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Politik im Rest der Welt Reformation auf Sparflamme
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13:40 24.07.2017

. Es war der Höhepunkt für die deutschen Protestanten im Jahr 2008: Vor 2000 Besuchern und mit viel Polit- und Kirchenprominenz eröffneten am 21. September die evangelischen Kirchen in Lutherstadt Wittenberg feierlich die Lutherdekade zum 500. Reformationsjubiläum im Jahr 2017. Krönender Abschluss sollte das Jubiläumsjahr 2017 sein, mit Tausenden Veranstaltungen bundesweit, mit einem Touristenboom aus aller Welt. Als Höhepunkt für das große protestantische Comeback war der Deutsche Evangelische Kirchentag in Berlin und Wittenberg gedacht.

Das Reformationsjubiläum hat den Schwung verloren – die großen Hoffnungen erfüllten sich bisher nicht.

Groß war die Hoffnung, dass sogar der Papst im Jubiläumsjahr nach Deutschland kommt, um einen Aussöhnungsprozess zwischen Katholiken und Protestanten zu krönen. Die Hoffnung trog jedoch . Dennoch freute sich der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, Ende 2016 noch über die große öffentliche Aufmerksamkeit für das Jubiläum: Die eigens neu übersetzte Lutherbibel sei ein Verkaufsschlager und bereits restlos ausverkauft. Das sei ein Zeichen dafür, wie aktuell die christliche Botschaft sei.

Doch seither herrscht Ernüchterung: Die Besucherzahlen der Kirchentage blieben vor allem in Mitteldeutschland weit unter den Erwartungen, massenhafte Touristenströme nach Wittenberg bleiben aus.

Besonders deutlich zeigte sich die Besucherlücke beim „Kirchentag auf dem Weg“ in Leipzig. Gerechnet wurde ursprünglich mit rund 50 000 Interessenten, tatsächlich kamen um die 15 000. Viele Waggons der eingesetzten 160 Sonderzüge blieben leer, wie auch weite Teile des 40 Hektar großen Gottesdienst-Areals auf der Elbwiese.

Zur Halbzeit des Reformationsjahres geht der langjährige Leipziger Thomaskirchen-Pfarrer Christian Wolff deshalb mit seiner Kirche hart ins Gericht. Der streitbare Theologe sieht die evangelische Kirche in einer „dramatischen Krise“, die durch das Jubiläum „ungewollt sichtbar geworden ist“. Die Kirche komme ihm vor wie ein großes Kaufhaus ohne Kunden. Viele der Gemeinden vor Ort hätten ihre Mitarbeit an Jubiläum und Kirchentag verweigert, weil sie daran keinen Sinn sehen, auf der einen Seite seit Jahren “auszubluten" und dann einen Kirchentag feiern zu sollen, der wegen des Jubiläums fremdbestimmt wird, sagt Wolff. Nicht eine einzige Kirchentagsfahne sei in Leipzig zu sehen gewesen, kritisiert der Pfarrer, und wirft der evangelischen Kirche Profillosigkeit vor. Wenn sie so weiter mache, verliere sie den Anschluss an die nächste Generation.

LN

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