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Pilotin an der Propagandafront

Moskau Pilotin an der Propagandafront

In Moskau wird einer Ukrainerin der Prozess gemacht, weil sie am Tod von russischen Zivilisten schuld sein soll.

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Im Hungerstreik: Die ukrainische Militärpilotin und in Abwesenheit gewählte Parlamentsabgeordnete Nadeshda Sawtschenko protestiert so gegen ihren Prozess vor einem russischen Gericht.

Quelle: Juri Kochetkow/dpa

Moskau. Im Windschatten des Flüchtlingsdramas an der griechischen Grenze und der Syrien-Krise schwelt der Konflikt in der Ostukraine weiter — bei immer wieder aufflackernden Gefechten trotz aller Minsk-Abkommen und auch an den Propaganda-Fronten. Aktuell im Mittelpunkt: die ukrainische Hubschrauberpilotin Nadeshda Sawtschenko.

 

LN-Bild

Freiheit für Sawtschenko fordern Demonstranten in Kiew.

Quelle: imago

„Die fragwürdigen Verhörmethoden widersprechen internationalen Standards.“ Regierungssprecher Steffen Seibert

Die 34-Jährige steht derzeit in Russland vor Gericht — sie soll am 17. Juni 2014 nahe Luhansk den Standort der russischen Journalisten Anton Woloschin und Igor Korneljuk und anderer Zivilsten an das ukrainische Freikorps-Bataillon Ajdar weitergegeben haben, das dann die Gruppe unter Beschuss nahm und die Reporter tötete. So lautete jedenfalls damals der Vorwurf des Leiters des „Komitees zur Untersuchung von Verbrechen unter Einsatz verbotener Mittel und Methoden der Kriegsführung“, Aleksandr Drymanow, und so lautet jetzt auch die Anklage der russischen Staatsanwaltschaft, die 23 Jahre Haft für die Ukrainerin fordert.

Sawtschenko sieht sich jedoch als Opfer der russischen Justiz, der sie vor Gericht buchstäblich den sogenannten Stinkefinger zeigte. Sie weist alle Vorwürfe zurück, sie sei zum Zeitpunkt des Beschusses bereits von Separatisten-Milizen festgenommen worden. Wie genau sie dann aus der Ostukraine nach Russland gelangte, ist unklar; viele gehen davon aus, dass die Rebellen sie über die Grenze brachten.

Der Fall Sawtschenko ist aber längst auch ein Politikum: Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko stellte sich hinter sie, und sei es, um der „Vaterlandspartei“ seiner innenpolitischen Rivalin Julia Timoschenko keinen propagandistischen Geländegewinn zu ermöglichen: Die umstrittene ährenkranzbezopfte „Gasprinzessin“ hatte Sawtschenko nach deren Festnahme auf dem Ticket ihrer Partei in Abwesenheit bei den Wahlen ins Kiewer Parlament gehievt.

Auch in Berlin machte sich Kanzlerin Angela Merkels Sprecher Steffen Seibert jüngst für Sawtschenko stark. Die mehr als 20-monatige Inhaftierung Sawtschenkos und die „fragwürdigen Verhörmethoden“ widersprächen internationalen Standards, und auch der Russlandbeauftragte der Bundesregierung, Gernot Erler (SPD), mahnte „mit großer Sorge“ Moskaus „menschenrechtliche Verpflichtungen“ an. Allerdings sieht man — wieder einmal — die Lage in Moskau etwas anders: Man verweist auf die engen Verflechtungen Sawtschenkos mit dem Ajdar-Bataillon, dem ersten von zwischenzeitlich mehreren Dutzend Freikorps, das sich im Krisenjahr 2014 bildete und mit mehreren hundert paramilitärischen Kämpfern ohne große Kontrolle durch die offizielle ukrainische Armee gegen die Separatisten kämpfte. Und oft auch brutal die Zivilbevölkerung drangsalierte, wie Amnesty International unter anderem in einem „Briefing“ vom 8. September auf acht Seiten beklagte. Zudem weist man in Moskau gern auch auf die neonazistische Grundausrichtung von Ajdar-, Asow- und anderen Bataillonen hin, die ukrainische Nazi-Kollaborateure feiern und sich mit von Neonazis bevorzugter Symbolik schmücken.

Immerhin: Vom totalen Verzicht auf jegliche Nahrung und Flüssigkeit hat Sawtschenko inzwischen wieder Abstand genommen. Gestehen will sie, ermuntert von Poroschenko und dessen Premier Jazenjuk, nichts — ein Urteil könnte am 21. März gesprochen werden. Beobachter erwarten, dass Sawtschenko danach gegen gefangene Separatisten ausgetauscht werden könnte. Vor dem Urteil, stellte das russische Außenministerium klar, komme ein solcher Austausch keinesfalls in Frage. mw

LN

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