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Politik im Rest der Welt Reeperbahn schwer bewacht: Wenig Party, viel Polizei
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22:22 09.01.2016

„Sexism, Racism, Homophobia — No tolerance“ strahlt von der Videofassade des Klubhaus Hamburg über den leeren Spielbudenplatz. Am ersten Wochenende nach Bekanntwerden der sexuellen Übergriffe auf Frauen an Silvester ist es auf der Hamburger Reeperbahn merklich ruhig. Ein paar Häuser weiter, in der Davidwache, haben die Beamten jedoch schon gegen 21 Uhr alle Hände voll zu tun: Drei Männer, die kein Deutsch sprechen, sitzen verletzt in der Wache, einer hat stark blutende Platzwunden am Kopf. „Alltagsgeschäft“, sagt einer der Polizisten.

An diesem Abend ist das längst nicht der einzige Einsatz der Beamten — nach den Attacken am Silvesterabend, aber auch nach den Konflikten zwischen den Rockergruppen „Hells Angels“ und „Mongols“ hat die Polizei ihre Präsenz auf der Reeperbahn verstärkt. Die Polizei spricht von einer Hundertschaft, die im Einsatz sei, verstärkt durch Beamte der Reiterstaffel.

In größeren Gruppen laufen die Polizisten die „Große Freiheit“ auf und ab, grenzen immer wieder mehrere junge südländisch aussehende Männer ab und kontrollieren deren Papiere. Die meisten überfallenen Frauen hatten die Täter aus der Silvesternacht als „südländisch oder arabisch aussehend“ beschrieben.

An der Reeperbahn sitzen René, Andreas und Constantin in bunte Schlafsäcke gehüllt und betteln Passanten um Geld an. „Alle paar Minuten kommt hier jetzt ein Streifenwagen vorbei“, sagt René. Sie finden es „hier viel zu ruhig.“ 

Melanie ist Touristenführerin auf dem Kiez. Seit den Vorfällen ist sie deutlich wachsamer: „Ich gebe meinen Gästen jetzt sehr klare Anweisungen. Wenn ich sage .

weglaufen‘, dann mache ich klar, dass ich es auch so meine.“ Kristin Rumpf hat an Melanies Tour teilgenommen.  „Als Frau hätte ich heute alleine schon ein mulmiges Gefühl“, sagt sie. „Aber in der Gruppe geht es“. 

An diesem Abend sind neben normalen Fußstreifen der Polizei auch Wagen mit Kameras und zwei Videoteams mit Bodycams unterwegs. Aylin Paulick ist an diesem Abend mit ihrer besten Freundin und ihren Eltern auf der Reeperbahn. „Ich werde mich nach den Attacken bestimmt nicht zu Hause verstecken“, sagt die 19-Jährige selbstbewusst. Alleine würde aber auch sie jetzt nicht über den Kiez laufen.

Gegen Mitternacht sitzen René und seine Freunde noch immer an ihrem Platz. Dass Attacken wie in der Silvesternacht in der nächsten Zeit noch einmal so vorkommen, glaubt keiner von Ihnen.

Polizeiaufgebot hin oder her, hier werde niemand so schnell mehr eine Frau anfassen. Der Kiez habe jetzt „Augen und Ohren weit geöffnet“.

LN

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