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Politik im Rest der Welt Lindner greift Schüler an, Klima-“Profi“ schaltet sich ein
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12:09 11.03.2019
Christian Lindner greift die demonstrierenden Schüler an. Sie sollten zur Schule gehen statt auf die Straße. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa
Berlin

Christian Lindner, Bundesvorsitzender der FDP, glaubt, dass die Schüler der „Fridays for Future“-Bewegung globale Zusammenhänge nicht gut genug verstehen – und erntet daraufhin starken Widerspruch.

„Ich finde politisches Engagement von Schülerinnen und Schülern toll“, schrieb er auf Twitter. Man könne von ihnen aber nicht erwarten, dass sie bereits alle globalen Zusammenhänge, das technisch Machbare und das ökonomisch Sinnvolle sähen. „Das ist Sache von Profis.“

Zur Erreichung der Klimaziele von Paris „braucht man nun eben Ingenieurinnen, Techniker und Ökonomen - also #Profis
“, ergänzte er auf Kritik hin in einem weiteren Tweet. „Jeder soll demonstrieren - aber außerhalb der Schulpflicht.“

Bei den „Fridays for Future“-Demonstrationen bleiben nach dem Vorbild der schwedischen Aktivistin Greta Thunberg immer wieder freitags Schüler dem Unterricht fern, um für die Einhaltung der Klimaziele von Paris zu demonstrieren.

Auf Lindners Aussagen hin begann ein Schlagabtausch: Juso-Chef Kevin Kühnert antwortete: „Ein altes Missverständnis rund um das Thema Kinder- und Jugendbeteiligung: Das Erfassen aller globalgalaktischen Zusammenhänge ist KEINE (!) Voraussetzung für demokratische Teilhabe (auch bei Erwachsenen nicht). Wir leben nicht in einer Aristokratie.“

„Profis meint Wissenschaftler, Ingenieure“

Lindner entgegnete: „Profis meint hier nicht ’Politiker’ oder ’Erwachsene’. Sondern die Wissenschaftler, Ingenieure. Die sollen über Auswahl der besten Mittel entscheiden, um Klimaschutz zu erreichen.“

Kühnert meldete sich darauf erneut zu Wort: „Entscheidungen treffen wir in unserer Gesellschaft demokratisch im Rahmen der dafür geschaffenen Institutionen. Um unsere Positionen werben wir natürlich auch unter Zuhilfenahme von Fachwissen. Aber die Verantwortung können wir niemals an einen kleinen erlauchten Kreis abtreten.“

Klimaforscher verteidigt Demonstrationen

Fachlich sprang einer der von Lindner als „Profis“ titulierten Wissenschaftler nden demonstrierenden Schülern bei: „Die Klima-Profis sind klar auf Seiten der Schüler!“, schrieb Stefans Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung als Antwort auf Lindners Tweet. „Greta Thunberg versteht mehr vom knappen Emissionsbudget und den Kipppunkten des Klimas als Herr Lindner.“

Bundesumweltministerin Svenja Schulze stellte sich ebenfalls auf der Seite der protestierenden Schüler. „Ich finde es gut, dass diese angeblich so unpolitische Generation den Mund aufmacht und auf die Straße geht“, sagte sie der „Bild am Sonntag“.

Nach Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Freitag auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Schülerproteste für mehr Klimaschutz ausdrücklich begrüßt.

Lesen Sie auch: Neue Freunde für Greta: 700 Forscher unterstützen Klimaschutz-Kids

Von Elena Butz/RND/dpa

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