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Politik im Rest der Welt Papst Benedikt wird 90
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18:30 15.04.2017
Feiert heute Geburtstag: Benedikt XVI (Foto aus dem Jahr 2012). Quelle: Foto: Dpa

Die Haushälterinnen sind dabei, der Bruder reist an, Papst Franziskus hat bereits gratuliert. Wenn der emeritierte Papst Benedikt XVI. heute 90 Jahre alt wird, soll es ruhig zugehen. „Große Feierlichkeiten sind ihm ein Gräuel, vor allem, wenn er im Vordergrund steht. Weil er ein eher schüchterner Mensch ist, ist er froh, wenn es wieder vorbei ist“, sagt sein Biograf Peter Seewald, der ihn öfter getroffen hat.

Von einer „bescheidenen Feier im bayerischen Stil“, spricht sein Privatsekretär, der deutsche Erzbischof Georg Gänswein. Klar im Kopf, aber müde in den Beinen, so sei der Zustand des gebürtigen Bayern, der vor vier Jahren mit einem spektakulären Rücktritt einen Strich unter sein knapp acht Jahre langes Pontifikat zog.

Beten, lesen, hie und da Besuche empfangen, ein Spaziergang mit dem Rollator – so sieht der Alltag Joseph Ratzingers aus. Seine körperliche Verfassung lässt es nicht mehr zu, an großen öffentlichen Veranstaltungen teilzunehmen. „Natürlich ist er körperlich nicht mehr 18“, sagt Kardinal Gerhard Ludwig Müller, Chef der Glaubenskongregation. Aber: „Denken, lesen, alles geht wie immer.“

Der Mann, der schon vor seiner Zeit als Papst den Vatikan wie kaum ein anderer über Jahrzehnte geprägt hat, lebt heute zurückgezogen in einem Kloster in dem Kirchenstaat. Wenige Meter von seinem Nachfolger Franziskus entfernt und immer noch mitten im Machtzentrum der katholischen Kirche. „Das Verhältnis der beiden ist gut, aber nicht intensiv. Nicht so, als passe kein Blatt Papier zwischen die beiden“, sagt Seewald.

Franziskus sucht hin und wieder Rat bei Benedikt, der sich wiederum weiter für seine theologischen Themen interessiert. Auch mehrere Schriften hat er als Papst emeritus verfasst und Interviews gegeben, was als Zeichen gewertet wurde, dass er sich immer noch einmischen wolle.

Auch wenn immer wieder interpretiert wird, dass Benedikt als „Schattenpapst“ neben Franziskus walte: Die Beziehung der beiden ist von Respekt gezeichnet. Benedikts Pontifikat scheint vielen wie Lichtjahre entfernt. Franziskus hat mit seiner offenen Art die Herzen vieler Gläubiger im Sturm erobert. „Vielleicht bin ich ja tatsächlich nicht viel genug unter Menschen gewesen“, bekannte Benedikt in Seewalds Interviewband.

In Deutschland gehört die „Wir sind Papst“-Euphorie der Geschichte an, auch wenn zu Benedikts Geburtstag viele Würdigungen einlaufen. Morgen wollen Gebirgsschützen, Trachtler und Ministerpräsident Horst Seehofer aus Bayern nach Rom kommen. Benedikts Herz schlägt eben immer noch für weiß-blaue Tradition, schließlich ist er im oberbayerischen Marktl geboren. Zudem steht ein Besuch von Kardinal Reinhard Marx, dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, an.

An seinem Geburtstag kann er sich fern des Trubels über eines freuen: Er wurde an einem Karsamstag geboren. Eine Tatsache, die ihn tief geprägt hat. Sein Neunzigster fällt auf einen Ostersonntag, das christliche Fest der Auferstehung. Das allein genügt ihm wohl, denn laut seinem drei Jahre älteren Bruder Georg Ratzinger hat der emeritierte Papst „ja alles“.

Einen Wunsch hat der Bruder aber dennoch: „Dass der liebe Gott ihm noch ein paar Jahre schenken möge“, sagt er. „Dass er rüstig und von Leiden verschont bleibt, bis er ins ewige Leben hinübergeht.“

Annette Reuther

LN

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