenetik promoviert; seit Jahrzehnten unterrichtet sie an dem Gymnasium in Bad Godesberg, an dem sie einst selbst Abitur gemacht hat. Nur einmal in den vielen Jahren war sie in Versuchung, ihren Beruf als Lehrerin zugunsten der Familie und der drei Kinder aufzugeben. Ihr Mann habe ihr abgeraten, erzählt sie. In diesem Sommer geht sie in den Ruhestand.

Und dann? In herzlicher Offenheit schildert Gertrud Steinbrück im gemeinsamen SPD-Talk mit ihrem Mann, dass sie eine gute Zeit gehabt haben, vor seiner Nominierung zum Kanzlerkandidaten der SPD im September 2012. Sie hätten Scrabble spielen können, wann sie wollten. „Eine Zeit mit Sahnehaube“, sagt sie verschmitzt.

Mit seiner Nominierung, sagt sie, habe sie überhaupt nicht gerechnet. Die Nachricht habe sie „erschüttert“. Ein „Familienrat“, der bei den Steinbrücks in Krisenfällen immer tagt und in diesem Fall von einer der Töchter einberufen wurde, hat dem Hausherrn dann im Oktober klartextmäßig nahegebracht, dass man gern vorher gefragt worden wäre. Immerhin: Der Kauf einer Wohnung in Berlin-Wedding erfolgte nach gemeinsamer Beratung. Gertrud Steinbrück ist gern in Berlin; sie mag die kiebige Art der Berliner.

In einem der wenigen Interviews im vergangenen halben Jahr hat sie auch über ihre „grüne Seele“ geredet. Sie achte sehr auf einen sparsamen Umgang mit Energie, erzählte sie der „Welt“. Zuhause werde nie über 18 Grad geheizt; zur Schule fährt sie mit dem Fahrrad, aus Prinzip. Prinzipien gibt es ohnehin viele im Leben der Gertrud Steinbrück. Dazu gehört auch die feste Überzeugung, dass es die Ehefrau des Politikers fürs Publikum nicht gratis dazu gibt. Fotos mit der Familie hält sie für „geistiges Popcorn“. „Ein Fake.“ Auch beim SPD-Konvent berichtet sie über einen der wenigen Hausbesuche eines Journalisten. Fünfmal habe sie mit den Kindern die Treppe heruntergehen müssen, bis der Fotograf zufrieden war. „Damals haben wir uns geschworen, dass wir so eine gestellte Geschichte nicht wiederholen.“

Wirklich? SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles war nach dem Steinbrück-Doppel hellauf begeistert von der Frau. „Eine Granate!“ jubelte Nahles. Ob es also Wiederholungen geben wird, ist offen. Im Wahlkampfteam mag man sich dazu derzeit nicht äußern. Auch dort weiß man, dass Gertrud Steinbrück ihre Meinung nicht so schnell umwirft. Ihr Motto spricht diesbezüglich Bände: „Die Ehefrau ist nicht das Buchsbäumchen im politischen Garten des Mannes.“

Gabi Stief

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