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Mit Mao in den Untergang

Peking Mit Mao in den Untergang

Vor 50 Jahren begann in China die Große Proletarische Kulturrevolution. Sie wirkt bis heute nach.

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Die Roten Garden taten alles für den „Großen Vorsitzenden“. Sie versuchten, die Kulturrevolution in ganz China zu verbreiten.

Peking. 1949 rief Mao Tse-tung auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking die Volksrepublik China aus. Es war das Ende jahrzehntelanger Kriege und Bürgerkriege in China, die Chance auf Frieden und Fortschritt in dem Riesenreich. Alles wäre möglich gewesen – wenn sich Mao nicht als skrupelloser und gewissenloser Machtmensch entpuppt hätte.

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Vor 50 Jahren begann in China die Große Proletarische Kulturrevolution. Sie wirkt bis heute nach.

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„Chaos auf Erden schafft Ordnung im Land.“ Mao Tse-tung 1966

Nachdem sich die kommunistische Funktionärselite etabliert hatte, rief Mao 1956 dazu auf, im Lande „Hundert Blumen blühen“ zu lassen. Kritik an der Entwicklung Chinas war erwünscht. Die Kritiker äußerten sich tatsächlich, ein Jahr später war der liberale Spuk vorbei, Hunderttausende wanderten in Arbeits- und Umerziehungslager, Zehntausende wurden ermordet. Das war Maos erster Streich – der zweite folgte 1958 und nannte sich „Der Große Sprung nach vorn“.

Die Landwirtschaft wurde zwangskollektiviert, in Hinterhöfen entstanden primitive „Hochöfen“, um die Stahlproduktion zu vervielfachen. Das Ergebnis war drei Jahre später eine Hungersnot, die mindestens 30 Millionen Opfer forderte. Mao ruderte zurück, überließ den Bauern wieder Anbauflächen zur privaten Nutzung, die Ernährungssituation besserte sich wieder.

Aber das Land erholte sich nur langsam vom „Großen Sprung nach vorn“. Die Kritik an Maos Führung wuchs, Korruption in der Partei und in der Führungsschicht griff immer weiter um sich. Vor allem aber war es der drohende Verlust der Macht, der Mao 1966 handeln ließ. Eine Reform der Kommunistischen Partei, wie die Realisten im Politbüro sie forderten, ging Mao nicht weit genug. Er setzte auf die „Volksmassen“, welche den Klassenkampf weiterführen sollten– das Ergebnis war die Kulturrevolution. Zunächst traten Schüler und Studenten unter die Fahne des großen Vorsitzenden, als Rote Garden zerstörten sie zunächst gründlich das Bildungssystem. Tausende von Lehrern und Professoren wurden gequält und getötet, anschließend waren Intellektuelle jeder Couleur an der Reihe. Die Wirtschaft ließ Mao weitestgehend in Ruhe, er hatte nach seiner letzten Kampagne begriffen, dass trotz aller politischen Auseinandersetzungen die Produktion weiterlaufen musste.

Nach den Roten Garden waren die selbst ernannten „Rebellen“ an der Reihe, sie trugen die zweite Revolution ins gesamte Land. Mao entledigte sich in dieser Zeit aller seiner persönlichen Kritiker, Liu Shao-chi und Lin Biao etwa. Seine Macht war nun vollkommen, auch wenn die Kulturrevolution, bei der in riesiger Zahl wertvolle Kulturgüter zerstört wurden, gelegentlich aus dem Ruder lief. Mao war alleiniger Herrscher Chinas – mindestens drei Millionen Tote, ebenso viele zum Krüppel geschlagene Opfer waren für ihn nebensächlich.

1976 starb Mao und mit ihm die Kulturrevolution. Innerhalb kürzester Zeit übernahmen die verbliebenen Realisten im Politbüro die Macht und eliminierten die Maoisten. China machte sich auf den Weg in eine andere Zukunft, und die hieß Kapitalismus.

Der Zusammenbruch der alten KP-Strukturen während der Kulturrevolution hatte dafür gesorgt, dass im allgemeinen Chaos eine Untergrundwirtschaft entstand, sehr produktiv und sehr einträglich. Maos Nachfolgern blieb kaum etwas anderes übrig, als diesen Bereich der chinesischen Wirtschaft zu legalisieren. Heute blüht die Privatwirtschaft in China – dank der Großen Proletarischen Kulturrevolution.

Zehn Jahre Chaos in China

Die Stationen der Kulturrevolution:

Mai 1966: Mao Tse-tung entlässt auf einer Tagung des Politbüros seine Gegner und schafft eine „Gruppe für die Kulturrevolution“.

Sommer 1966: Schüler und Studenten werden angestachelt, gegen Lehrer und Intellektuelle vorzugehen – eine „Säuberungskampagne“ beginnt.

8. August 1966: Auf der Sitzung des Zentralkomitees ruft Mao Tse-tung den Kampf gegen alte Denkweisen, Kultur, Gewohnheiten und Sitten aus.

1967: Staatspräsident Liu Shaoqi, ein Gegner Mao Tse-tungs, wird festgenommen und stirbt nach Misshandlungen 1969 im Gefängnis. „Rote Garden“ übernehmen Teile des Staatsapparats und legen die Regierung lahm, sodass die Armee eingreift.

1968-1971: Die meisten Opfer gibt es in dieser Zeit. Rund 15 Millionen Jugendliche werden zur Umerziehung auf das Land geschickt.

1971: Der gemäßigte Premier Zhou Enlai übernimmt die Außen- und Wirtschaftspolitik.

9. September 1976: Mao Tse-tung stirbt im Alter von 82 Jahren. Die „Viererbande“ um seine Frau Jiang Qing wird verhaftet. Ihr wird die meiste Schuld zugeschoben.

Jürgen Feldhoff

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