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02:12 28.08.2016
Familienfreundlich: Gerade in unruhigen Zeiten lockt Schleswig-Holsteins Nachbar im Norden. Quelle: Dänisches Fremdenverkehrsamt

. Das Ferienhaus der Familie Mody liegt perfekt. 300 Meter sind es über die Dünen bis zum dänischen Nordseestrand. Im Sommer kann man sich auf der Terrasse sonnen, im Winter wärmt die Sauna nach dem Strandspaziergang. Es dürfte leicht sein, das Holzhaus nahe dem beliebten Ferienort Hvide Sande zu verkaufen, dachten die Modys.

Neuer Streit um Kaufverbot: Tausende Ferienhäuser stehen bei unserem nördlichen Nachbarn leer – Dänen fürchten „Mini-Deutschland“ in ihren Urlaubsregionen an Nord- und Ostsee.

Doch wie Tausende andere bleibt die Familie auf ihrem Feriendomizil sitzen. Denn die Dänen kaufen nicht mehr so eifrig Sommerhäuser. Und Ausländer dürfen das in Dänemark nicht. Der Streit darüber ist so alt wie manche Häuser. Weil der Markt schwächelt, ist er jetzt neu entfacht.

Gerade die dänische Westküste war als Urlaubsort bei Deutschen lange nicht mehr so beliebt wie zurzeit. In Zeiten von Terroranschlägen und Konflikten überall auf der Welt zieht es viele in das friedliche, kleine Nachbarland im Norden. Schon 2015 beobachtete die Tourismuszentrale einen großen Anstieg an Übernachtungen vor allem in Ferienhäusern. „In diesem Jahr ist der Trend wieder positiv“, sagt eine Sprecherin.

Viele Ausländer könnten sich vorstellen, eins der gemütlichen Holzhäuser zu kaufen und jeden Sommer wiederzukommen. „Wenn Deutsche Ferienhäuser kaufen dürften, würde das natürlich einen ganz neuen Markt eröffnen“, sagt Makler Mathias Heiberg Frich aus Hvide Sande. „Es gäbe viel mehr Käufer.“ Die Modys meinen, ihr Ferienhaus besser verkaufen zu können, wenn der Markt für Ausländer geöffnet würde. „Zu Anfang wäre die Nachfrage sicher groß, folglich würden die Preise steigen“, sagt Astrid Mody. Die sind zuletzt nur gesunken. Ihre Preisvorstellungen für das 83 Quadratmeter große Sommerhaus in Hvide Sande hat die Familie schon zweimal nach unten korrigiert. Aktuell ruft man knapp 1,2 Millionen Kronen auf, umgerechnet etwa 160 000 Euro. Manche Häuser haben noch längere Liegezeiten – manchmal treffen sich Dänen und Deutsche mit Langfrist-Pachtverträgen in einer Art Grauzone. Die Partei Liberale Allianz hat gerade erneut versucht, das Kaufverbot für Ausländer aufzuheben. „Wir Dänen haben die Freiheit, ein Ferienhaus etwa in Südfrankreich oder Spanien zu kaufen“, sagt die Tourismus-Sprecherin der Partei, Christina Egelund. Dass Ausländer dagegen kaum Käufer dänischer Häuser sein dürften, sei „merkwürdig und doppelmoralisch“.

Im Parlament sind die meisten nicht ihrer Meinung. Kurz vor der Sommerpause schmetterte das Folketing den Vorschlag der Liberalen mit 92 zu 15 Stimmen ab. Nur die neue grüne Partei Alternativet zeigte sich offen für die Abschaffung der Sonderregel, die Dänemark beim Eintritt in die Europäische Gemeinschaft nutzte.

Wer als Ausländer ein Ferienhaus in Dänemark kaufen will, braucht deshalb weiter eine Genehmigung. Dazu muss man „eine ganz besonders starke Beziehung zu Dänemark“ haben. 2013 durften gerade mal 40 Deutsche ein Ferienhaus erwerben.

Warum ist die Ablehnung so groß? Makler Mathias Heiberg glaubt, „viele haben Angst davor, dass die Häuser nicht vermietet würden und den Großteil des Jahres leer stünden.“ Öde Urlaubsorte wären für die Gastwirte, Eisverkäufer und Café-Betreiber aber eine Katastrophe. Zugleich fürchten manche, dass die Preise so in die Höhe schnellen würden, dass sich kein normaler Däne mehr ein Sommerhaus leisten könnte.

Manche meinen sogar, dass die Furcht vor einer Invasion deutscher Ferienhausbesitzer von den Kriegserfahrungen der Dänen herrührt – würden doch die Deutschen so wieder die Küsten „besetzen“. Ein Mini-Deutschland auf dänischem Boden – das wollen viele Dänen verhindern.

Mit Krone, ohne Euro – und höchst beliebtes Ferienland

Ferienhäuser und Campingplätze prägen zu einem großen Teil den Tourismus in Dänemark. Hauptanziehungspunkt sind dabei Dänemarks lange Küsten an Ost- und Nordsee, schließlich hat das Land mit seinen 5,7 Millionen Einwohnern auf knapp 43 000 Quadratkilometern Fläche eine für seine Größe recht lange Küste mit oftmals leeren Stränden, an denen keine Kurtaxe erhoben wird. Statistiken weisen fast 45 Millionen Übernachtungen aus, allerdings dürfte die Zahl zuletzt noch einmal angestiegen sein.

Das Königreich Dänemark trat 1973, im selben Jahr wie Großbritannien, der damaligen Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) bei – heute zur Europäischen Union weiter entwickelt.

Allerdings hielt man sich nach einer Volksabstimmung vom Euroraum fern, nach wie vor ist die Dänische Krone die Währung des Landes.

Julia Wäschenbach

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