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Noch 72 Stunden: Parteien erhöhen Wahlkampf-Einsatz

Berlin Noch 72 Stunden: Parteien erhöhen Wahlkampf-Einsatz

Ultimativer Kampf im Internet, mit Plakaten, Zeitungsanzeigen — und Angst vor Umfragen.

Berlin. Rund ein Drittel ihres Wahlkampfbudgets haben sich SPD, Union und FDP für die letzten Wahlkampf-Stunden aufbewahrt. Auch Grüne, AfD und sogar die Piraten rüsten nach. Wer weniger Geld hat, aktiviert noch stärker den Internet-Kampfplatz. 15 Prozent aller, die zur Wahl gegangen seien, hätten sich in Niedersachsen erst in den letzten 24 Stunden entschieden, haben Wahlforscher herausgefunden.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück wird noch am Wahlsonntag, zwischen 10 und 12 Uhr, in Bonn eine Wahlveranstaltung mit dem Lokalkandidaten Ulrich Kelber abhalten. Drei Tage am Stück will die SPD per Internet-TV am Ball bleiben. Sogar rot-grüne Direkt-Schaltungen sollen eine Lagerstimmung bei Interessierten aufkommen lassen. Die Online-Experten von Union, FDP wollen Ähnliches anbieten.

Wahlkampforganisatoren in den Berliner Parteizentralen wirken in dieser Phase, als hätten sie neue Aufputschmittel genommen oder etwas geraucht.

An 80 Orten haben klammheimlich Union und FDP Koalitionsabsprachen über ein kluges Stimmverhalten am Wahltag getroffen. Die FDP, die um ihre fünf Prozent bangt, darf sich aber nicht mehr sicher sein, ob sich die Unions-Partner an eine faire Stimmenaufteilung halten. Die CDU-Spitze kämpft mit Briefen, Mails und Telefonketten gegen unlieb gewordene Wahlkreis-Hilfe an. Altkanzler Helmut Kohl (CDU) unterstützt die Absage von Parteichefin Angela Merkel an die Zweitstimmenkampagne der FDP. In einem Video der Hamburger CDU fordert der 83-Jährige: „Machen auch Sie am 22. September beide Kreuze auf dem Stimmzettel bei der CDU.“

Begleitet wird dieses Stimmen-Karussel mit Tausenden neuer Plakate. Wie auch Grüne, AfD (mit einem zusätzlichen Millionen-Aufwand), Linke und Sozialdemokraten (die allein buchten 8000 zusätzliche Großflächenplakate) haben auch Union und FDP zwischen 30 und 35 Prozent ihrer Werbemittel aufgespart für den letzten Drücker. „Ich will nicht an der Beerdigung der FDP teilnehmen“, wird FDP-Mann Rainer Brüderle zitiert.

Morgen, drei Tage vor der Wahl, kommt, ein Novum im deutschen Wahlkampf, eine letzte nationale Umfrage an die Öffentlichkeit. Die meisten Parteien erwarten die Schlussansage der Meinungsforscher mit bekannter Nervosität. Die SPD erhofft sich sogar einen Schub, Unentschlossene seien mehrheitlich SPD-Sympathisanten. Das hätten die bisher 4,1 Millionen Haustür-Besuche gezeigt, verriet Generalsekretärin Andrea Nahles. Die FDP zittert die morgige Schluss-Umfrage regelrecht als „D-Day“ herbei. Sollte der FDP eine „4“ für den Wahltag vorhersagt werden, dann „wird nichts mehr zu retten sein“, verriet ein Präsidiumsmitglied der Liberalen. „Wenn das mal in Bewegung kommt, gibt es oft kein Halten mehr“, habe Rainer Brüderle erklärt.

44 zu 44: Kopf-an-Kopf-Rennen
Wenige Tage vor der Bundestagswahl liegen nach einer Forsa-Umfrage die regierende Koalition und die drei im Bundestag vertretenen Oppositionsparteien mit je 44 Prozent in der Wählerstimmung gleichauf.

39 Prozent würden wie in der Vorwoche die Union wählen. Die FDP büßte einen Punkt ein und sackte auf fünf Prozent ab. Die bis einschließlich Montag erstellte Umfrage zeigte damit noch keinen Erfolg der FDP-Zweitstimmenkampagne.

25 Prozent der Wähler wollten unverändert der SPD ihre Stimme geben. Ebenfalls wie in der Vorwoche entfielen zehn Prozent auf die Linke und neun Prozent auf die Grünen.



Die Anti-Euro-Partei „Alternative für Deutschland“ verharrte bei drei Prozent. Die Piraten stagnierten bei ebenfalls drei Prozent. Forsa-Chef Manfred Güllner sagte, ein Unsicherheitsfaktor bei der Wahl bleibe die AfD, deren Wähler sich nicht offen bekennen würden.

Dieter Wonka

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